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Feuchtfröhliche Meisterparty

Das mit der „feuchtfröhlichen Meisterparty“ dürfte Petrus wohl etwas missverstanden haben. SO war es nicht gemeint. 1200 Zuschauer sahen nass bis auf die Knochen eine unter diesen Bedingungen hochklassige Partie. Was im Lager der Schwarz-Grünen abgegangen ist, betitelt der FCW auf seiner Facebook-Seite als „geisteskrank.“ Dann werden am 14. Juni bei der Meisterfeier hoffentlich genügend „Psychiater“ anwesend sein. Die wird es dann wohl benötigen.

Drohendes Unheil

Der Tag der Entscheidung hat schon etwas verrückt angefangen. Schon beim Aufwachen begrüßte einen der Regen. Vielerorts fiel die Fronleichnamsprozession ins Wasser. Nach dem Kirchgang aber lachte die Sonne vom Himmel. Würde es so bleiben? Der Sportplatz in Mils sieht ein wenig aus, wie die Tiroler „Gruabn“. Auf der einen Seite ist ein Wald und bergseitig eine steile Böschung mit einem Hauch von Tivoli. Die Bestuhlung ihrer kleinen „Tribüne“ stammt nämlich aus dem legendären alten Tivoli. Verköstigt wurde man in Mils ausgezeichnet. Blieb die Frage, ob das schöne Wetter anhalten würde. Nein, tat es nicht. Dunkle Wolken zogen auf. Als quasi „Vollprofi“ abseits des Rasens habe ich einen Flecken Eden erspäht, ein Platzerl im trockenen. Beim Kiosk auf der Westseite. Viele Eltern mit Kindern suchten dort Schutz vor dem nahenden Unwetter. Dann schüttete es auch schon wie aus Eimern. Es wurde auch beim Kiosk gefährlich nass. Hält das Zeltdach den Wassermassen überhaupt stand?

Das Spiel

Nach sieben Minuten stand es 1:0 für die Hausherren, die einen schön vorgetragenen Angriff vollendet hatten. Aber mit Fortdauern der Partie wurde nicht nur der Regen immer stärker, sondern auch die Schwarz-Grünen. Der Support des zahlreich mitgereisten wackeren Anhangs kam zeitweise von zwei Seiten. Auch unter dem Kiosk-Zelt wurde es laut. Die Spieler schlitterten auf dem nassen Rasen nur so durch die Gegend und das Wasser spritzte auf, wie in einem Wasserfahrgeschäft eines Vergnügungsparks. Am Freigelände stand das Publikum im strömenden Regen. Die Wacker-Fans wurden regelrecht kalt geduscht. Schirme waren Trumpf. Trotzdem war die Stimmung im schwarz-grünen Lager siedend heiß – es hat regelrecht gebrodelt. 1200 Zuschauer kamen zum Spiel des Tabellenführers aus Innsbruck gegen den Tabellenzweiten SC Mils 05. Der hatte wegen des Aufstiegsrennens gegen die SVG Mayrhofen weit mehr zu verlieren als die Gäste. Und die haben zurückgeschlagen und den verdienten Gleichstand erzielt. Betrat man in der Pause den Rasen, so hatte man das Gefühl, auf einem Schwamm zu schreiten. Die Schuhe sanken tief ein. Auf den meisten anderen Sportplätzen im Land wäre das Spiel wohl nicht beendet worden. Aber der Rasen am Milser Sportplatz war in einem ausgezeichneten Zustand und hielt den Wassermassen stand.

