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Ausgabe: 12. Mai 2022

Alex Gruber

Der FC Wacker setzt seine Reise ins Ungewisse fort

Der Wacker-Bus nach St. Pölten wird von einem Sponsor von Austria Lustenau bezahlt. „Wir wollen fertig spielen“, betont FCW-Coach Oenning.

Innsbruck – Der FC Wacker Innsbruck pfeift seit Monaten finanziell aus dem (aller)letzten Loch, der Insolvenzantrag über die GmbH (=Profibetrieb) soll morgen eingereicht werden. Die Tatsache, dass die kommende Busreise nach St. Pölten zum vorletzten Zweitliga-Match am Freitag (18.30 Uhr) von Austria Lustenau bezahlt werden soll (die TT berichtete), erzürnte FCW-Coach Michael Oenning kurzfristig: „Wir haben auch noch einen gewissen Stolz.“

Die Austria aus dem Ländle stellte gestern auf ihrer Homepage über Vorstandssprecher Bernhard Bösch klar: „Wir hoffen natürlich, dass die Saison sportlich auf dem Platz entschieden wird. Das sieht auch ein Sponsor aus dem Umfeld unseres Vereins so und engagiert sich dafür auch bei Wacker Innsbruck. Die Austria wird allerdings keine Zahlungen an andere Klubs vornehmen.“ Zumindest nicht direkt. Aber die Angst, dass der FC Wacker die Saison nicht ordnungsgemäß beenden könnte und der FAC nach Strafverifizierungen noch an der Austria auf Platz eins vorbeiziehen könnte, treibt seltsame Blüten.

Zurück ins schwarz-grüne Lager, wo Oenning nach aktuell zehn vorzeitigen Vertragsauflösungen (Eckmayr, Gallé, Hupfauf, Joppich, Hubmann, Kopp, Martic, Grujcic, Doski, Markelic) an einer zweitliga-tauglichen Elf für das Match in St. Pölten basteln muss – vor allem in der Innenverteidigung benötigt der 56-jährige Deutsche viel Phantasie: „Wir haben aktuell keinen gelernten Innenverteidiger mehr.“ Was nicht für eine Umstellung auf eine Dreierkette spricht und neben Routinier Dennis Grote einen neuen Mann im Zentrum und auf links statt Alexander Joppich (der wäre übrigens gesperrt gewesen) verlangt: „Es kommen einige spannende Junge hinten nach“, vergewisserte sich Oenning bei einer Elf-gegen-Elf-Einheit von den Wacker-Reserven, die z. B. Simon Plattner oder Marcel Dosch lauten könnten. Weil der (erste) Zweitliga-Einsatz eines schwarz-grünen Juwels aber auf Kosten der Regionalliga-Mannschaft – die Spieler sind danach beim zweiten Team in der Meisterschaft nicht mehr einsatzberechtigt – geht, muss man auch diese Aufgabe so wie die Kaderzusammenstellung für den Österreichertopf (6 Legionäre) äußerst sorgfältig behandeln.

Die internationalen Fanbekundungen pro Wacker Innsbruck zeigen laut Oenning auf, dass hinter dem Innsbrucker Traditionsclub „ein großer Name“ steckt. Deswegen sei es „schwer vorstellbar“, dass die Geschichte womöglich so ein bitteres Ende nimmt: „Die Jungs, die noch da sind, stehen kerzengerade“, setzt er in Niederösterreich erneut auf eine charakterstarke (Trotz-)Reaktion.

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