Tiroler Tageszeitung

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Florian Madl

4. August 2026

Die hohe Zeit ist lang vorüber

Mehr als alle anderen von Menschenhand gefertigten Tiroler Sportstätten steht das Innsbrucker Tivoli für Tradition und Gänsehaut. Mittlerweile geht Funktionalität in der Stadionstraße aber über Optik.
 
Rainhard Fendrichs „I am from Austria“ könnte stellvertretend für das in die Jahre gekommene Tivoli stehen: „Dei hohe Zeit is lang vorüber.“ Gemeint ist nur die bauliche Situation, denn mit Aufsteiger FC Wacker sollte das vor 26 Jahren fertiggestellte Stadion noch so manche sportliche Höhe vor sich haben. „Wir fühlen uns wohl, vor allem im Vergleich mit anderen Zweitligisten bis auf Blau-Weiß Linz“, meinte deshalb auch Wacker-Präsident Hannes Rauch. Zuletzt geriet der Rasen in die Kritik – der wird acht Jahre nach seiner Generalsanierung ab 13. September für 280.000 Euro neu verlegt. Das Flutlicht wurde erst vor drei Jahren um 700.000 Euro erneuert und die PV-Anlage am Dach liefert 1,5 Mio. Kilowattstunden jährlich (würde für 500 Innsbrucker Haushalte reichen). Demnächst soll eine zweite Vidiwall kommen, die alte zudem erneuert werden. Alles Sonderposten, wie Matthias Schipflinger als Geschäftsführer von Betreiber Olympiaworld anführt: Auf 208.000 Euro beliefen sich im Vorjahr die Aufwendungen für den Sportbereich des Stadions, weitere 30.000 für VIP und Presse. „Es wurde immer alles gemacht.“ 

Schipflinger reagiert auf anhaltende Kritik an dem in die Jahre gekommenen Bauwerk: „Das Stadion ist im Top-Zustand. Natürlich wäre etwas Neues schön, aber das muss man sich halt auch leisten können.“ Ein Rechenbeispiel betraf die Bestuhlung, bisweilen ein Kritikpunkt: 300 Euro kostet eine der Sitzgelegenheiten, hochgerechnet aufs Stadion 4,8 Mio. Euro. Man müsse also zufrieden sein, Funktionalität gehe über den persönlichen Geschmack der Betrachter. Das Siegel des Europäischen Fußballverbands gibt den Innsbruckern Recht, bei der U21-Fußball-EM im Jahr 2029 will man mit an Bord sein. 

Ein Blick in andere österreichische Städte: Anfang 2021 wurde das in die Jahre gekommene Linzer Stadion nach 69 Jahren Betrieb abgerissen. Und auch das Franz-Horr-Stadion der Wiener Austria (im August 1982 offiziell eröffnet) wurde bis zum Neubau (2016–2018) genutzt. 

In Tirol? Dort wurde das alte Tivoli (eröffnet im August 1953) erst 1999/2000 umgebaut, die nach Plänen des Architekten Albert Wimmer errichtete neue Anlage sollte 16.000 Zuschauern Platz bieten. Zwischenzeitlich fasste sie 31.600 Fans – aber eine Fußball-EURO wie 2008 erlebt man nicht aller Tage. Um es mit Fendrichs Worten zu sagen: Es zieht wohl nicht mehr jeder den Hut vor dem Tivoli, aber für die meisten Tiroler gilt: „I steh’ zu dir bei Licht und Schatten jeder Zeit.“

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