Das Meisterstück

Ich hatte meinen „trockenen“ Unterschlupf längst verlassen, in der Hoffnung, es würde weniger schütten. Aber ich habe die Rechnung gänzlich ohne den „Wettermacher“ gemacht. Wacker hat mich aber nicht im Regen sitzen lassen. Alexander Schaber erzielte, kaum eingewechselt, die überfällige Führung der Innsbrucker und setze sich nur kurze Zeit später mit einem weiteren Treffer die Krone auf. War das die Vorentscheidung? Nein, denn die Hausherren schlugen postwendend zurück. Aber ein weiteres Jokertor von Marco Popovic beendete die Milser Hoffnungen auf einen Punktgewinn endgültig. Das waren wirklich „verrückte fünf Minuten“. Für solche Momente lebt ein Fußballfan. Was für ein Spiel! Unsere Wiener Freunde würden jetzt „urleiwand“ sagen. In Tirol sagt man „bärig“ dazu. Der Regen war allen längst egal. Im schwarz-grünen Lager sind alle Dämme gebrochen. Den Urschrei nach dem Schlusspfiff hat man wohl bis nach Frankfurt gehört. Unsere Fans verhielten sich sehr diszipliniert und blieben auch nach Abpfiff hinter den Absperrungen. Der Rest bildete einen Halbkreis, in dessen Mitte dann so richtig die Post abgegangen ist. Man kann auch einen Meistertitel in der Tiroler Liga so richtig zelebrieren. Die Brille beschlagen, die Kamera voller Regentropfen, nass bis auf die Knochen – und trotzdem glücklich, wie ein Kind zu Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Das ist jetzt mein 20. Titel(!) mit dem FC Wacker Innsbruck. Und obwohl dieser „nur“ in der Tiroler Liga eingefahren wurde, steht dieser keinem anderen im Wert nach. In der kommenden Saison erwarten uns nun Spiele in Volders, St. Johann, Ebbs, Fügen, Telfs, Völs, Kematen, beim IAC, Kundl, Wörgl und Silz/Mötz. Dazu kommen noch entweder Mils oder Mayrhofen sowie Kitzbühel oder Wattens.

Bitte mehr davon

Der Stream des FC Wacker Innsbruck hatte während des Spiels 650 Zugriffe. Aber der ist bis gestern auf sagenhafte 5028 Aufrufe auf YouTube gestiegen. Sechs Ehrenamtliche der Stadiontechnik und des Vereins haben unglaubliche Leistungen erbracht, um jenen, die nicht live dabei sein konnten, die Übertragung ins Wohnzimmer zu liefern. Trotz des Weltuntergangswetters hatte diese Übertragung eine ausgezeichnete Qualität. Und die Doppelmoderation von Florian Kahn und Alexander Hager war unterhaltend, mit Humor und Witz vorgetragen. Die Interviews im Stream waren dabei zusätzlich ein Mehrwert für die Zuschauer. Danke denen da „oben“ für euer Mitleid mit dem Redakteur im unten Regen. Beim nächsten Mal bringe ich ein Getränk hoch.

Warm geschossen

Vielen Dank für die Gratulationen zum Titel! Von aktuellen bis zu kommenden Ligakonkurrenten, von Leipzig-Leutsch, aus Frankfurt am Main, bis ins leidgeprüfte Düsseldorf und quer durch ganz Österreich kamen die Gratulanten. Natürlich hat auch die Fanszene des FC Wacker Innsbruck lautstark und farbenfroh gefeiert, wie auf dem Video der Tivoli Nord schön ersichtlich ist:

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Da hätte man beinahe vergessen können, dass es am Sonntag mit einem Heimspiel gegen den SV Umhausen weitergegangen ist. Die Öztaler kamen gleich mit vier Bussen und sehr vielen Nachwuchskindern ins Tivoli. Mit strahlenden Augen bildeten ihre Spieler und Einlaufkinder das Spalier für den Neo-Meister der Tiroler Liga. Die Schwarz-Grünen spielten dann über die gesamten 90 Minuten wie von einem anderen Stern. Die Umhausener konnten einem richtig leidtun. Mit dem 9:0 waren die Ötztaler eigentlich noch sehr gut bedient. Das wäre fast mein Rekordergebnis geworden. Das war bisher ein 9:0 gegen Austria Salzburg Anfang der Achtziger des letzten Jahrhunderts. Die Stimmung im Stadion war ebenso wie aus einer fernen Galaxie. Galaktisch gut…

Zum Schluss noch eine Botschaft an die Spieler, den Trainerstab, die Funktionäre und dem Team der Ehrenamtlichen des FCW: Vor zwei Jahren waren wir in der „Hölle“ angelangt. Kaum jemand wagte zu hoffen, dass der Verein überleben würde. Ihr habt uns da herausgeholt. Darum ein sakrisches Vergelts Gott!!!

Foto: Charlie Hackl-Nascimento

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Autor: Rudolf Tilg

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