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Millionengräber

Wiener Neustadt hat einen fruchtbaren Boden, vor allem für große Ideen. Ganz große Ideen. Zwei davon wollen wir uns im Folgenden genauer betrachten:

 

Von Triest zur Championsleague

1793 begann der Bau des Kanals von Wien nach Wiener Neustadt. Das Kaiserreich hatte zuvor im Siebenjährigen Krieg Schlesien verloren und versuchte nun südlich von Wien mit einem Ansiedlungsprogramm Industriebetriebe zu etablieren. Zum Transport der Waren in die Hauptstadt wurde ein Kanal konzipiert, der sich an den 1761 in England eröffneten Bridgewater Kanal orientieren sollte. Da täglich auch noch 40.000 Pferde den Weg zwischen Triest und Wien bevölkerten, wurde gleich mal in großen Dimensionen geplant. Dass anstelle der vorgesehenen 48 Arbeiter bald 1260 Bausoldaten und ab 1799 auch Sträflinge im Einsatz waren, die Wassermengen für die Schleusen zu gering waren und aufgrund des porösen Untergrundes der Kanal nie ganz dicht war, verwandelte den Traum vom Kanal zum Alptraum aller Beteiligten.

Das erinnert doch an was. Aja es war im Jahre 2008, der SC Schwanenstadt verkaufte sich an einen Visionär und Milliardär. Frank Stronach, schon berüchtigt aufgrund seines nicht gerade von Erfolg gekrönten Engagements bei der Wiener Austria und der Bundesliga, ja er war einst deren Präsident, übernahm den finanzmaroden Club mit großen Ambitionen und übersiedelte ihn umgehend nach Wiener Neustadt. Da wurde von der Champions League schwadroniert, von einem riesigen Stadion und so weiter. Erreicht wurde der Aufstieg in die Bundesliga, doch dann begann es zu stocken. Kein neues Stadion, statt Champions League biederer Abstiegskampf und schließlich verabschiedete sich der Großsponsor Magna und die Neustädter mussten wieder kleine Brötchen backen. So wie aufgrund der Wasserknappheit und zu kleinen Schleusen nur kleine Transportkähne im Jahrhundert zuvor über den Kanal schippern konnten.

Vom Kuscheltier zum Punktemonster

Die Vorstädter waren letzte Saison ein netter Gegner. Einerseits zauberte der Stadionname ein Lächeln in die Gesichter der Zuschauer (Teddybären- und Plüschstadion), andererseits auch die Offensive, die nur selten das gegnerische Tor fand (40). Auch die Defensive, die sich eher im Paarlauf als mit dem Zweikampf befasste und mit 62 Gegentreffern unangefochten in dieser Tabelle die Nummer eins war, hatte man gern zum Gegner.
Im Sommer veränderte sich das Antlitz des SCWN doch deutlich. Auf der Bank nahm ORF Analytiker Roman Mählich Platz. Dazu kamen 14 Neuzugänge. Hatte man in der Vorsaison nach sieben Runden erst neun Punkte, so sind es heuer 19. Doch auch Wacker Innsburck veränderte seinen Kader grundlegend und hatte im Gegensatz zum Vorjahr (nach sieben Runden sechs Punkte) einen glänzenden Start mit elf Zählern.

Vor allem auf Hamdi Salihi wird am Freitag die Innsbrucker Abwehr ein besonders Auge haben müssen: Der Albaner führt die Torschützenliste an, wobei auch zwei verwertete Elfmeter seine Bilanz schönen. Dem gegenüber machen sich die zwei Treffer von Daniele Gabriele, dem aktuell treffsichersten Innsbrucker, bescheiden aus.
Dazu haben die Niederösterreicher mit Stefan Hager einen bei Standards brandgefährlichen Verteidiger, dessen Kopfbälle heuer schon dreimal ins Gehäuse einschlugen.

Hartes Stück Arbeit

Durch die Niederlage gegen Hartberg stehen die Innsbrucker in der achten Runde schon ein wenig unter Druck, will man den Anschluss an die Spitze nicht verlieren. Dass die Wiener Neustädter mit viel Selbstvertrauen nach sieben Spielen ohne Niederlage aufs Tivoli kommen, steht außer Frage. Aber Serien sind dazu da sie zu brechen. Und dass mit harter Arbeit vieles möglich ist, zeigten nicht zuletzt die Ingenieuroffiziere, die das Millionengrab Wiener Neustädter Kanal – trotz aller Widrigkeiten – realisierten.

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Autor: admin

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