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Ein fußballerischer Beitrag zum Gedenkjahr 2018

Das Jahr 2018 ist für den FC Wacker Innsbruck ein wahrlich historisches. Meistertitel, Aufstiege, finanzielle Konsolidierung – viele Gründe zur Freude und Feierlichkeiten. Doch das Jahr 2018 ist in Österreich auch ein Gedenkjahr an das wohl dunkelste Kapitel dieses Landes. Im März vor 80 Jahren kam es zum sogenannten „Anschluss“ an Nazi-Deutschland. Aus diesem Grund organisierte die Faninitiative Innsbruck einen Vortrag des Historikers David Winterfeld (geb. Foster), Autor des Buches „Fußball unterm Hackenkreuz in der Ostmark“.

„Fußball unterm Hakenkreuz“ – Ein Beitrag der Faninitiative Innsbruck zum Gedenkjahr 2018

 

Trotz strahlendem Wetters kamen gut 70 Leute in „Die Bäckerei“ und lauschten dem spannenden Vortrag von David Winterfeld (geb. Forster) über das Spannungsfeld Nationalsozialismus und Fußball, unter dem Titel „Fußball unter dem Hakenkreuz“.

Im knapp zweistündigem Vortrag erklärte der Historiker anhand einiger Schwerpunkte die damaligen Verhältnisse. Im ersten Abschnitt wurde auf die Eingliederung des ÖFB im „Anschlussjahr“ eingegangen und das darauf stattfindende „Versöhnungsspiel“, das der perfiden Propaganda diente und dann auch von der „Ostmark“ gewonnen werden konnte. Winterfeld ging auch auf den damals stattfindenden Umbruch im Weltfußball ein, der das Ende der „österreichischen Wunderteams“ bedeutete. Dass die Eingliederung in das „Altreich“ auch eine Änderung für die Fußballer bedeutete, war auch zu hören. So gab es in Österreich schon in der goldenen Zeit des österreichischen Fußballes (1930 bis 1938) Profisportler. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Sport jedoch wieder „Re – Amateurisiert“. Dies wurde dadurch umgangen, dass den Spielern Trafiken, Kaffeehäuser oder Tankstellen überantwortet wurden. Die Erfolge der österreichischen Fußballteams in der NS Zeit sind überschaubar gewesen. Rapid Wien wurde 1941 deutscher Meister; die Vienna und Admira (dazumal noch in Wien beheimatet) konnten zwar in das Endspiel der deutschen Meisterschaft einziehen, hatten jedoch keine Chance gegen ihre jeweiligen Gegner. Doch nicht nur die Profi Spieler verschwanden, auch viele Spieler, Funktionäre und Sportjournalisten wurden aus dem Sport verbannt und fanden meist ihr Ende in den KZs. Fußballvereine, wie SC Hoakah oder Slovan wurden entweder aufgelöst und verboten oder mussten sich umbenennen, um weiterhin bestehen zu dürfen.

Im nächsten Abschnitt wurde auf das Thema „Fußball im KZ“ eingegangen, der für viele Gefangene paradoxerweise ein Mittel zur Ablenkung von den Grausamkeiten des KZ Alltages darstellte. Um das System der Nationalsozialisten am besten darzustellen, wurde ein Auszug aus einem „Spielbericht“ zwischen zwei verschiedenen Lagerabteilungen (Vienna vs Spanien) von David Winterfeld vorgelesen. Bekanntlich gab es innerhalb des KZ selbst unter den Häftlingen verschiedenste „Rangordnungen“ und je weiter „oben“ man war, so hatte man auch einige Freiheiten. Diese beinhalteten unter anderem die Möglichkeit den „KZ Alltag“ hinter sich zu lassen und mit Fußball „abzuschalten“.

Im dritten Abschnitt des Vortrags präsentierte David Winterfeld Biographien von vier bekannten Fußballern jener Zeit (Max Scheuer, Matthias Sindelar, Fritz Durlach, Ernst Stojaspol), die für ihre unterschiedliche Haltung gegenüber den Nationalsozialisten standen (Opfer, Profiteur, Täter, Wiederständler). Max Scheuer war ein direkter Betroffener, da er in der Haokah groß wurde und somit vor den Nationalsozialisten flüchten musste. Fritz Durlach war aktiv in das System eingebunden, da er als „Heerespolizist“ tätig war. In den Nachkriegsjahren wurde er zwar für sein Handeln zur Verantwortung gezogen, doch seine Strafe viel sehr mild aus. Ernst Stojaspol, der in den Nachkriegsjahren dann fünf Mal in Folge Torschützenkönig wurde, kann als Beispiel für Widerstand genannt werden. Er half vielen Spielern und einfachen Soldaten „wehrunfähig“ zu werden und musste dafür ins Gefängnis. Sein Ansuchen als „Opfer des Nationalsozialismus“ anerkannt zu werden, wurde erst nach seinem 3. Gewinn der „Torjägerkrone“ positiv bewertet. Anderen Mitstreitern und Mitspielern erging es nicht so positiv.
Matthias Sindelar ist wohl das perfekte Beispiel für den allgemeinen Umgang mit dem Nationalsozialismus in Österreich. Rund um den „Papierenen“ gibt und gab es einige Mythen und Legendenbildung, die davon handelten, dass er ein „österreichsicher Patriot“ und „Widerstandskämpfer“ war. Doch eine genauere Betrachtung der Person Sindelar zeigt, dass vieles nicht stimmt und dass er im Endeffekt eher ein Profiteur des Nationalsozialismus war, als ein Widerstandskämpfer und Gegner jenes.

Eines hat der Vortrag auch gezeigt. Während vor allem in Ostösterreich diese Zeitperiode im Fußball gut aufgearbeitet und wissenschaftlich untersucht wurde (vgl. Rapid, Austria) ist in Tirol vieles im Dunklen. Außer dass der SVI und Wacker Innsbruck die damalige Kreisliga, die nur zweimal zu Ende gespeilt wurde, einmal gewannen weiß man aus dieser Zeit herzlich wenig. Vielleicht hat dieser Vortrag dazu beigetragen einen Anstoß zur Aufarbeitung jener Zeit im Tiroler Fußball zu machen. Das Interesse daran ist auf jeden Fall groß!

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Autor: admin

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