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Statt Befreiungsschlag, nächster Rückschlag

Volders wie? Etwa gar Ostvolders? Aber nein, das hören die wahren Volderer nicht so gerne. Die einen blieben gestern in Wattens und die echten lieben das Tivoli jetzt so richtig. Immerhin war da an diesem Wochenende nur der selbsternannte Rekordmeister aus Wien Hütteldorf, der SK Rapid Wien besser als die Herren aus Volders. Aber des einen Freud, des anderen Leid. Der FC Wacker Innsbruck starb den Chancentod. Und eines verstehe wer will, das Heu ist längst eingefahren, warum wird das Scheunentor da in unserer Verteidigung nicht endlich geschlossen? Und wie zum Hohn haben mich auf dem Heimweg durch das Inntal drei wunderschöne Regenbögen begleitet. Von Volders bis nach Schwaz. Das hätte schon fast für die ORF-Nationalfeiertagsendung „Neun Plätze, neun Schätze“ gereicht, in der die schönsten Plätze Österreichs ermittelt werden.

 

Zweiter Selbstfaller in einer Woche

Viele Volderer waren im Tivoli zu sehen. Die Originalen meine ich. Die rieben sich verdutzt ihre Augen. Die Schwarz-Grünen spielten mit den Ihren „suchs Balli“. Mit in die gegnerische Hälfte zu kommen war da nichts und schon gar nicht in die Nähe des Strafraums. Und dennoch stand es nach 11. Minuten 0:1 aus Innsbrucker Sicht. Wenn man schon derart eingeladen wird, warum nicht bei seinem ersten Besuch in der gegnerischen Hälfte gleich treffen. Das dachten sich auch Streiters Buam. Ausgekontert zu werden, das kann doch einmal passieren. Ob es eine Hommage an ihren Trainer Michael Streiter gewesen ist oder einfach der Überlegenheit des Gegners geschuldet, der FC Volders spielte vorwiegend in jener Gegend herum, wo einst das Revier unseres Rekordspielers Streiter gewesen ist. Um den eigenen Sechzehner. Da waren sich nicht wenige, der 1000 Besucher im Tivoli einig, dieses Spiel bekommt Wacker garantiert gedreht. Mitnichten. Mit dem Seitenwechsel wurde es erst so richtig kurios. Innsbruck hat gespielt und Volders die Tore gemacht. Rettete nicht die Stange für die Volderer, wurden die Chancen regelrecht verstolpert. Am Ende war man in der Defensive offen wie ein Scheunentor. Schlimmer noch, da würde eine Antonov AN-225 Mriya hineinpassen. Das größte Flugzeug der Welt hat eine größere Spannweite, wie ein durchschnittliches Fußballfeld breit ist und in der Länge würde es von einem Tor zum anderen reichen. Die Volderer Mriya hat uns drei Tore eingeschenkt und ist damit in den siebenten Himmel geflogen. Jetzt fühlen die sich wohl größer als die Antonov! Für die Innsbrucker bleibt das Antreten zur Pflichtwatschn. So darf man ganz einfach nicht auftreten und das jetzt zum zweiten Mal in Folge!

