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Wacker schreibt einmal mehr Geschichte

Unglaublich und unfassbar was da in der Niederösterreichischen Landeshauptstadt abgegangen ist. Es ist mir unmöglich die Emotionen nach dem Spiel wieder zu geben. Ich habe ja mit dem FCW bereits alle Höhen und Tiefen miterlebt. Das am Freitagabend war mehr als ein Höhepunkt. Europacuptriumpfe, Viertelfinale Meistercup, Halbfinale UEFA Cup, den Aufstieg in Florenz und in meiner Ära haben wir den Pokal fünfmal geholt und den Österreichischen Meister siebenmal. Doch St. Pölten 2020 gehört zu den Highlights unserer Geschichte. In Tirol hatten uns nach dem verpassten Klassenerhalt fast alle abgeschrieben. Vom Pleiten, Pech und Pannenverein war die Rede. Mitnichten, es begann in Kitzbühel wo an die 1000 Wackerianer für ein Volksfest gesorgt haben. Das war der Startschuss in eine Saison, die Wackerianer nicht so schnell vergessen werden.

 

Hoffnung

Was im Herbst mit der Sensation gegen den Tabellendritten der Bundesliga WAC, den Europacuphelden – die Mönchengladbach mit 4:0 aus dem Borussiapark geschossen haben, begonnen hat, wurde in St. Pölten fortgesetzt. Und wie! Unsere Fans haben an ihr (blutjunges) Team geglaubt. Entsetzen pur als der Spieltermin bekannt gegeben wurde. Wieder freitags und das sogar noch über eine Stunde früher als gewohnt. Es war schon vor der Winterpause klar, dass viele diesen Termin nicht wahrnehmen werden können. Sehr schade. Es gab offene Protestbriefe und hitzige Diskussionen. Der ÖFB argumentierte (mal wieder) äußerst fadenscheinig. In der Liga würde ja auch am Freitag gespielt. Wie üblich hat man dort mal wieder was nicht verstanden… Eine absolute Frechheit! Da hat man einmal die Möglichkeit zu einer fanfreundlichen Anstoßzeit und dann solche dummen Meldungen. Dort braucht sich niemand über die miesen Zuschauerzahlen im Cup wundern!
Nichtsdestotrotz wurde viel geplant und auf das Cupviertelfinale regelrecht hin gefiebert. Ein fernbleiben aus Protest war keine Option. Das hat unsere Mannschaft sicher nicht verdient und denen wurde so und so vom ORF und dem ÖFB etwas Wertvolles gestohlen. Ein Erlebnis vor mehr als tausend mitgereisten Fans. Das hätten sie sich ehrlich verdient und wäre zu einem anderen Zeitpunkt auch möglich gewesen. Aber Wacker wird nie alleine sein!

Anfahrt ohne Hindernissen

Schon auf der Hinfahrt konnte man die Vorfreude spüren. Mehrere Busse und unzähliche PKWs haben sich auf den Weg gemacht. Doch die Wackerfans kamen nicht alle aus einer Richtung. Manche sind mit dem Zug angereist. Auf der Autobahn war es dann überraschend ruhig. Etwas Stau an der Grenze und nach Salzburg, aber sonst wenig Verkehr. Das war vielleicht der Vorteil vom Freitag. Am Samstag hätte es ganz anders ausgesehen. In St. Pölten angekommen hat man viele Freunde getroffen. Das ist so toll. Das ist Wacker!

Protest

Das Spiel hat mit einem (lauten) Protest unserer Fanszene begonnen Böller waren da zu hören. Viel Lärm und Rauch. In großen Lettern konnte man „Die Feinde des Fußballs“ lesen. Darüber Doppelhalter mit den Logos des ÖFB und ORF. „Fußballmaffia ÖFB!“ war da zu hören. Zu sehen war da bald vor Rauch nichts mehr. Mitten in diese Aktion hinein dann eine Trauerminute für ein verstorbenes Mitglied des SKN. Trotz des Ärgers über das Verhalten des ÖFB ist es in dieser Minute mucksmäuschenstill im Sektor gewesen. Meinen Respekt an unsere Fanszene!
Fototechnisch habe ich mich im Sektor (Sitz) der St. Pöltner platziert. Lustig deren Kommentare zu hören. Die wussten ja nicht worum es geht. Ansonsten ein sehr faires Publikum!

