V wie Vendetta!

V wie Vendetta!

10. September 2026·Stefan Weis·5 Min. Lesezeit

Das V ist schon ein seltsamer Genosse. Lange nicht einmal ein eigenständiger Buchstabe, teilt es sich den Großteil seiner Geschichte mit dem U und dem W, ist aber auch noch mit dem Y und dem F verwandt. Und wird dann auch noch gerne falsch ausgesprochen. Nein, das ist nicht Wöls und auch nicht das Willgratental, der ehemaliger Innsbrucker Fußballspieler heißt auch nicht Knafs und auch nicht die amerikanische Präsidentengattin, die trotz anderslautender Aussage ihres späteren Ehemanns kein österreichisches Topmodel ist. Aber gut, dass man ihm nix glauben kann, ist ja nichts Neues. Und dann ist es manchmal sogar eine Zahl, aber kein V, sondern ein halbes X. Und so unbeliebt, dass es in deutschen Texten nur zu 0,67 % vorkommt. Trotzdem wird der verflixte Buchstabe den FC Wacker ganz schön beschäftigen…

V wie Voitsberg

Nämlich in seiner Ausformung Voitsberg. Vom alten Wappen ist nicht mehr viel zu sehen bei den von Philipp Zulechner gecoachten Steirern, ein doppeltes V ziert deren Logo nun. Oder ein dreifaches in schwarz-weiß-schwarz? Das Juventus Österreichs sozusagen, Linien, die direttissima zum Gipfel führen sollen. Halt umgekehrt – wenn das bloß kein schlechtes Omen ist. „Solange wir denken konnten, waren wir abseits der Sonne, unter dem Radar, im Schatten gewachsen…“, tönte es dazu im Kick-Off-Video des Vereins, als die alte, schwarz-weiße Fahne dem neuen Design weichen musste. Naja, das ist dann ein doch etwas harscher Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Nicht als Amateure, als Arbeitersportklub 1921 gegründet, verschrieb sich Voitsberg dem Boxen und dem Ball und kämpfte in der ersten Republik in der ersten All-Steirischen Meisterschaft gegen Clubs aus Leoben, Bruck, den Kapfenberger SC und die bunte Vielfalt aus Graz – Sturm und Athletiker Klub, Rapid und Association FC, AAC und Hakoah (gegen die der Deusche SV Leoben schon 1923/24 verweigerte und deshalb ausgeschlossen wurde). Die dunklen Zeiten warfen früh ihre Schatten voraus im Bundesland, das seine Hauptstadt später „Stadt der Volkserhebung“ nennen durfte. Es war die Zeit, in der aus dem Arbeiterverein Grün-Weiß-Krems Voitsberg wurde, kein Hinweis mehr auf die Gründungsvergangenheit war erlaubt. Aber man feierte bald Wiederauferstehung – und noch mehr. Aufstieg in die steirische Landesliga 1950, Meister der Steiermark 1962 und damit Aufstieg in die Regionalliga, gleichbedeutend mit der zweithöchsten Österreichischen Spielklasse. Nach einem kurzen Rückschritt erneut 1967 bis 1971. Die Gegner dort lassen die Ohren klingeln: KSV und Sturm, Voest und Vorwärts, Donawitz und Austria Klagenfurt, Wolfsberger AC und Rapid Lienz. Das Who-is-Who des Nordwestens und Südostens (und die Osttiroler). War es das?

V wie Victory

Nein, in den 80ern suchte man wieder die zweite Division auf, erweiterte das Groundhopping um Spittal und Vienna, Krems und Wattens, Salzburg und Bregenz, Kufstein und Simmering. Von wegen im Schatten, von wegen abseits der Sonne. Voitsberg war da, wo der Rauch des semiprofessionellen Fußballs aufging. Da durfte man schon Beethovens Fünfte anspielen – ta-ta-ta-taaa. Das Morsezeichen des V, das die BBC in den dunkelsten Jahren Europas als Signation auf den Kontinent schickte. Auch im ÖFB-Cup durfte man das ein oder andere Mal die zwei Finger nach oben recken – zum V geformt wie Victory, und doch angeblich ein Zeichen der mittelalterlichen Bogenschützen, die erfolgreich aus der Schlacht zurückkehrten und ihre Schussfinger hochreckten als Zeichen, nicht vom Feind gefangen und um eben diese verstümmelt worden zu sein. 1982 schnupperte man Höhenluft mit Siegen gegen Donawitz und Feldkirchen, ehe man im Achtelfinale ein bitteres 0:10 gegen den GAK lief (da bietet sich wohl das verkehrte V mit der Handaußenfläche dem Gegenüber gezeigt an, das Winston Churchill anfangs versehentlich als Siegeszeichen den Kameras entgegenreckte – ein britisches Fuck You, das für Schmunzeln sorgte). In den 90ern, als man auch im Ligaalltag wieder an der Rückkehr in die Liga Zwa schnupperte, konnte man im Cup etwa auf die Torgewalt eines jungen Voitsberger Talents vertrauen, Rene Aufhauser. Der hatte nämlich einst ebenso das Trikot der Steirer übergezogen wie die ewige Clublegende (und ehemaliger Wackerianer) Sepp Stering. Oder Willy Huberts, ein späterer Eintracht und Austria, GAK und New-York-Kicker. Oder wie, in früheren oder späteren Jahren, Gspurnig und Hiden, Jantscher und Stankovic, Elsneg und Jelic. Oder Andreas Strafner.

V wie Vendetta

Falls hier jetzt jemand zusammengezuckt ist: Ja, genau der Strafner. Der am 12. September 2006, also vor fast auf den Tag genau vor 20 Jahren, ein Tor geschossen hat. Das Tor, das einzige. Den Treffer, der den vielleicht etwas überheblich angereisten Bundesligisten Wacker in Runde eins des ÖFB-Cup das schnelle Aus bedeutete. Eine B-Elf sei angetreten, hieß es dann. Ja gut, der ein oder andere Spieler wurde vielleicht geschont – aber bei Planer, Gruber, Knabel, Eder, Mimm, Brzeczek, Dollinger, Windisch, Aganun, Schreter, Saltuari, Hölzl und Grüner am Feld, da hätte durchaus mehr passieren sollen. Wollte es aber nicht. Das einzige Aufeinandertreffen im professionellen Fußball brachte den Sieg für den ASK. Zeit, sich dafür an Voitsberg zu rächen – V wie Vendetta!

Image by Zaimful from Pixabay

Artikel Info

Autor: Stefan Weis
Veröffentlicht: 10. September 2026
Lesezeit: 5 Minuten

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