Lange ist es her, die Cupbewerbe ausgenommen. Aber dass Wacker Innsbruck nicht als Favorit in ein Spiel geht, das ist schon wieder ein bisschen gewöhnungsbedürftig – und schön. Endlich oben angekommen, zurück im Feld der starken sportlichen Konkurrenz. Der Auftakt gegen Bregenz darf hier nicht wie Nebel an den Donauufern den Blick trüben, der Stahlstadtclub ist eine andere Nummer. Blau-Weiß Linz wird als erstem Absteiger aus der Bundesliga seit langer, langer Zeit der Meistertitel und direkte Wiederaufstieg zugetraut. Kein Wunder, bei diesem Kader…
You’re from the 70s
Es ist schon ein paar Jahre her, dass dieses Kunststück einem Club gelungen ist. Der Absteiger der Saison 1994/95 – genauer gesagt einer der beiden Absteiger, denn der Vorletzte der Liga musste gegen den zweiten der 2. Division in die Relegation und verlor – vollbrachte den Kraftakt und kürte sich im darauffolgenden Jahr zum Meister. FC Linz war sein Name, der Werksportverein in den Blau-Weißen Dressen. Der Verein, der 20 Jahre zuvor als dritter nicht-Wiener Club den Meistertitel in die Höhe stemmen durfte, der letzte Sieger vor Einführung der Bundesliga. Und das Team, das Innsbrucks Dominanz der frühen 70er gebrochen hatte. Das brachte den Linzern damals den einzigen Auftritt im Europapokal der Meister, im Hinspiel daheim ein torloses Remis gegen einen nicht ganz unattraktiven Gegner namens FC Barcelona in einer pumpvollen Gugl. Von dem Glanz war in den 90ern nicht mehr viel übrig. Scheibchenweise wurde die Identität genommen, von Eisen und Stahl, dem SK VÖEST, dem FC Stahl war nichts mehr übriggeblieben. Aber immerhin gab es den Club noch. Der kämpfte sich als Aufsteiger durch ein hartes Jahr, kickte teils in Wels, da auf der Gugl an der Rasenheizung gebastelt wurde, landete mit sechs Siegen und dreizehn Remis am vorletzten Rang, zwei Positionen hinter dem LASK, der auch nicht über den 7. Tabellenplatz hinauskam. Relegation wurde aber keine mehr gespielt. Mit liebevollem Hinweis der Politik und in freundschaftlicher Absprache von Franz Grad als Geldgeber des FC und Wolfgang Rieger für die Schwarz-Weißen wurde eine Fusion verkündet. Oder, wie es ein ASK-Vorstandsmitglied verlautbarte, „De schluck ma sowieso“. Da war es nicht notwendig, für den neuen starken Club der Stadt eine Identitätsverschmelzung zu suchen, kein blauer I-Punkt im Logo, nichts. Der FC wurde ausgelöscht, der LASK blieb alleine bestehen.
But I’m a 90s bitch
Die Mannschaft, die damals den direkten Wiederaufstieg schaffte, klingt noch 30 Jahre später in den Ohren: Heinz Hochhauser und Willi Ruttensteiner an der Seitenlinie, Ronnie Brunmayr und Ewald Brenner im Sturm, Günter und Helmut Zeller, Daniel Madlener, Manfred Linzmeier und viele weitere im Mittelfeld, Jürgen Werner, Mario Stieglmaier in der Defensive – da leuchten die Augen von uns Kindern der 70er. Ob die 90er-Kids irgendwann mal auch so über den aktuellen Kader schwärmen werden? Das hängt davon ab, ob der angestrebte Aufstieg gelingen wird. Spieler wie Pirkl, Seidl oder Weissman sind weg, insgesamt 14 Mann. Und 15 Neue sind erst in eine Mannschaft einzugliedern, Abdoul Karim Conte zum Beispiel, der 2018 bis 2021 schon Zweitligaluft schnuppern durfte, damals mit dem FC Wacker Innsbruck. Über Geschichten aus dem Tivoli kann er sich mit seinen neuen Team-Kollegen gut unterhalten, etwa Manuel Maranda. Oder dem Kicker, der Linz zu seiner neuen Heimat erkoren hat: Ronivaldo Bernardo Sales. Kaum jemand, der es ihm nicht von Herzen vergönnt hat, mit den Linzern in die Bundesliga aufzusteigen und zu zeigen, dass der brasilianische Bub mehr kann als zweite Liga. 62 Tore für Lustenau, 34 für Innsbruck, 53 für Linz, dreifacher Torschützenkönig der 2. Spielklasse – und 2025 Torschützenkönig der Bundesliga. Dazu David Riegler von St. Pölten, Thomas Schiestl vom GAK, Mario Hämmerle von Augsburg, Romeo Vucic von Austria Wien, Dominik Frieser mit Erfahrung von Kapfenberg, Wolfsberg, Hartberg dem GAK und ASK – sie und ihre Kollegen bringen Erfahrung in den Verein, die wertvoll sein wird für das Projekt Wiederaufstieg.
I love it
Die Linzer Liebe hat viel überstanden. Bittere Niederlagen und Abstiege, Umbenennungen und Auflösungen, Rückschläge im Neustart und Heimatlosigkeit. Allein war man in Linz aber nie. Das zeigt auch der Dauerkartenverkauf – gestoppt bei 3500 Abos, man will auch Tagesgästen noch die Möglichkeit geben, Heimspiele im 5595 Personen fassenden Areal zu besuchen. Auch das wird eine neue Erfahrung für die Schwarz-Grünen nach Jahren, in denen ihre Fans jedes Stadion beherrscht haben…
Bild: KI generiert
