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Rückblick-Einblick-Ausblick

„Tore-Triumphe-Tränen“ – So der Untertitel der „Wacker Story“, geschrieben von Walther Prüller 1978. Mit unglaublichen Anekdoten aus einer goldenen Ära. Der Stoff, aus dem Legenden geschaffen wurden. Zum Beispiel das Spruchband der Schwarz-Grünen vor 45 Jahren in Salzburg Lehen: „3:0 in Lehen – Celtic auf Wiedersehen“ (vor dem Spiel).

1987 folgte dann „Die Alpenkönige“ von Dietmar Chmelar. Teilweise abgekupfert, aber ebenso mit sensationellem Hintergrund. Die Geschichte eines Wandels. Mit viel Tiroler „Knödel“ drin. Aber wie würde ein neues Buch über den FC Wacker Innsbruck denn aussehen? „Tore-Triumphe-Tränen“, müsste man sicher um das „blanke Entsetzen“ erweitern. Vieles spare ich mir jetzt. Das ist ohnehin auf https://history.tivoli12.at/ nachzulesen. Vom Konkurs des FC Tirol (eine Kriminalgeschichte) bis zum verheißungsvollen Neubeginn, der in einem ständigen auf und ab gemündet hat. Der Kampf ums Überleben war allgegenwärtig und ein stetiger Bremsklotz des Vereins. Bis dieser Anker zu schwer wurde und Investoren ins Boot geholt wurden. Statt den Verein zu retten, bohrten diese aber noch zusätzliche Löcher in dieses Boot und dieses drohte mit all seinen Insassen völlig abzusaufen. Und das wiederum ist der Stoff, aus dem Thriller gemacht werden. Das, was dem FCW widerfahren ist, kann man gar nicht erfinden. Wir mussten es erleben –  und da sind wir jetzt in der Gegenwart angelangt.

 

Holpriger Neustart

Der erneute Neustart sollte in der Tiroler Liga eine Fortsetzung finden. Nur aufgrund des immer größer werdenden Drucks der Vereinsmitglieder wurde dieser erst ermöglicht (Mitgliederinitiativen, Unterschriftenaktionen, Fanmarsch in die Innenstadt, Einberufung einer aoGV). Es ist dem eine emotionelle Generalversammlung gefolgt. Johannes Rauch wurde am 29.06.2022, nach dem Rücktritt von Kevin Radi, unser neuer Präsident. Hat Hannes nicht eine Woche vor der Generalversammlung gesagt, der strebe gar kein Amt an? Ja, das hat er… Nun aber war Eile geboten. Schon einen Monat später ging es mit der Meisterschaft los. Das alles wurde äußerst knapp. Jene, die dem Verein helfen wollten, sind vor unglaublichen Hürden gestanden. Und es musste zuerst ein Überblick geschaffen werden. Sprichwörtlich eine Sekunde vor 12 gelang es schließlich ein Team aus dem Boden zu stampfen und den Fortbestand unter äußerst schwierigen Voraussetzungen zu verkünden.

Innerhalb von nur wenigen Tagen musste alles unter Dach und Fach sein. Jakob Griesebner konnte in dieser Zeit eine letztendlich konkurrenzfähige Mannschaft, bestehend aus einigen wenigen Verbliebenen der vergangenen Saison plus Legionären aus den Nachbarländern, knapp vor Ende des Transferschluss zusammenstellen. Mit Akif Güclü, dem Meistermacher des SC Schwaz, wurde ein neuer Trainer verpflichtet. Akif stand aber erst wenige Tage vor Saisonstart zur Verfügung. Ihm zur Seite steht Mario Geir. Die Mannschaft kannte sich erst ein paar Tage, hatte nur wenige Trainingseinheiten in ihren Beinen und schon ging es zum Ligastart nach Kirchbichl zum SV. So etwas, könnte sich der beste Autor nicht ausdenken und die neueste Wacker Story folgt nun:

Einfach sensationell

Wie nimmt das alles unser Publikum auf? Medienschelten ohne Ende, Spott und Häme überall und die quälende Ungewissheit nagen natürlich an der Fan-Seele. Der SV Kirchbichl hat dann alles dafür getan, ein Fußballfest zu organisieren. Und die Schwarz-Grünen schenkten ihnen das auch. 1250 Zuseher, eine tolle Stimmung und sensationelle Einnahmen für die Hausherren, die sonst nur vor etwa 200 Zuschauern ihre Spiele abhalten. Trotz ansprechender Leistung ging der Saisonauftakt mit 0:1 verloren. Schon zwei Tage später ging es im Tiroler Cup gegen Axams/Grinzens weiter. Eine unglaubliche Atmosphäre. Über 1100 Zuseher sahen auf der brechend vollen Ruifachtribüne einen 4:0 Sieg der Innsbrucker. Dem folgte dann das erste Heimspiel am Tivoli gegen den SC Mils. Die Zuschauerzahl können wir nur raten. Gefühlt waren es über 1500… Egal, es waren derer weit mehr als erwartet. Das Spiel endete mit einem 1:1. In der 3. Runde ging es ins Unterland nach Ebbs. Mehr als 1000 Fußballbegeisterte sahen den ersten Sieg der Schwarz-Grünen. Schon zwei Tage später, wiederum im Tiroler Cup, hieß es, ab ins Zillertal. Das war wirklich sensationell. 1.551 Zuschauer bekamen in Hippach einen echten Cup-Fight präsentiert. Da es in der regulären Spielzeit keine Sieger gab, musste der Thriller im Elfmeterschießen entschieden werden. Schwarz-Grün setzte sich schließlich durch und es hallte durchs Zillertal: „Tiroler Cup in diesem Jahr“. Der SC Münster wurde dann in der Meisterschaft am Tivoli besiegt und nun kam es zum ersten echten Highlight, dem Innsbrucker Derby am ASKÖ-Platz gegen den IAC. 1250 begeisterte Zuseher bekamen einen Kampf auf Biegen und Brechen geboten. Tolle Gastgeber, eine noch tollere Stimmung und ein viel umjubelter 3:2-Auswärtssieg machte Lust auf mehr. Gegen Kematen gab es ein 0:0 und gegen die SPG Prutz/Serfaus konnte ein weiterer Heimsieg (2:0) eingefahren werden.

