Man muss so ehrlich sein – Aura, davon ist recht wenig vorhanden in der Südstadt. Man bezeichnet den Klub als Graue Maus. Der kleine, unauffällige Klub, der sich in Niederösterreich wiedergefunden hat, obwohl er doch von drinnen, von der Stadt kommt. Der Fusionsklub, das Auffangbecken. Aber so glanzlos seine letzten Jahrzehnte auch gewesen sein mögen, man muss im Bewunderung entgegenbringen: Admira Wacker findet sich immer wieder im Profifußball ein, am Platz in Maria Enzersdorf kommt man in der österreichischen Geschichte nicht vorbei.
Admirare
So mancher wird darin geblättert haben, im Stowasser. Dem grünen Lexikon der lateinischen Sprache. Dort findet sich viel Spannendes. Auch der Ursprung des Namens jenes Vereins, der sich an diesem Wochenende den Innsbruckern entgegenstemmen wird. Admirare, admirari, admiror, admiratus sum… Bewundern, anstaunen. Das ist durchaus berechtigt in der Geschichte der Clubs, der seinen Ursprung im 21. Wiener Gemeindebezirk, in Jedlesee fand. Der über alle seine Vereinsteile 9 österreichische Meistertitel sein Eigen nennen darf, 12x Vizemeister, 6 Cupsiege, 7 weitere Finali, 2 Europacupfinali. Und einmal deutscher Vizemeister. Der mit Gerhard Rodax einen Torschützenkönig zu Bundesliga-Zeiten beheimatete, und unzählige Nationalteamspieler: die Ogris-Buben und Peter Artner, Ernst Baumeister und Josef Degeorgi, Marc Janko und Christian Mayrleb, Jürgen Panis und Dietmar Kühbauer, Marcel Sabitzer und Ivica Vastic, Manfred Zsak und Jimmy Hoffer. Und noch viele, viele mehr. Die Admira hatte Zeiten, da spielte sie an der Spitze Österreichs und in Europa, warf Inter Mailand aus dem Bewerb und Hertha BSC. Und Zeiten, da war man die vielgenannte graue Maus, im Niemandsland der Liga, am finanziellen Abgrund, durch Fusionen bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Admira aus Jedlesee, entstanden aus Burschenschaft Einigkeit und Sportklub Vindobona, dann kam Sturm aus der Nachbarschaft, der Eisenbahnersportverein, beinahe die Wiener Austria, dann doch Wacker Wien aus Obermeidling. Man hätte fast auch VSE St. Pölten inhaliert, schluckte jedoch VfB Mödling. Und auf anderen Ebenen etwa Traiskirchen. Man stand vor dem Aus und spielte doch weiter. Verlor seinen Namen und blieb doch die Admira. Bewundernswert. Wie auch der legendäre Fan, seine Trommel, sein Megafon, oft genug einsam in der Südstädter Ecke stehend: Schöffix, Gerald Schöfberger mit bürgerlichem Namen. Kein 90er-Fußballbericht im ORF ohne Schwenk zu ihm. Sinnbild für den Verein: oft einsam, aber immer da.
Multicolor
Graue Maus trifft das Stadion, die letzten Jahrzehnte – den Verein in seiner Gesamtheit sicher nicht. Und da reden wir nicht nur von den Vereinsfarben. Schwarz-Weiß-Rot ziert den Verein und vereint darin das Schwarz-Weiß der Admira – und das Scharz-Weiß des SC Wacker. Ob man nun Rot gesehen hat, weil man das geliebte Wien verlassen musste, oder das Rot-Weiß-Rot der Mödlinger überstark eingeschlagen hat, lassen wir unbeantwortet. Man hat sich aber immerhin aus dem bicolor ins multicolor begeben. Vielfarbig, wie ein Nachblättern bei Stowasser ergibt. Also bei Joseph Maria Stowasser, dem Lehrer und Altphilologen, dessen Name bei manchem Schüler noch Flashbacks auslöst. Nicht Friedrich Stowasser. Denn multicolor und Stowasser, das könnte man auch anders verstehen. Sto… Slawisch für Hundert. Friedrich, in japanischen Schriftzeichen wiedergegeben – Friede/reich. Und schon steht man vor einem Gemälde, „Das Match des Jahrhunderts“, Öl auf weiß grundierter alter hölzerner Spiegefassung, von Friedensreich Hundertwasser. Gemalt, als er an einem kalten Winterabend mit viel Schnee in den Straßen die Übertragung eines Fußballspiels Österreich gegen England im Wembley-Stadion hörte.
Ab jetzt Wacker
Das Match des Jahrhunderts war es wohl nicht, das war 1932, und Friedensreich noch der kleine Fritz und 4 Jahre alt. Österreich verlor damals 4:3, begeisterte aber mit seinem Wunderteam Europa. Und am Feld standen mit Anton Schall und Adolf Vogl zwei Admiraner, mit Karl Zischek der Doppeltorschütze von Wacker Wien. Admira wurde in diesem Jahr Dritter, Wacker Siebter. Als Hundertwasser das Bild zur Übertragung malte, war es wohl eher Ende November 1951, die Österreicher erkämpften auf der Insel ein Remis, und auch diesmal war mit Theodor Brinek ein nunmehriger Südstädter am Feld (Wacker). Kein Wunder, SCW belegte den vierten Platz, die Admira den fünften. Von Innsbruck? Noch nicht viel zu sehen. Das änderte sich Mitte der 60er. 1966 wurde die Admira ein letztes Mal Meister in Österreich, Wacker Wien stieg in die Nationalliga auf. Und auch in diesem Jahr spielte Österreich gegen England, erneut in Wembley. Es war das legendäre Spiel von Toni Fritsch, das ihm den Weg in die NFL öffnete. Mit Walter Stamm fand sich erneut ein Jedleseer im Nationalteam, und neben ihm zwei Wackerianer. Diesmal aber jene aus Innsbruck: Gernot Fraydl und Walter Ludescher. Der Wandel war eingeläutet.
Bewundernswert
Von den großen Zeiten ist nicht viel geblieben. Verblassende Erinnerungen, nachdenkliches Erzählen. Die Gegenwart heißt zweite Liga – und für beide Vereine der Wunsch, wieder in Österreichs höchste Spielklasse zurückzukehren. Bewunderung verdient man trotzdem, da wie dort: noch immer aktiv zu sein, noch immer den Kampf im Profifußball auszutragen, noch immer da zu sein: admirabilis. Bewundernswert.
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