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Vom äußersten Tiroler Unterland bis ins schöne Zillertal

Die Glonner Arena zu Ebbs ist aus allen Nähten geplatzt. Dort, wo schon bayrische Luft herüberweht, duellierten sich am Samstag der SK Ebbs mit unserem FC Wacker Innsbruck. Offiziell wollten 950 Fans dieses Spiel sehen. Zählt man die Kids (Nachwuchsultras) dazu, war das gemütliche Stadion am Ortsrand von Ebbs gut vierstellig. Vierstellig war die Tiroler-Cup Begegnung nur 45 (!) Stunden später im Lindenstadion zu Hippach. Der SK Hippach vermeldete so gut wie ausverkauft. Laut ÖFB sahen 1651 Zuseher eine hart umkämpfte Partie die KEINEN Verlierer gesehen hat! Sowohl am Samstag in Ebbs, als auch zum Feiertag in Hippach, die Gastgeber, als auch der Gastverein haben sehr viele Sympathien gewonnen. Sportlich hatte der FCW zwar die Nase jeweils knapp vorne, aber beide Gegner fighteten, als ginge es um ihr letztes Hemd.

 

Einmal Ebbs und zurück

Kaiserwetter und der wilde Kaiser im Hintergrund, was will man mehr. Dazu noch den ersten Sieg in der Liga eingefahren. Schöner kann ein Wochenende nicht beginnen. Vielleicht ist es dann gar schöner, wenn die Gastgeber über die Gäste nicht mehr aus den schwärmen herauskommen. Eine vierstellige Zuschauerzahl und ein Genuss für jeden, der Amateurfußball mag. Volksfest, das Vierte, kann man sagen. Das Sprichwort „ No one Likes us.“ (koana mog uns) trifft auf den Runderneuerten FC Wacker NICHT zu. Ganz im Gegenteil! Die Gastgeber verwöhnen uns direkt. Mit einem Service und einer Freundlichkeit, welche man als gelernter Fußballfan nicht gerade gewöhnt ist. Zugegeben, nicht nur deswegen hätten sich die Unterländer einen Punkt verdient. Das Spiel war teilweise vogelwild. Es wogte hin und her. Fehler folgten Gustostückerln hüben wie drüben. Obwohl die Ebbser eine Blitzschutzfirma (Pfister) als Hauptsponsor haben, schlug nach dem Pausenbier der Blitz zweimal ins Gehäuse der Unterländer ein. Da stand die Glonner Arena Kopf und zum Schluss wurde es dennoch noch einmal eng. Die Stange hat uns den Sieg gerettet und dann ging es ab zum Feiern. Und wie. So etwas habe ich selten erlebt. Man hat förmlich gespürt, wie eine Last von der Mannschaft gefallen ist. Ein derartiger Anhang kann nicht nur Ansporn sein, sondern auch eine Bürde des unbedingt für diesen siegen zu wollen. Oft ist das nicht so einfach und es spornt auch die Gegner an.

Zillertal, Du bisch mei Freid

Ins Zillertal, da fahrt a kloane Bahn, trällerte einst das legendäre Hippacher Trio, aber Jahrzehnte später war die „kloane“ Bahn Schwarz-Grün. Voll von fußballbegeisterten Wackerianern, die gestärkt von einem Weißwurstfrühstück ihre Mannschaft zum Aufstieg in die dritte Runde des Tiroler-Cups singen wollten. Die „Krapfentaler“ vermeldeten schon vor Tagen, ihr Kartenkontingent sei vergriffen. Haben die Hippacher doch bei normalen Ligaspielen schon einen sehr guten Zuspruch. Und ganz ehrlich, ich habe in meiner Laufbahn selten einen sympathischeren Verein als diesen erlebt. Angefangen von ihrem jungen Obmann Johannes Greif und seinen Spielern, die buchstäblich um ein Butterbrot spielen, bis hin zur Bedienung, welche einem sogar die Getränke nachtragen. Zu essen gab es was das Herz begehrt (ähnliches gilt auch für Ebbs/Kirchbichl/Axams). Und die Rollbalken gehen nicht fünf Minuten nach Abpfiff nach unten, wie zuletzt im Tivoli. Da hat die Olympiaworld einiges an Einnahmen liegen gelassen. Ich will nur mehr auswärts antreten! Sogar ein Sektor-Wechsel des Innsbrucker Anhangs war kein Problem. Zu erwähnen wäre, dass der Kader des SK Hippach vorwiegend aus einheimischen Spielern besteht und die warfen sich in einem richtigen Cupfight in jeden Zweikampf, als gäbe es kein Morgen. Diese Partie war mehr als nur vogelwild. Das war schon Dramatik pur. Die 1561 Zuseher (weit mehr, als bei jedem einzelnen Zweitligaspiel an diesem Wochenende) bekamen zwar kein Spektakel zu sehen, dafür aber einen leidenschaftlichen Kampf um jeden Millimeter Lindenstadion. Dem nicht genug kam es nach einer siebenminütigen Nachspielzeit zum High Noon vom Elfmeterpunkt. Der Ärmste dabei war ich selber. Mein Akku gab den Geist auf und ich musste zurück zum Wechseln. Kaum gewechselt, erkannte ich an der Reaktion der Kurve, dass wir verschossen haben. Scheibenkleister. Ich wusste nicht, wie es nun steht. Der letzte Elfer der Hippacher ging an die Querlatte und der Sektor ist ausgerastet. Gewonnen, ach wie schön ist das Zillertal. Nicht nur wegen des Ergebnisses von 6:7, sondern das Tal ist wohl eines der Schönsten in Europa. Das erkannte schon Felix Mitterer und unweit von seinem „Lahnenberg“ kam es am hohen Frauentag zur Wackersaga. Aber für mich hat der SK Hippach ebenso gewonnen. Ihr Obmann ist berechtigterweise stolz auf seinen, am 02. April 1973 gegründeten Verein. Na, zum Glück nicht schon einen Tag vorher.
Für uns geht es schon am Freitag um 19.30 Uhr mit einem Heimspiel weiter. Das nimmt schon „fast“ britische Züge an. Gegner wird der SC Münster sein. Schwarz-Grünes Derby also. Zeigen wir, wer Wacker Innsbruck ist. Auf ins Stadion!

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Autor: Rudolf Tilg

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