Scherben bringen Glück

Scherben bringen Glück

5. November 2026·Stefan Weis·4 Min. Lesezeit

Gut, dass jetzt bald die Länderspielpause kommt. Waren es doch anstrengende Wochen – und noch dazu solche, bei welchen man nicht weiß, was man mitnehmen soll, sind doch einige Träume zerbrochen. Dass jetzt mit SKU Amstetten ein Gegner wartet, der sich still und leise nach oben geschoben hat, nur zwei Niederlagen in elf Spielen vorzuweisen hat, ist sicherlich nicht unbedingt hilfreich. Aber glasklaren Favoriten? Den gibt es hier nicht…

Halbvoll/halbleer

Die Statistik ist brutal für Schwarz-Grün: Vier Pflichtspiele in Folge ohne Erfolg. Seit Ende August nur ein voller Punktegewinn in der Liga. Die drittschwächste Offensive der Liga, mit dreizehn Toren um unglaubliche neunzehn weniger als Tabellenführer Linz. Halbsoviele Punkte wie der Spitzenreiter, mit Rang 10 in der unteren Tabellenhälfte. Fünf Niederlagen bedeutet das fünftschlechteste Ergebnis der Liga. Pfuh. Dass es nach Jahren, die sich im Rückblick beinahe wie Selbstläufer anfühlen, nicht wirklich einfach werden wird, war klar. Dass der Sprung zwischen Regionalliga und Liga Zwei ein großer ist, nachvollziehbar. Aber dennoch muss man erstmal durchatmen, wenn man auf das Glas schaut. Halbleer ist da beinahe schon Optimismus für manche. Dabei könnte man ja auch meinen, es wäre halbvoll, das Glas. Nur punktuell verstärkt, und trotzdem die viertbeste Defensive der Liga. In den letzten drei Niederlagen ein Torverhältnis von -3. Dazu ein Kampf gegen einen Bundesligisten, der sich gewaschen hat. Ein Rückhalt von Fans, der zweimal das Stadion mit über 16.000 Besuchern gefüllt, dreieinhalb Tribünen dabei in Schwarz-Grün die lokale Vorherrschaft präsentiert hat. Eine Nord, die gegen den höherklassigen Verein über mehr als 120 Minuten die Mannschaft bei jedem Rückstand nach vorne gepuscht hat, ohne kleine Provokationen von gegenüber auch nur eines einzelnen Chants zu würdigen. Es war oft a…knapp. Ja, es hat nicht gereicht. Aber zum Verzweifeln? Noch lange nicht. Im Glas ist noch Platz für mehr.

Hoch das Glas

Amstetten ist allerdings kein Gegner, den man sich für eine Trendumkehr wünschen würde. Ja, sie haben nur drei Punkte mehr als Wacker – aber in neun von elf Spielen gepunktet. Dem Tabellenführer Blau-Weiß zu Hause ein Remis abgerungen, die Admira besiegt, in den letzten sieben Partien sechsmal gescored, sechsmal angeschrieben. Und dazu im eingeschobenen Testspiel der SV Ried ein 3:3 aufgezwungen. Die SKU hat sich ganz schön gemausert und schließt unter Andreas Gahleitner genau dort an, wo man letztes Jahr aufgehört hat – Rang sechs. Das war nicht immer so. Seit ihrem Aufstieg in den Profifußball 2018 war man eher ein schwer einzuschätzendes Team. Elfter, Fünfter, Zwölfter, zweimal Fünfter, Sechzehnter (und sportlich eigentlich weg), Es ging rauf und runter für den 1997 durch Fusion aus ASK und SC Union entstandenen Verein. Aber nur in der zweiten Liga, nach oben ist bislang einen gläserne Decke eingezogen. Wie sehr man sich gemausert hat, zeigt auch die direkte Bilanz gegen Innsbruck. Im Cup 2017 mühte sich das professionelle Innsbruck gegen die Amateure der Regionalliga mit einem mageren 1:0 weiter, gewann die kommenden fünf Partien in der Liga viermal, musste einmal ein Remis eingestehen. Um dann, 2021, im Cup schon in Runde 2 den Kürzeren zu ziehen und darauf auch noch im Ligaalltag alle Punkte in Niederösterreich zu lassen. Thomas Mayer, der Torschütze im letzten Aufeinandertreffen, kickt auch heute noch bei Amstetten, wenn auch nur mehr sporadisch. Aber immerhin musste er sich in seinen 10 Anläufen in diesem Jahr nur einmal geschlagen geben – die Einstellung wird stimmen. Hoch das Glas!

Glück und Glas

Für einen anderen Amstettner könnte es ein spannender Abend werden. Felix Köchl, wie etwa auch Jannick Vötter ehemals in Schwarz-Grün zu sehen, hat noch mehr als gute Verbindungen in seine alte Heimat – kickt sein Bruder Max doch für Innsbruck. Statt gemeinsam dem Ball nachzulaufen könnten sie nun doch gegeneinander kicken, und das nicht im Garten, sondern auf professioneller Ebene. Zweimal Köchl, zweimal Nummer 2 am Trikot, zweimal voller Einsatz für den Verein. Für beide ein Glück wird es aber wohl nicht geben können – Glück und Glas, wie leicht bricht das…

Foto: Image by Marcela Bolívar from Pixabay

Artikel Info

Autor: Stefan Weis
Veröffentlicht: 5. November 2026
Lesezeit: 4 Minuten

Mehr aus dem tivoli12 Universum

Scherben bringen Glück | tivoli12 Magazin