Ewig junges Traditionsduell
Für den Cupschlager gegen den SK. Rapid am 27. Juli (17 Uhr) wird es nur mehr Restkarten geben. Am Sonntagnachmittag musste der Vorverkauf gestoppt werden. Nach lediglich eineinhalb Tagen vermeldete der Neo-Drittligist FC Wacker Innsbruck, eine volle Hütte am Tivoli (fasst 16008 Plätze in Stehplatzkonfiguration, 15.400 als Allseater Stadion) für den Saisonauftakt 2025/26. Am Freitag testeten die Schwarz-Grünen schon einmal, wie es sich gegen „Grün-Weiße“ spielen lässt. Die Innsbrucker besiegten den tschechischen Erstligisten FK Jablonec durch Tore von Bright Owusu und Luis Gstrein mit 2:1.
Neue Besen
Beim Betreten des W1-Platzes am Tivoli stach einem sofort der bestens gepflegte Rasen ins Auge. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Da ruinierte den Platz schon mal ein 40 Meter hoher Sprungturm für ein Winterevent. Dass man damals unmittelbar vor dem Trainingsbeginn des FCW säckeweise Schrauben einsammeln musste, sei nur nebenbei erwähnt. Der damalige Bundesligaverein musste den Platz mit Hinz und Kunz teilen und dabei aufpassen, dass sich die Spieler in den stadteigenen Rasenlöchern nicht die Haxen brechen. Alles Schnee von gestern. Die Vergangenheit kann man nicht mehr ändern. Aber die Zukunft gestalten. Zuletzt marschierten die Schwarz-Grünen souverän durch die Ligen fünf und vier. Mit der Westliga (3. Liga) kommt nun eine neue und umso schwierigere Herausforderung auf den FCW zu. Mit Raphael Gallé (von Zweitligist Admira) kehrt ein alter Bekannter zu den Schwarz-Grünen zurück. Linksverteidiger Tobias Berger kommt von Zweitligist Austria Lustenau nach Innsbruck und kann schon auf über 40 Bundesliga-Einsätze verweisen. Auf der Tormannposition ist Benjamin Ballis (der zuletzt für die zweite Mannschaft des FC Bayern spielte) bei Wacker gelandet und mit Innenverteidiger Phil Kunze kam eine weitere Verstärkung aus Deutschland (Eintracht Braunschweig II). Außerdem sicherten sich die Schwarz-Grünen die Akademie-Talente Christopher Weinzierl und Max Köchl. Das Transferfenster im Unterhaus schließt am 15. Juli und es wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch etwas tun (Stürmer).
Testspielsieg
Am vergangenen Freitag bot sich die erste Möglichkeit, sich beim Test gegen den FK Jablonec zu präsentieren. Schon vor dem Spiel waren die Verantwortlichen des Tabellenfünften der Vorsaison aus Tschechiens erster Liga unzufrieden. Die Bewässerungsanlage am Tivoli W1 ließ sich nicht in Gang setzen. Hoffentlich behebt das die Olympiaworld schnell wieder. Wacker begann diesen Probegalopp mit Tauber im Tor, Köchl, Kunze, Kopp, Franzotti, Francis, Sy, Scholl, Owusu, Lorenz und Lechl. Diese erste Halbzeit konnte sich sehen lassen. Die Innsbrucker spielten mit den Tschechen munter mit und gingen sogar mit 1:0 in Führung. In der zweiten Halbzeit wurde fleißig gewechselt. Für die Innsbrucker kamen Ballis im Tor, Gstrein, Yilmaz, Joppich, und Tekir. Später wurden dann noch Sadequi, Petutschnig und Weinzierl eingewechselt. Gstrein war es dann auch, der auf 2:0 stellte und die Sorgenfalten bei den Tschechen, die in den vergangenen Jahren gegen den FCW mit 2:0 (2023) und 7:0 (2024) gewinnen konnten, wurden tiefer. Bayern-Export Benjamin Ballis konnte sich – wie in Halbzeit eins schon Lukas Tauber – mit einigen Glanzparaden auszeichnen, musste schließlich aber doch einen Gegentreffer hinnehmen. Trotz anhaltendem Dauerdruck gegen Ende der Partie, hielt die Abwehr der Wackerianer dem Ansturm stand. Die Schwarz-Grünen landeten einen Achtungserfolg und besiegten die grün-weißen Tschechen mit 2:1. Ich bitte um Zugabe am 27. Juli!
