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Amore (meine Stadt)

Die Stadt ist voller Liebe. Die Bienchen bestäuben, was das Zeug hält. Marco Michael Wanda brüllt Amore in die Olympiahalle. Die Vöglein balzen, als gäbe es kein Morgen. Und schaun sie mal in die Straßen und Parks, die Jugend – und nicht nur die – tut es ihnen gleich. Der Wonnemonat hat die Stadt im Griff. Und dann kommt auch noch Wattens und die Frau Präsidentin… Wenn jemand fragt wofür du stehst, sag für Amore.

 

Auseinandergehn tut weh

Es war ja kein konfliktfreier Start in die Saison. Da war einmal die Vorgeschichte, die lange gemeinsame Zeit mit allen ihren Höhen und auch Tiefen. Und an den Tiefen, an den Verletzungen, am Umgang mit der Trennung nach der großen Hilfe war das Verhältnis der beiden Schwestern ganz schön ins Wackeln gekommen. Auseinandergehn ist schwer, aber jeder der hier sitzt weiß das zu sehr. Und dann kam die vergangene Spielzeit. Die Ansprüche hatten sich geändert, und mit ihnen die Töne. Die einen hatten eine blitzsaubere Aufstiegssaison hinter sich, als Meister der Regionalliga gepusht mit Energie. Und die zeigten sie gleich von Anfang an. 2:1 am Tivoli. Milan Jurdik, der auch in dieser Saison schon 11mal getroffen hat und damit an seiner Marke der vergangenen Saison von 12 Toren kratzt, holte mit seinem Köpfchen und der Vorarbeit von Kevin Nitzlnader die Innsbrucker aus ihren hohen Träumen. Und weil es gar so einfach ging, wiederholte man das Spiel daheim. Benni Pranter war es diesmal, der 16/17 mit 15 Assists mehr als Vorlagengeber in Erscheinung trat, aber mit seinem ersten Saisontor von sieben den FC Wacker erlegte. Und weil aller guten Dinge drei sind, durfte in der dritten Begegnung auch noch Florian Buchacher einmal dran. 1:0, drei Derbys ohne einen einzigen Erfolg, ja ohne auch nur einen Zähler für die Schwarz-Grünen. Tu mir weh, Diana, oder irgendwer anders tuts statt dir. Irgendwer anders, das war eigentlich Christian Gebauer. Der Rotschopf, der die rechte Seite aufmischte und mit dessen Geschwindigkeit und Wendigkeit die Innsbrucker Abwehr so gar nicht zurecht kam, war in allen Spielen der große Unterschied. Er traf in Spiel eins. Er traf in Spiel zwei. Er legte im dritten das einzige Tor auf. Er traf gleich zweimal in Spiel vier. Die Spielstärke, die er gegen Wacker zeigte, blieb auch in höheren Ligen nicht ohne Resonanz, und so wanderte er ab ins Rheintal. Auseinandergehn tut weh, aber lass den Christian los, weil er verstehts.