Das Spiel

Etwa 400 Schwarz-Grüne im Auswärtssektor haben zu Beginn für Gänsehaut pur gesorgt. Aber auch gut 150 schwarz-grüne Fans nahmen gemütlich auf den Sitzplätzen unter mir Platz. Ein tolles Lebenszeichen. Beim Spiel beider Mannschaften hat man gesehen, dass es die erste Partie nach der Winterpause war. Da hat zu Beginn nicht sonderlich viel geklappt. Und dennoch, was unsere „Buam“ am Feld gezeigt haben, ist für einen Zweitligisten aller Ehren wert. Da wurde gefightet und gerackert und die Wölfe (mit zahlreichen Neuverpflichtungen), die in der Vorbereitung ungeschlagen blieben, kamen zu keiner Chance. Die Pausenführung für den FCW war ebenso sensationell wie verdient. 1:0 für Wacker. Nach der Pause ging es dann so richtig rund. Das 2:0 wurde aberkannt. Das vermeintliche Abseits eine Frechheit, weil der Ball vom Gegner gekommen ist und dazu noch mit der Hand(!). Das hat das ganze Stadion gesehen…
Der Gegentreffer durch einen verwandelten Elfmeter war fast noch die größere Frechheit. Außerdem hätte es Gelb-Rot für die Blau-Gelben geben MÜSSEN! Der Schiri hatte wahrlich keinen guten Tag. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit geriet man dann auch noch in Rückstand. Den Jungs war aber nichts vorzuwerfen. Was danach abgegangen ist, geht in die Geschichtsbücher ein. Einfach sensationell! Die Kurve unterstützte lautstark trotz Schockzustand. Stürmer Ertugrul Yildirim wurde eingewechselt. Nur noch wenige Minuten waren zu spielen. Der FCW warf alles nach vorne. Im ersten Anlauf war man fast dran, im Zweiten noch näher und beim Dritten hats gekracht. Torschütze: Yildirim(!!!) in letzter Sekunde. Der Sektor stand Kopf und die Niederösterreicher waren bedient.

Verlängerung und Verlängerung der Verlängerung

Nach dem schnellen Rückstand in der Verlängerung ist es spannend geblieben. Bald sind die Wölfe nur mehr mit Krämpfen in den Beinen am Boden gelegen. Endgültiger Wahnsinn war der Ausgleich durch Murat Satin in der letzten Minute. Alles was schwarz-grün getragen hat, ist total ausgeflippt. Das Elferschießen war kaum mehr auszuhalten. Unglaublich. Goalie Lukas Wedl wäre um ein Haar am Ersten der Niederösterreicher dran gewesen. Aber bei deren Vorletzten wars dann soweit. Gehalten. Unsere Schützen, angefangen von Mr. Zuverlässlich Alex Gründler bis zur Entscheidung durch den sicheren Satin, alle waren eiskalt wie Tiroler Gletschereis. Der helle Wahnsinn ging dann ab. Die sonst so harten Burschen und Mädls hatten Tränen in den Augen. Alle lagen sich in den Armen. Mit den Spielern wurde gefeiert und es gab kein Halten mehr. Als ich zurück in den Auswärtssektor kam, bin nicht weit gekommen. Da wurde ich massenhaft niedergbusselt und gedrückt, man kann die Freude und Ausgelassenheit gar nicht beschreiben, was da los gewesen ist. UNA GRANDE EMOZIONE!
Neue Sympathien haben wir auch gewonnen. Sundey Faleye hat einem St. Pöltner Buben sein Trikot geschenkt. Der ist die Stufen hoch gerannt zu seiner Familie und hat mit den Sternen um die Wette gestrahlt. Überhaupt warne viele Niederösterreicher beeindruckt von unserem Verein. Auch die zwei Grantler vor mir, die während des gesamten Spiels wie Waldorf und Statler aus der Muppetshow geschimpft und geflucht hatten, gratulierten. Einfach schön. Fußball ist so viel mehr als nur das 90minütige Spiel.

Glaube – Wille – Mut

Mit sehr großer Spannung wurde am Sonntag die Auslosung für das Halbfinale verfolgt. Sehr schön mal in so einer Situation sein zu dürfen. Österreichs aktuell beste Teams Salzburg und LASK waren noch im Lostopf. Es wurde ein Auswärtsspiel bei der Austria aus Lustenau. Somit besteht doch tatsächlich eine fifthy-fifthy Chance gar das Finale im ÖFB Cup zu erreichen. Grandios! Jetzt gibt es keine Ausreden. An diesem Termin (3. oder 4. März) MUSS es eine schwarz-grüne „Invasion“ ins Ländle geben. Eine historische Chance winkt. Lustenau hat zwar wesentlich mehr Erfahrung und mit Ronivaldo einen Top-Torjäger in ihren Reihen, der Anfang März wohl wieder fit ist. Aber unsere jungen Wilden können mit der Moral, dem Willen und dem Mut der letzten Partien das alles wett machen und mit unseraller Unterstützung kann es gelingen den Traum vom Finale wahr werden zu lassen.
Es gab in unserer Ära wohl noch nie eine Mannschaft, die ihren Fans wegen ihrer Unterstützung derart dankbar ist, wie die aktuelle. Das darf ich zurückgeben. Ich bin sehr dankbar, dass die Jungs für ihren und unseren(!) Verein ALLES geben!

Zu sagen wäre noch, dass heute Montag um 19.13 Uhr beim „Tippeler“ in Schwaz (Burggasse 6) der erste Fantreff stattfindet. Dabei trifft Tradition auf Tradition. 1657 wurde der Gasthof eröffnet und hat seither sehr viel mitgemacht. Nun erstrahlt der „Tippeler“ im neuen (alten) Glanz. Ich freu mich auf zahlreiches Erscheinen. Es wird einiges zu sehen und zu besprechen geben. Nachahmung erwünscht!

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Autor: Rudolf Tilg

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