Schwierige Phase

In Natters stellte man dem FCW-Anhang extra eine tolle Tribüne hin. Was für eine lässige Sache, was für eine „bärige“ Stimmung! Nicht mithalten konnte da unser Team und verlor mit 0:2. Vogelwild hat unsere Abwehr auch dann daheim gegen die SVG Mayrhofen agiert. In einer richtigen Schlacht wurden die Zillertaler aber doch noch mit 5:4 besiegt. Es folgten dann zwei Niederlagen, auswärts gegen Oberperfuss (1:2) und der Tiefpunkt am Tivoli war dann das 0:3 gegen den FC Volders. Klassisch ausgekontert, lautete da die Analyse. Beide folgenden Innsbrucker Derbys, gegen den SVI und die Union, endeten 1:1. Zwar war man spielerisch Überlegen, doch brachte man weder das zweifellos vorhandene Potential auf den Rasen, noch konnte man die Effizienz vor dem gegnerischen Tor erhähen. Eine sehr schwierige Phase. Es fehlte das Selbstvertrauen, unser Team fand immer zu spät in ihr Spiel und wahrlich vermeidbare Fehler wurden regelmäßig vom Gegner bestraft. Das Mannschaftsgefüge schien ins Stottern zu geraten. Da läuteten die Alarmglocken. Aus dieser Phase konnte sich die Mannschaft nur selbst befreien. Und das tat sie dann auch. Am Tivoli besiegte der FC Wacker Innsbruck vor 1421 Zusehern den Tabellenführer aus Völs hochverdient mit 2:1. Im Cupspiel wenige Tage später wurden die Haller Löwen am Tivoli quasi in den Käfig gesperrt und der FC Wacker Innsbruck überwintert in diesem Bewerb. Zum Kehraus in der Liga gastierte zuletzt der SK. St. Johann am Tivoli und zog mit 0:4 den Kürzeren (1219 Zuseher). Was für ein Spiel, was für eine Atmosphäre und was für ein Abschlussfest! Schade, dass ausgerechnet jetzt die Winterpause beginnt. So überwintert man mit einem sehr guten Gefühl und auf einem „Aufstiegsplatz“. Aber Vorsicht, der nächste Gegner SV Kematen ladet dann zum Auftakt ins Frühjahr und wird alles daransetzen, in der Tabelle an uns vorbeizuziehen.

Es bleibt spannend und es wird spannend. Nach oben hin, aber auch nach unten, ist alles offen. Wir dürfen uns auf das Kommende freuen. Der FC Wacker Innsbruck liegt in der Tiroler Liga auf dem 5. Tabellenplatz. Mit 25 Punkten und einem Torverhältnis von 24:19. Von der Spitzengruppe haben wir am wenigsten Tore erzielt. Zum Vergleich, Tabellenführer Völs brachte es auf  40:19 und der SC Mils (3.) gar auf 44 Tore. Gegen die Teams der oberen Tabellenhälfte hat der FCW regelmäßig gepunktet. Das Problem waren offensichtlich jene Gegner der unteren Tabellenregion, gegen die man Punkte liegen ließ. Über den Winter wird man beim FCW die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Nach zweiwöchiger Pause geht es für die Spieler am 14. November wieder mit dem Training los. Drei Einheiten pro Woche wird es bis knapp vor Weihnachten geben, ehe am 9. Jänner dann der Startschuss zur Vorbereitung aufs Frühjahr erfolgt.

Das wirklich Sensationellste beim Neustart ist aber das Publikum. Die Wacker-Fans haben die Verunglimpfungen der Medien und des TFV-Präsidenten Lügen gestraft und ihren Verein exzellent repräsentiert. Man kann dem FCW offenbar alles nehmen, aber niemals die Leidenschaft seiner Fans! Ein Zuschauerschnitt von weit über 1000 am Tivoli und in der Fremde knapp darunter, ist in dieser Liga und im Amateurfußball sensationell! Weiter so!

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Autor: Rudolf Tilg

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