Die Legende lebt
Mit dem Testspiel gegen FK Jablonec begann auch der exklusive Mitglieder-Vorverkauf (ein Bravo dafür dem Verein) für den Cup-Kracher gegen den SK. Rapid am 27. Juli. Innerhalb von drei Stunden waren 800 Karten an die Mitglieder verkauft. Zudem gingen 1100 Tickets nach Wien. Am Samstag startete der freie Kartenvorverkauf und die Medien berichteten wenig später bereits von 3500 verkauften Tickets. Sensationell. Kaum hatte man dann eine gute Tiroler „Marend“ verdrückt, vermeldete der FC Wacker Innsbruck auf seinen Social-Media-Kanälen schon 8500 abgesetzte Tickets. Und der Run auf die Karten für den Cupschlager ging munter weiter. Bald waren lediglich die Südtribüne und ein paar Restkarten auf anderen Tribünen verfügbar. Das setzte sich am Sonntagmorgen fort. Zunächst berichteten die Schwarz-Grünen von 12.500 verkauften Tickets, und am frühen Nachmittag wurde verkündet: „Nichts geht mehr“. Der Vorverkauf wurde gestoppt. Gegner Rapid hat nach dem Regulativ Anspruch auf 10% der Tickets. Sollten diese aber nicht in Anspruch genommen werden, landen sie wieder im freien Verkauf. Der Verein wird darüber informieren, ob und wann diese Restbestände freigeschaltet werden. Ein spannendes Wochenende liegt hinter uns. Nicht nur In(n)sider sind nun davon überzeugt, dass die Legende lebt und totgesagte länger leben.
Das Duell Wacker gegen Rapid
Das Duell Wacker gegen Rapid hat eine lange Geschichte. Im Cup-Schlager am 27. Juli wird es diese Begegnung zum 173. Mal geben. Am 29. August 1964 spielte der FC Wacker Innsbruck zum ersten Mal gegen Rapid in der höchsten Liga Österreichs. Das altehrwürdige Tivoli war gerade einmal 11 Jahre alt und bis auf die Westtribüne gab es noch keine Tribünen. Die Zuschauer bejubelten nach nur drei Minuten den ersten Treffer gegen die Hütteldorfer durch Dieter Prantl. Der FC Wacker Innsbruck besiegte den selbst ernannten Rekordmeister* mit 1:0. In den weiteren Jahrzehnten waren tolle Duelle am Tivoli zu sehen. Auf der einen Seite Stars wie Buffi Ettmayer, Wollny, Siber, Redl, Jara, Pezzey, Stering, Welzl, Koncilia bis hin zu Hansi Müller, Pipo Gorosito, Peter Pacult und später Streiter, Gillewicz, Brzeczek, Jezek, Baur und Co. Bei den Rapidlern standen mit Krankl, Panenka, Stöger, Herzog, Kühbauer, Starek, Pfeifenberger, Krankl, Feurer, Weber etc., ebenso wahrlich keine Unbekannten am Feld. Das waren feurige Duelle. Leider wurden mit dem Ende des FC Tirols (Konkurs 2002) die Rollen neu verteilt. Innsbruck war ab da (2004-Wiederaufstieg in die Bundesliga) stets der krasse Außenseiter. Trotzdem gab es in dieser Zeit auch spannende und packende Begegnungen mit den Hütteldorfern. Insgesamt liegen die Rapidler in der Bilanz mit 77 zu 48 Siegen, bei 47 Unentschieden, vorne. Am Tivoli aber führen die Schwarz-Grünen mit 32 zu 26 (25 Remis). Doch ein so großer Außenseiter wie am 27. Juli im Cup, war der FCW noch nie in diesem Aufeinandertreffen. FC Wacker Innsbruck gegen den SK. Rapid – das ewig junge (Traditions)Duell.
* nach Titeln in österreichweit ausgespielter höchsten Liga gerechnet, wäre Austria Wien eigentlich Österreichs Rekordmeister. Da man bei Rapid aber nur allzu gerne auch jene Titel, die in den Urzeiten des österreichischen Fußballs in einer reinen Wiener Stadtmeisterschaft errungen wurden, mitzählt, wähnt man sich in Hütteldorf als Rekordmeister.
Foto: Daniel Schönherr