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Nächste Stufe

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ In aller lieblichen Schwülstigkeit, die Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ umfängt, trifft er doch immer wieder mit wenigen Worten den innersten Kern einer Sache. Ein Anfang, das ist es für Wacker Innsbruck in vielerlei Belange, wenn es jetzt am Wochenende gegen die Reichenau geht. Und jeder Neubeginn, so herausfordernd es ist, er hat seinen Charme.

Abschied

Er steht jetzt wieder bei Null, der Ticker. Der, der die Tage ohne Liga-Niederlage zählte. Runtergerasselt von 636. Ein Abschied von einer stolzen Serie, die sogar international für Aufmerksamkeit sorgte. Die zweite Pflichtspiel-Niederlage in Folge schmerzt, denn hier lagen keine Stufen zwischen den Kontrahenten. Im Gegenteil. Aber, mit Hesse: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“. Und ganz ehrlich, besser hätte der Zeitpunkt nicht sein können. Um das Phrasenschweinderl zu füttern: Ein Schuss vor den Bug zum richtigen Zeitpunkt. Dass die Regionalliga kein Spaziergang wird, war klar. Dass es nicht nur nominell starke Gegner wie Dornbirn, Imst oder Wals sein werden, die bis zur letzten Sekunde Konzentration fordern, ebenso. Nun ist auch klar, ein Aufsteiger kann ebenso gefährlich sein wie ein Beinahe-Absteiger. Während Innsbruck von Seekirchen die Grenzen aufgezeigt wurden, forderte Kitzbühel den letztjährigen Tabellendritten Reichenau nicht nur, sondern wies ihn deutlich in die Schranken. Ein Rückstand schon nach einer Viertelstunde wurde innerhalb von 11 Minuten in ein 3:1 verwandelt, der Tiroler Cupsieger konnte dem nichts mehr entgegensetzen. Apropos Cupsieger – die letzten beiden Aufeinandertreffen mit den Reichenauern gingen beide Male nicht günstig für die Schwarz-Grünen aus. Im Finale des letzten Jahres musste man sich von den Titelträumen im Elfmeterschießen verabschieden, im Jahr davor war es das Viertelfinale, das vom Punkt das Ausscheiden des FCW brachte. Zeit, um zu gesunden.

Aufbruch

Dass es die Buben von der Sill können, das steht außer Frage. Dass es jedoch nicht mehr so leicht werden wird, allerdings auch. „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“, meinte Hesse. Als ob er Sportpsychologe wäre. Die neue Reise in der Regionalliga bringt jetzt statt des erwarteten Spitzenduells ein Keller-Derby, statt des Ringens um Platz eins den Kampf um die ersten Punkte für zwei Teams, die damit wohl beide nicht gerechnet hätten. Das zeigen auch die Neuzugänge der SVG. Der 21-jährige Luca Ben Kallinich kommt vom 1. FC Oberstedten aus der Kreisoberliga Hochtaunus und wird neben sich einen Landsmann finden. Max Forisch, 19 Jahre, der beim TSV Nördlingen in der Bayernliga kickte, lernt jetzt ebenso das österreichische Unterhaus kennen. Drei weiteren Neuzugängen ist das schon recht bekannt: Salih Ayazoglu, der zuletzt das violette Trikot des IAC überstülpte, Emanuel Ponholzer von Imst und Routinier Ignacio Jauregui vom FC Kufstein verstärken ein Team, das im letzten Jahr bereits schon ganz oben in der Regionalliga Luft geschnuppert hat. Wobei, bislang durfte erst der Tormann Ponholzer sein Spiel im Ligabetrieb zeigen, alle anderen Neuzugänge mussten sich noch mit der Bank begnügen. Der Rückgriff auf die Stammmannschaft der abgelaufenen Meisterschaft hat beim ersten Auftritt noch nicht für einen Erfolg gereicht. Was in der Mannschaft steckt, konnte man aber in den Vorbereitungsspielen erahnen, in denen zusätzlich auch Jauregui einige Minuten Pflichtspiel-Luft schnuppern durfte. Hier wurde Liga-Konkurrent Hohenems deutlich mit 4:1 aus dem Cup katapultiert.

Nächste Stufe

Jetzt hoffen also beide Innsbrucker Vereine auf einen Neubeginn, auf einen Schritt nach vorne. „Stuf‘ um Stufe heben“, das muss das Ziel sein. Was für ein schönes Märchen wäre es, wenn man nach dem letzten Tabellenplatz nach Runde eins am Ende ganz am anderen Ende der Tabelle stehen würde! Wie schwer es allerdings wird, weiß man jetzt nur zu gut…

Foto: pixabay.com



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Autor: Stefan Weis

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