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Ausgabe: 27. Juli 2022

Florian Madl

Es geht um bis zu 12 Millionen Euro

In Sachen Wacker-Insolvenz werden heute erstmals Forderungen geprüft. Präsident Hannes Rauch rechnet mit grünem Licht und ist über Fan-Drohungen erbost.

Innsbruck – Heute geht es erstmals ans Eingemachte: Bei einer Prüfungstagsatzung in Sachen Wacker-Insolvenz geht es darum, ob Forderungen der Gläubiger gemäß dem Fachjargon „anerkannt“ oder „bestritten“ werden. Masseverwalter Herbert Matzunski gab auf TT-Anfrage keine Stellungnahme ab, über Erfahrung verfügt der Rechtsanwalt zur Genüge:

Schon vor 20 Jahren verantwortete der Jurist maßgeblich die Abwicklung des FC-Tirol-Konkurses, der sich über 6,5 Jahre zog und dessen Volumen 37 Mio. Euro umfasste. Auch heute soll es um viel Geld gehen, wie Wacker-Präsident Hannes Rauch gehört haben will: „Die Rede ist von 12 Millionen Euro, die allein Matthias Siems (Ex-Investor, Anm.d.Red.) von der GmbH fordert.“ Lapidarer Nachsatz: „Fordern kann man viel.“

Diese Zahl wollte der Hamburger Unternehmer gestern auf TT-Anfrage nicht bestätigen, eine „Forderung in Millionenhöhe“ allerdings schon. Siems hielt fest, dass es sich dabei um einen üblichen Vorgang handle, Geld erwarte er ohnehin nicht: „Für uns ist das Projekt Wacker abgeschlossen, aber das mussten wir aus juristischer Sicht tun.“ Und wie schon im Rahmen eines TT-Interviews im April verwies Siems auf unübliche Usancen während seiner Wacker-Zeit: „Mit dem oft zitierten Satz des Vorstandes ,Das machen wir schon immer so und im Übrigen die anderen auch‘ konnten wir uns nicht zufriedengeben“, hieß es damals. Ein unterschwelliger Vorwurf an ehemalige Vorstandsmitglieder, die sich selbst „Extra-Gehälter“ ausgezahlt hätten.

Während die Kapitalgesellschaft des FC Wacker (GmbH) nicht mehr zu retten ist, könnten die zahlreichen und immer noch nicht restlos aufgeklärten Querverbindungen zum Amateurbetrieb (Verein) noch für Kopfzerbrechen sorgen. Präsident Hannes Rauch, der heute als Vereinsvertreter dem juristischen Procedere beiwohnt, war gestern dennoch guter Dinge: „Es ist alles auf einem guten Weg. Mit dem Verlauf bin ich zufrieden“, urteilt der Kufsteiner über das Voranschreiten der finanziellen Vereins-Gesundung. Aus seiner Sicht sollte „spätestens Ende August alles erledigt sein“. Demzufolge wäre man dann aus dem Schneider.

Die neue erste Wacker-Kampfmannschaft nach den Turbulenzen tritt erstmals am Samstag (16 Uhr) in Kirchbichl in Erscheinung – ein junges Team und offiziell noch ohne Testspiel in den Beinen. „Wir freuen uns! Es ist wohl auch eine Chance für den FC Wacker nach den vergangenen Wochen“, meint Funktionär Franz Hechl seitens des Gastgebers. Die Vorbereitungen würden laufen, man sei mit den Fanclubs in Kontakt und erwarte in Summe 1000 Zuschauer (bis 600 aus Innsbruck). Vorkehrungen trifft man laut Hechl keine, schließlich habe man aus der Vergangenheit genügend Derby-Erfahrung (Kundl, Wörgl). Einzige Einschränkung: „Das Parken wird eine Herausforderung.“

Wacker-Präsident Rauch fiebert dem ersten Saisonspiel wenige Kilometer von seiner Heimat entfernt ebenso gespannt entgegen, ein wenig Anspannung schwingt bei ihm allerdings auch mit. „Einige Anhänger haben Drohungen gegen mich und meine Familie geäußert“, bestätigt der 50-Jährige diverse Gerüchte über Anfeindungen in sozialen Netzwerken. Zur Ruhe kommt der Ex-Politiker vorerst nicht.