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Ausgabe: 10. Mai 2022

Alex Gruber

Auf dem Weg nach oben geht Schnittstelle verloren

Das Wacker-Schicksal belastet auch die heimische Talentearbeit, zumal die wertvolle Zweitliga-Plattform (vorerst) wegfallen wird.

Innsbruck – Wo schlagen „goldene“ Tiroler Jahrgänge wie beispielsweise jener von 2001 („Ausnahme“-Kicker Matthäus Taferner/WAC oder die aus den Wacker-Verträgen ausgestiegenen Florian Kopp, Clemens Hubmann oder Robert Martic) in Zukunft ihre Zelte auf? Was passiert mit den jüngeren Kollegen, denen nach der Ausbildung in der Tiroler Fußball-Akademie oder auch als seltenen Quereinsteigern der nahrhafte Zweitliga-Boden verloren geht?

Mit der nahenden Insolvenz über die GmbH ist der Profifußball bei Wacker Innsbruck wohl bald Geschichte, bei der Rettung des Vereins lässt sich im besten Fall – die dezimierte zweite Mannschaft kämpft im unteren Play-off der tt.com Regionalliga Tirol noch um den direkten Klassenerhalt – auch in der nächsten Saison eine Regionalliga-Mannschaft stellen, die ein neues Gesicht bräuchte. „Ich will ziemlich sicher nicht in die Regionalliga gehen, sondern hoffe, in der Bundesliga den nächsten Schritt setzen zu können“, führt Hubmann seinen Karriereplan aus. Nicht ohne wohlwollenden schwarz-grünen Nachsatz: „Uns hat beim FC Wacker sowohl die Spielpraxis in der zweiten Liga als auch in der Regionalliga sehr gut getan.“ Ein Satz, bei dem auch Jahrgangskollege Martic zustimmend nickt: „Es ist traurig, was beim Verein passiert. Wir müssen schauen, was herauskommt. Aus emotionaler Sicht würde ich sicher gerne helfen, den Verein wieder raufzubringen.“

Vorerst halten sich die beiden an der Akademie fit, Hubmann will dieser Tage mit Tirols ÖFB-Talentecoach Florian Schwarz an seinen Schwächen („linker Fuß und mehr ins Dribbling gehen“) arbeiten, um sich interessant zu machen.

Die wahre Lücke zum anvisierten Schritt in den Profifußball klafft insbesondere für die besten Abgänger aus dem AKA-U18-Team – bei aller Wertschätzung für die engagierte Arbeit bei den elf Tiroler Regionalliga-Teams, die wie beispielsweise der SC Imst zumindest mit einem Auge nach oben schielen. Denn: „Die zweite Liga war als Bindeglied extrem wichtig. Es gibt in ganz Österreich – auch in Salzburg, bei Rapid oder der Austria – kaum Akademie-Abgänger, die direkt den Sprung in die Bundesliga schaffen“, weiß Stefan Köck, Sportmanager der WSG Tirol, aus langjähriger Erfahrung. Selbst wenn (über-)ehrgeizige Eltern und (Jugend-)Berater nur zu gerne von einer anderen Fußball-Realität träumen. Und obwohl sich das eigene Juwel noch nicht einmal in der Regionalliga bewiesen hat ...

Als Bundesligist benötigt die WSG Tirol eine eigene Akademie (Köck: „Finanziell nicht machbar“) oder eine Kooperation mit dem Landesverband – eine Zusammenarbeit, die mit dem Tiroler Fußballverband seit drei Jahren läuft. „Die Akademie ist beim Verband (seit 2002 und dem FC-Tirol-Konkurs; Anm.) gut aufgehoben“, betont Köck.

„Unser Ziel ist es, die Arbeit in der Akademie stetig zu verbessern. Die Plattform in der 2. Liga ist sehr wichtig. Denn vom Leistungsniveau der Talente ist es schwierig, gleich in der ersten Liga Fuß zu fassen“, bringt auch TFV-Präsident Josef Geisler die Sachlage an den so wichtigen Schnittstellen auf den Punkt.