1,2,3,4

Seine 10 Tore, seine fünf Vorlagen mussten aufgefangen werden, ebenso der Abgang von Martin Svejnoha. Buchachers Offensivdrang wurde dadurch gestoppt, den fünf Toren und drei Assists der letzten Saison stehen ein Tor und zwei Vorlagen aktuell gegenüber. Pranter wurde vom Vorlagengeber zum Vollstrecker, aus fünfzehn Assists wurden vier, dafür kann er schon 9 Treffer vorweisen, der zweitbeste Wert seines Teams. Ein Tor mehr als Lukas Katnik, der im vergangenen Jahr ein Assist gegen Innsbruck lieferte und dem aktuell nur noch ein Treffer zur Egalisierung der Leistung des letzten Jahres fehlt. Gib mir alles, Baby, alles was du hast. Irgendwann war dieses Alles aber nicht mehr genug. Als nämlich Karl Daxbacher kam und der Mannschaft neues Leben einhauchte. Schon in der letzten Begegnung der vergangenen Spielzeit war das der Fall, auch wenn es dabei fast noch ins Auge gegangen wäre. 1,2,3,4, es ist so schön bei dir. Dreimal Eler, einmal Jamnig. 31 Minuten, eine Halbzeit für die Seele. Und die Stadt träumt sich in unsre Herzen rein. Viermal klingelte es auch im nächsten Spiel, Wacker zeigte dabei seine neuen Tugenden. 0:1 im Rückstand – Milan Jurdik, wer sonst – und dennoch 3:1 gewonnen. Dann ein humorloses 1:0 durch einen Treffer von Gabriele. Und noch einmal ein Spiel gedreht, Milan Jurdik natürlich für die Führung, Dedic und Vallci spät in der letzten Viertelstunde für den Sieg. 1,2,3,4, ich bleib die ganze Nacht bei dir. Niemand konnte in dieser Saison mehr Spiele nach Rückstand gewinnen (sechs), niemand weniger Spiele verlieren (5), niemand mehr Punkte holen (19), niemand mehr Punkte im Schnitt (1,58), wenn er einmal in Rückstand war. Innsbruck kommt immer wieder zurück. Und Wattens? Nach 18 Rückständen ein Sieg, 15 Niederlagen, 5 Punkte und ein Schnitt von 0,28. Wenn ich am Boden bin wird nach oben hin alles kleiner.

Amore, meine Stadt

Innsbruck hat den Turnaround geschafft. Innsbruck ist am Weg nach oben. Am Weg, denn die Werkssportgemeinschaft wird kein leichter Gegner. Das letzte Duell der vergangenen Saison soll Warnung genug sein, wie schnell sich der Wind drehen kann. Oder der Beginn der heurigen. Schickt mir die Post schon ins Spital, schlag dir für mich den Schädel ein. In Wattens musste man im Herbst das Schlimmste befürchten. 10 Runden lang kamen sie nicht wirklich in Gang, kassierten sieben Niederlagen und schafften nur zwei Siege. Zwischen Runde vierzehn und neunzehn der nächste Einbruch, sechs Spiele, fünf Niederlagen. Aber Depressionen waren verfrüht, die Kristallbuben kamen zurück. In den letzten 12 Runden konnte man neunmal punkten, die vergangenen vier Heimspiele konnte man sogar ohne Gegentreffer beenden. Nur auswärts haperts ein bisschen. Sechs Spiele, nur ein Sieg – in Kapfenberg. Dort, wo ein Tiroler Trainer ist und ein anderer Sportdirektor mit glänzenden Ideen im wirtschaftlichen Bereich. Funkelnd sogar, glitzernd. Man glaubte ihm wohl wieder. Vor Ort zumindest, nicht in Wien. Die Genehmigung blieb dort, und in der Steiermark fällt man in ein tiefes Loch hinein, in ein tiefes Loch hinein. In Innsbruck kennt man das, dort war das einst das Wiederaufflammen der Amore zwischen Wacker und der WSG. Nur wir zwei, wie im Traum. Vielleicht wird’s ja wieder einmal, das Verhältnis der beiden Schwestern.

Bussi, Baby!

Wenn Wacker jetzt auf Wattens trifft, begegnen sich also keine Unbekannten. Hin und wieder stehen wir uns nah. Mit der Nähe könnte es bald vorbei sein, sollte Innsbruck wirklich der Coup gelingen und man die Sterne suchen. Du wirst von Sternen high, ich bin da nicht so frei. Wattens wird jedenfalls noch eine Runde in der Ersten Liga drehen. Und vielleicht auch wieder mit Wacker. Den Jungen halt. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, bis dahin steht noch ein Derby auf dem Programm. Mit ein wenig Amore und viel Kampf. Bussi, Baby, auf der Tribüne. Und am Feld – ich gebe alles auf für das einzige Mal.

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Autor: Stefan Weis

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