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Heimspiel auswärts und doch in der Heimat

In der Regel führt uns die erste Cuprunde in weite Ferne. Sensationell war aber unser Gastspiel in Kitzbühel vor zwei Jahren. Nach Schrems im letzten Jahr bescherte uns die Losfee diesmal ein Innsbrucker Stadtderby gegen die SVG Reichenau. Dass die SVG das Heimrecht beantragt hat, hatte im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Aber aus deren Sicht war das durchaus verständlich. Die „Roten“ waren ein sehr guter Gastgeber. Zum Dank haben ihnen die Schwarz-Grünen acht Knödel dort gelassen. Arm dran waren aber die Fans vor dem angekündigten Livestream von ÖFB TV daheim. Was jeder Dorfverein zustande bringt, dazu ist der ÖFB nicht in der Lage. Warum der Zugang einerseits so kompliziert und umständlich ist und andererseits die Qualität und Stabilität so derart schlecht ist, bleibt ein Rätsel! Hatte man das komplizierte Anmeldungsprocedere endlich hinbekommen, konnte man im Anschluss nicht einmal die Hälfte der 90 Minuten sehen. Das ist schwach, sehr schwach sogar und scheint obendrein auch noch die Regel und nicht die Ausnahme zu sein!

 

Innsbrucker Derby

Die SVG Reichenau ist ein vergleichsweise sehr junger Verein. Gegründet im Jahr 1975. Damals war ich schon regelmäßig im Tivoli zu Gast. Bei einem Blick ins Netz musste man fast staunen. Die Kapazität in der Sportanlage Reichenau wird mit 1500 Zuschauern angegeben. Da wurden wohl die Fenster der Hochhäuser in der Umgebung mit dazu gezählt. 600 Zuschauer waren schließlich zugelassen – Corona lässt Grüßen. Für die Schwarz-Grünen unter ihnen wurde eine wirklich feine Tribüne errichtet. Nur, die war nicht ganz voll. Denn abseits der 600 Zuschauer haben sich etwa 200 Zaungäste außerhalb des „Stadions“ dazugesellt und der ein oder andere aus dem inneren der Sportanlage hat es dann vorgezogen, hinterm Zaun dabei zu sein. Zu meiner Überraschung war aber auch ein guter Teil auf der Hauptbühne in wackerer Hand und nicht wenige (fast-neutrale) haben im Verlauf des Spiels die Seiten gewechselt. Sachen gibt es. Jedenfalls war dieses Auswärtsauftritt ein wahres Heimspiel. Ein echtes Stadtderby auf sehr engem Platz und einem ungewohnt glitschigen Untergrund. Gefährlich für den Favoriten?

Nicht an diesem Abend. Die Reichenauer sind in ein wahres Debakel geschlittert. Die Böschung, auf der die „Tivoli Nord“ ihre Tribüne gefunden hatte, dürfte ähnlich steil gewesen sein, wie der Rasen. Das Spielgeschehen hat sich mit zwei Ausnahmen vor dem Kasten der SVG abgespielt. Angetrieben von einer „feurigen Anhängerschaft“ außerhalb der Sportanlage. Einfach sensationell war da die Atmosphäre, die man sehr, sehr lange vermisst hat. Unlogisch war da nur das Überaufgebot an Polizei, die selbst schnell gemerkt hat, dass sie überflüssig war. Als wäre Rapid Wien zu Gast gewesen. Dabei hat die Reichenau gegen Wacker gespielt. Aber scheinbar braucht man jetzt nach der coronabedingten Pause eine Beschäftigungstherapie. Denn nicht weit von Innsbruck entfernt, beim Sensationssieg der Schwazer gegen den SV Horn war es nicht anders. Auflagen bis zum Gehtnichtmehr und Unmengen an Uniformierten bei einem Spiel ohne Auswärtsfans. Muss man das verstehen? Zumindest hat sie sich die Exekutive in der Reichenau dann auch zurückgehalten als die Wacker-Spieler mit ihren Fans nach dem Spiel außerhalb des Stadions gefeiert haben. Das war wunderschön!
Aufgefallen ist in dieser Runde auch, dass die meisten Regionalligisten unter die Räder gekommen sind. Zum Glück mein Heimverein aus Schwaz nicht und die Altacher sind gegen den Regionalligisten Karlsberg aus dem Bewerb geflogen. Aber sonst hat man die fehlende Spielpraxis der Amateurvereine deutlich gesehen. Auch bei der SVG.

