Ein Derby ohne Grenze
FC Südtirol gegen FC Wacker Innsbruck – ein Testspiel, das es in den Amateurjahren des FCW nicht mehr gab, davor aber zu beinahe jeder Vorbereitung zählte. Mit der Rückkehr der Schwarz-Grünen in den Profifußball war es also heuer wieder soweit. Dieses Tiroler Duell hat durchaus seinen besonderen Reiz. Der FC Südtirol entwickelte sich aus dem 1974 gegründeten SV Milland zum Bozner Profiklub und schaffte 2022 erstmals den Aufstieg in die Serie B, wo er aktuell ungeschlagen Tabellenplatz 2 einnimmt.
Nach torloser erster Hälfte drehte Wacker auf. Kapitän Rami Tekir traf in der 53. und 58. Minute, Luis Gstrein vollendete in der 62. einen starken Konter – innerhalb von neun Minuten stand es 3:0. Der Südtirol kam noch auf 2:3 heran, doch Wacker brachte den Sieg über die Zeit. Nur ein Test? Vielleicht. Aber einen italienischen Zweitligisten schlägt man auch in einem Freundschaftsspiel nicht im Vorbeigehen.
Fußballfest zum 80er
Keine 24 Stunden später wartete Kundl. Der 1946 gegründete SC feierte seinen 80. Geburtstag und besetzt selbst ein besonderes Stück Tiroler Fußballgeschichte. Unvergessen das Jahr 1985, als der kleine SC Kundl die große Innsbrucker Profi-Mannschaft im ÖFB-Cup sensationell mit 6:2 aus dem Bewerb schoss.
Diesmal waren die Rollen anders verteilt. Sebastian Siller wechselte gegenüber dem Vortag die komplette Startelf, trotzdem gewann Wacker 5:0. Bright Owusu traf doppelt, Christopher Weinzierl, Okan Yilmaz und Yanis Guermouche steuerten die weiteren Tore bei. Doch wichtiger als das Ergebnis war das Fußballfest: viele Zuschauer, Jubiläumstrikots und die Hälfte der Eintrittseinnahmen für einen guten Zweck. So schön kann Fußball sein.
Neun Tore – aber nur 3:3
Spektakel pur gab es bei den Wacker-Damen gegen Geretsberg/Bürmoos. Nach 0:2-Rückstand drehten Giulia Eckert, ein Eigentor und Paula Schwaninger die Partie noch vor der Pause zum 3:2. Die Gäste glichen zum 3:3 aus – und gleich drei weitere Wacker-Treffer wurden wegen Abseits aberkannt. Der letzte sogar in der Nachspielzeit. Jubel, Fahne hoch, vorbei. Ein 3:3, das sich beinahe wie eine Niederlage anfühlte.
12 Karten, enge Partie & Auswärtssieg beim Tabellenführer
Die Wacker Amateure machten es gegen Rum spannend. Luka Stojak traf bereits in der ersten Minute. Matteo Weber erhöhte auf 2:0. Rum verkürzte nach der Pause, danach wurde es turbulent. Zwei Wackerianer sahen Gelb-Rot – plötzlich standen nur noch neun Schwarz-Grüne auf dem Platz. Allerdings nur in den Schlussminuten. So brachte man das 2:1 über die Zeit. Gleich zwölf Karten zeigte Schiedsrichter Hofer, der dabei sogar noch zwei Elfmeterfouls und eine Tätlichkeit an den Wackerianern übersah.
Das zweite Team der Wacker-Damen schloss das FCW-Wochenende mit einem durchaus überraschend klaren Sieg bei Tabellenführer SV Telfs ab. Madeleine Fender und ein Doppelpack von Leonie Auer besiegelte den 3:0 Auswärtssieg. Damit betätigten sich die Wackerianerinnen quasi als Zahnärztinnen, zog man den Telfer „Säbelzahntigerinnen“ doch mächtig die Zähne.
3:2 gegen einen italienischen Zweitligisten, 5:0 beim Kundler Jubiläum, ein verrücktes 3:3 der Damen, ein mit neun Mann verteidigtes 2:1 der Amateure und ein klarer Sieg beim Tabellenführer. Fünf Spiele, fünf Geschichten – und eine Erkenntnis: Wacker ist längst nicht nur die erste Mannschaft. Schwarz-Grün lebt auf vielen Plätzen. Und Schwarz-Grün macht keine Pause.
Das Tivoli wird wieder beben
Im Oktober kommen zwei Spiele, für die Fußballherzen schlagen. Für das traditionelle Westderby gegen Austria Salzburg am 16. Oktober sind sämtliche 16.125 Eintrittskarten längst vergriffen, selbst der VIP-Bereich musste erweitert werden. Und trotz Erweiterung hätte Wacker dreimal so viele VIP-Tickets verkaufen können. Das Gästekontingent war innerhalb weniger Minuten weg, der Ansturm brachte sogar den Server ins Schwitzen. Gemeinsam mit dem violetten Anhang hätte man für dieses Westderby wohl über 25.000 Karten verkaufen können.
Nur zwölf Tage später wartet schon der nächste Kracher: Im ÖFB-Cup-Achtelfinale trifft der FC Wacker Innsbruck auf die WSG Tirol. Aus langjährigen Partnern wurden Rivalen, aus Nachbarn Derbygegner – und beide nennen heute dasselbe Stadion ihre Heimat. Für die einen ist der Tivoli seit dem 20. September 1953 Heimat – früher im legendären alten Tivoli, nur einen Steinwurf weiter nördlich gelegen. Für die anderen ist er bis heute nur das „ungeliebte“ Ausweichstadion. Gerade einmal 13 Kilometer trennen die Vereinssitze in Innsbruck und Wattens. Näher geht kaum.
Westderby ausverkauft – und danach das Tiroler Cup-Derby. Wer sich dieses Fußballfest entgehen lässt, ist selbst schuld. Der freie Vorverkauf startet am Mittwoch, 7. Oktober, um 7 Uhr früh – und aufgepasst: Abos haben im Cup keine Gültigkeit. Der Tivoli ruft und um beim ÖFB-Cup-Achtelfinale gegen die Kristallbuam sicher dabeizusein, stellt man sich am besten Mittwochs sehr zeitig den Wecker. Es könnte gut sein, dass es am Donnerstag heißt-AUSVERKAUFT. Riens ne va plus! Innsbruck im Ausnahmezustand. Dass ich das noch miterleben darf…
