Impressum

Ausgabe: 05. Mai 2022

Florian Madl

Ein Wacker-Gipfel mit unterschiedlicher Nachbetrachtung

Wunder gescheh’n, sang die deutsche Pop-Ikone Nena. Was den FC Wacker Innsbruck betrifft, glaubt LHStv. Josef Geisler indes nicht mehr daran, dass so eines noch passiert: „Ich kann mir das kaum vorstellen.“ Zu sehr klaffen Wunsch und Wirklichkeit auseinander, das wurde beim jüngsten Polit-Gipfel mit Vereinspräsident Kevin Radi offensichtlich. Und heute läuft bekanntlich die Frist ab, in deren Rahmen man beim Neutralen Schiedsgericht noch einmal eine Zulassung für die zweite Liga beantragen könnte. Nachgereicht werden darf bei dieser Gelegenheit nichts mehr, die Entscheidungsgrundlage des Bundesliga-Gremiums bleiben die Unterlagen der beiden vorangegangenen Versuche. Wahrscheinlich scheint vielmehr ein Konkurs des Profibetriebs, der für kommende Woche im Raum steht.

Radi nannte zwar kryptisch „fünf, sechs Gruppierungen“, die helfen wollen, konnte aber einmal mehr keinen Plan B präsentieren, sollte das täglich erwartete Investorgeld in Höhe von 3 Mio. Euro nicht eintreffen. Entsprechend gingen die Meinungen auseinander, wie der Austausch am Dienstagabend zu bewerten sei:

Die Politiker seien „über etwaige Optionen informiert, die bei der Kapitalisierung und Restrukturierung des Vereins helfen könnten“, hieß es seitens des FC Wacker. Im Gegenzug vermissten die in der Aussendung Angesprochenen eben das. Nun hofft die Politik, dass zumindest für den Amateurbetrieb eine Lösung gefunden werden kann.

Dem Wacker-Präsidenten wird es mittlerweile von vielen Seiten nicht mehr zugetraut, den verfahrenen Karren aus dem Dreck zu ziehen. Ihm fehle es an der für diese Position nötigen Kompetenz und zudem an Handlungsspielraum, was Weichenstellungen anbelangt.

Die Stadt in Person von Sportsprecherin Elisabeth Mayr unterbreitete dem Verein das Angebot, mithilfe des Sportamtes die Subventionsunterlagen für die abgelaufene Saison (Nachwuchs und Damen) zu prüfen – nur dann könne man auch künftige Auszahlungen vornehmen (Frist bis Ende Juni). Und man könne auch neue Mittel nur auszahlen, „wenn alles sauber aufgestellt ist“.

Nicht nur die Politiker, auch die Fans sind vom Vorgehen des Vereinspräsidenten nicht mehr überzeugt: Bis gestern, 17 Uhr, hatten über 1900 Personen die Online-Petition zur Absetzung Radis unterzeichnet. Und Unmutsbekundungen wird es wohl auch am Freitag geben, wenn Horn im Tivoli-Stadion gastiert. Vor dem Wacker-Marsch in die Innenstadt wird der Präsident allerhand von der Tribüne zu hören bekommen, der VIP-Klub entfällt als Rückzugsort. Zwar griff man seitens des FC Wacker noch einmal in die Tasche, um den Security-Dienst zu finanzieren, den Caterer allerdings sparte man sich. Es könnte das letzte Bundesliga-Heimspiel vor Zuschauern sein: Das Saisonfinale vor Fans am 22. Mai (Dornbirn) erscheint mittlerweile mehr als ungewiss.