Herausfordernde Aufgaben

Am Dienstag trifft unser FC Wacker auf den FC Liverpool und den VFB Stuttgart. Dass jetzt die Reds schon zu zittern anfangen, halte ich für ein Gerücht. Die Geheimniskrämerei um dieses Blitzturnier muss man aber auch erst einmal nachvollziehen können. Zumal diese Spiele ja Live auf Sky Sport News (frei empfangbar) übertragen werden. Aber es sind Agenturen, die solche Spiele organisieren. Und da werden natürlich die Wünsche der Vereine berücksichtigt. Für den FC Wacker Innsbruck bedeutet es eine große Ehre eingeladen zu sein.
Eine große Herausforderung bleibt auch die Zukunft des Vereins. Mit einem „Maßnahmenpaket“ ging der FC Wacker Innsbruck am Samstag in die Öffentlichkeit: https://www.fc-wacker-innsbruck.at/news/news-2/4655-massnahmenpaket-fuer-sichere-zukunft.html
Was aber wiederum für Diskussionen sorgt. Der russische Finanzunternehmer ist im Fußball nicht unbekannt und höchst umstritten. In Deutschland hat er viel verbrannte Erde hinterlassen. Bei uns hätte er die Chance seinen Ruf massiv zu verbessern. Man wird sehen, was die Zukunft bringt. Doch eines ist sicher. Man muss auf der Hut sein. Schade nur, dass man auf diese Hilfe angewiesen ist, weil einem die Heimat nicht ernähren kann oder will…
Als Saisonziel wird ein Spitzenplatz in der Liga ausgegeben. Dieser Begriff ist dehnbar. Fakt ist, dass wir eine gut eingespielte Mannschaft haben. Das ist heute so und was in einem Jahr sein wird, kann niemand voraussehen. Dazu haben wir den Vorstand des Vereins unser Vertrauen geschenkt. Die „Überbrückung“ des russischen Geldgebers soll nicht das Ende der Fahnenstange sein. Die Innsbrucker sind weiter in Verhandlungen mit möglichen Sponsoren und Partnern.
Mir persönlich gefällt das Investoren-Thema im Fußball nicht, aber auch ich muss eingestehen, dass es kaum mehr anders möglich ist. Aber das ständige herumdoktern an unserem geliebten Sport nervt auch abseits der Finanzierung gewaltig. Es wird immer komplizierter und verwirrender. Jetzt sollen in unserem Nachbarland Italien gar schon grüne Trikots verboten werden. Damit die Spieler für die TV-Zuseher besser vom Rasen zu unterscheiden sind. Was kommt als Nächstes? Die Schiedsrichter sind eh arm dran. Bei den ständigen Regeländerungen kennt sich kaum noch wer aus. Aktuell wird mal wieder an der Abseitsregelung herumgedoktert. Und der VAR im Kammerl (der ja auch die österreichische Bundesliga heimsuchen wird), der die ganze Sache gerechter machen und Fehlentscheidungen eindämmen soll, liegt „gefühlt“ leider auch noch viel zu oft daneben. Mit Schaudern erinnert man sich an so mache Entscheidung bei der zurückliegenden EM. Ob es für den Publikumssport Fußball wirklich förderlich ist, den Rausch der Emotionen über kurz oder lang im Keim zu ersticken und minutenlang auf die Bestätigung eines Torerfolgs warten zu lassen, sei dahingestellt.

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Autor: Rudolf Tilg

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