Alles Streiter oder was

482-mal ist der Voderer im Dress des FC Wacker Innsbruck eingelaufen. Von 1983 bis 1998. Nach einem Abstecher zur Wiener Austria ist Michi Streiter 2000 für ein Jahr an den Inn zurückgekehrt, ehe er in Wattens seine spielerische Karriere hat ausklingen lassen. Streiter war nicht nur ein begnadeter Verteidiger, sondern erzielte dabei auch 19 Treffer für Innsbruck. Der langjährige Abwehrchef der Innsbrucker führte die SPG Wattens/Wacker 2003 als Trainer zurück von der Regionalliga in den Profifußball. Die Tivoli Nord skandierte damals, „eine Liga weiter – danke Michi Streiter“. Unvergessen! Dramatisch allerdings auch sein Abstieg bei seiner zweiten Ära als Trainer am Tivoli. 2014 ging es runter und in der 2. Liga wollte es dann auch ganz und gar nicht klappen. Im Winter musste Streiter auf einem Abstiegsplatz liegend, Klaus Schmidt Platz machen. Schmidt, der Wacker dem Aufstieg mit Austria Salzburg vorgezogen hat. Gedankt wurde das dem Klaus dann herzlich wenig. Michi übernahm ab da seinen Heimatverein, den FC Volders. Seit 2019 heißt der Obmann von Volders ebenso Michael Streiter. Genau wie der Platzwart dort. Sieht so aus, als wäre der FC Volders ein Einmannbetrieb. Michi sagte so nebenbei zu mir, manchmal ist er auch das A… Was ich jetzt wieder weniger glaube.

Das wird schon wieder

Nach dem Spiel konnte ich mit Streiter noch ein Gespräch führen. Ihnen sei alles aufgegangen. Auch der perfekte Matchplan. Tief stehen und auf Fehler warten. Bei Wacker will man immer mehr und wird daher leicht ungeduldig. Und das Spiel verlief dann wirklich so, wie von Orakel Streiter vorher geahnt. Nach dem 0:3 in Minute 84 war die Partie dann endgültig gelaufen. In der Brust des Volderer Trainers und Wacker-Urgesteins schlagen immer noch zwei Herzen. Führer war zwei Stunden vor Spielbeginn die Bude rappelvoll und nun Tiroler Liga. Traurig. Ganz scheint der Volderer nicht im Bilde zu sein, was da in Innsbruck so abgelaufen ist. Aber ich wollte auch nicht weiter darauf eingehen. Das klingt alles nach Ausreden. Fakt ist, dass wir bis eine Woche vor Ligastart noch überhaupt keine Mannschaft hatten. Streiter, sicherlich ein Fußballkenner, hat auch gemeint, seine Mannschaft spielt schon Jahre zusammen, hat die aufgebaut und in Innsbruck sind die Erwartungshaltungen immer hoch und die fehlenden Automatismen der Schwarz-Grünen haben schlussendlich viel zum Ergebnis beigetragen. Ich glaube auch, dass die Mannschaft von sich selber viel erwartet. Vielleicht zu viel. Im Amateurfußball darf der Spaß nicht zu kurz kommen! Was wiederum selbst den Druck erzeugt, der einen hemmt. Man hat heißblütige, sehr treue Anhänger und dann läuft es nicht so wie gewünscht. Sobald ein Spieler zu viel nachdenkt, denkt er gerade um den entscheidenden Hauch zu viel. Das wird schon wieder. Man kann sich nur selbst aus dieser Phase herausbringen. Da muss man durch! In erster Linie geht es für uns um das Überleben des Vereins. Es folgen jetzt zwei Derbys. Gelegenheit, Boden wieder gutzumachen. Wacker Innsbruck ist laut der Obmänner und Trainer unserer Gegner eine derartige Bereicherung für die Tiroler Liga und wir haben mehr erreicht, als uns jeder in Tirol überhaupt zugetraut hätte. Da muss und wird man auch über ein sportliches Wellental hinwegkommen

Hingegen schwebt Wacker II weiterhin auf Wolke sieben. Mit einem 5:1 Sieg beim Völser SV II haben unsere Zukunftshoffnungen die Tabellenführung souverän verteidigt. Das Spiel unserer Damenmannschaft musste verschoben werden. Informationen dazu soll es diese Woche noch geben. Weiter geht es für die Herren am Samstag, den 08. 10. Beim SVI. 30 Meter vom Tivoli entfernt. Spielbeginn ist um 15 Uhr. Die bestens bekannte Kantine des SVI wird aber schon viel früher ihre Tore öffnen. Ein Derby unter Freunden!

Foto: Beate Retzbach

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Autor: Rudolf Tilg

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