Impressum

Ausgabe: 10. Mai 2022

Peter Nindler, Florian Madl

Morgen fallen die Wacker-Würfel

Der Insolvenzantrag des Profibetriebs soll eingereicht werden und ein Ex-Investor möchte bis Mittwoch eine Entscheidung. Die Vereinsrettung könnte sich aber schwierig gestalten, Minus könnte 1, 8 Mio. Euro betragen.

Innsbruck – Am 22. Mai endet die Zweitliga-Saison, doch schon morgen fällt für den FC Wacker die Entscheidung über die weitere Zukunft. Die finanzielle Situation nimmt dramatische Ausmaße an, eine Rettung des Profibetriebs scheint ausgeschlossen. Und nun wackelt auch der Amateur-Verein in einem Ausmaß, wie man es nicht vermutet hätte.

1 Insolvenz droht: Wacker-Präsident Kevin Radi kündigte beim Polit-Gipfel am vergangenen Dienstag mit LHStv. Josef Geisler und Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi eine Lösung für diese Woche an – das beinhaltet auch einen Insolvenzantrag für den Profibetrieb. Ein Aufschub scheint allein von dieser Seite her unwahrscheinlich, wurde doch bis zum Wochenende eine Stundung bei der Österreichischen Gesundheitskasse gewährt.

2 Vereins-Minus deutlich höher? Verein und Profi-Gesellschaft sind zwar unterschiedliche Rechtspersönlichkeiten, doch eine Rettung des Vereins könnte sich äußerst schwierig gestalten. Denn offenbar gibt es doch größere finanzielle Verstrickungen, als bisher angenommen wurde. Bis zu 970.000 Euro könnte der Verein bis Saisonende Schulden ansammeln. Darüber hinaus ist jetzt die Rede davon, dass gegenüber der Gesellschaft offene Forderungen von rund 800.000 Euro bestehen bzw. verbucht sind. Vor allem bei den Gehältern soll querfinanziert worden sein. Mit der Insolvenz könnte sich somit der Schuldenstand des Vereins auf 1,8 Millionen Euro erhöhen. Derzeit schwirren aber zu viele Zahlen herum, viel Konkretes konnte Wacker-Präsident Kevin Radi bisher nicht vorlegen.

3 Land fordert Zukunftskonzept: Zuletzt haben sich einige „Retter“ ins Spiel gebracht, die auch beim Land vorstellig wurden. Dort gibt es jedoch eine klare Linie, was die eingefrorenen Förderungen von rund 205.000 Euro fu?r die aktuelle Saison betrifft. Bei der Stadt Innsbruck geht es um 100.000 Euro. Nur wenn ein finanzielles Zukunftskonzept vorgelegt wird, das auch zum Großteil die Altlasten des Vereins umfasst, will die öffentliche Hand die einbehaltenen Förderungen auszahlen. Bisher haben die Gespräche mit den vermeintlichen rettenden Engeln aber noch kein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht. Zu viel wird versprochen, aber zu wenig Handfestes auf den Tisch gelegt.

3 Saisonfinale wackelt: Selbst die Finanzierung des anstehenden Auswärtsspiels in St. Pölten (Freitag) scheint ungewiss, beim Bus-Unternehmen häuften sich die Außenstände auf einen mittlerweile fu?nfstelligen Betrag. Und auch das letzte Match daheim gegen Dornbirn ist noch lange nicht fixiert – ohne Einigung mit der Security mu?sste man sich mit einem Geisterspiel behelfen. Aus Vorarlberg vernimmt man bereits Stimmen, wonach die Lustenauer Austria das Beschreiten des Klagswegs gegen die Bundesliga nicht ausschließen will, sollte Schwarz-Grün die Saison nicht beenden: „Wir werden ganz sicher alles, was uns möglich ist, ausschöpfen“, meinte Vorstandssprecher Bernd Bösch. Grund: Würden die Wacker-Spiele im Fall eines Ausstiegs der Tiroler annulliert, wäre plötzlich der FAC in der Pole-Position um Titel und Aufstieg.

4 Spieler gehen: Wie in der TT bereits angekündigt, lösten nun auch weitere Akteure ihren Vertrag auf. Neben Ex-Kapitän Lukas Hupfauf sah sich am Freitag auch Alex Joppich zu diesem Schritt gezwungen. Grund: Als 27-Jähriger wäre fu?r ihn selbst in der Regionalliga eine Ausbildungsentschädigung fällig. „Die Frist läuft bis zum 28. Lebensjahr“, präzisierte Fußballer-Gewerkschafter Oliver Prudlo. Joppich kostete der Schritt große Überwindung, letztlich sah sich das Wacker-Urgestein jedoch dazu gezwungen: „Deshalb war der Freitag ein sehr emotionaler Tag für mich. Toll, wie uns die Fans gefeiert haben“, erzählt der Außenverteidiger nach seinem vorerst letzten Match gegen Horn, bei dem auch Tränen geflossen seien. Ob sich Joppich einen Neuanfang beim FC Wacker in der dritten Leistungsstufe vorstellen könne? „Ich beobachte die Situation sehr genau, es wäre jedenfalls eine gute Option.“

5 Kader schrumpft: Mittlerweile sind es zehn Spieler, die ihren Vertrag aufgrund fehlender Gehaltszahlungen vorzeitig auflösten. Die letzten beiden Saisonspiele werden Joppich & Co. nicht mehr auflaufen, das gefährdet zudem den Österreicher-Topf (Sonderzahlung für ein Mindestmaß einheimischer Spieler im Kader). Schon zuletzt gegen Horn füllten verletzte Spieler des Regionalliga-Teams den Profi-Kader, ihr Einsatz stand gar nicht erst zur Debatte.