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Erkenntnisse aus Saalfelden

Am 13. Mai 2022 bestritt der FC Wacker Innsbruck sein letztes Spiel außerhalb der Tiroler Landesgrenze, bevor die Profiabteilung in Konkurs ging. Die Schwarz-Grünen verloren damals in St. Pölten mit 1:3. Den Ehrentreffer für die Innsbrucker erzielte Rami Tekir. Nach Ablauf von beinahe 40 Monaten reiste der Tross des FC Wacker Innsbruck nach Saalfelden, der Wirkungsstätte des FC Pinzgau und sicherte sich durch einen Auswärtssieg drei Punkte.

Wo liegt Saalfelden?

Saalfelden liegt am steinernen Meer und ist heutzutage durch sein Reha-Zentrum der Pensionsversicherung und das jährlich stattfindende Jazz-Festival bekannt. Die SaalfeldenArena ist eine kleine feine Anlage in Sichtweite von Burg Lichtenberg. Diese schöne Burg wurde schon im Jahre 1281 urkundlich erwähnt. Der FC Pinzgau Saalfelden in der Lichtenbergstraße allerdings erst im Jahr 2007. Damals kehrte der FC Wacker Innsbruck nach vielen Jahren der Irrwege gerade zurück zu seinen Wurzeln. Aus dem FC Wacker Tirol wurde endlich wieder der FC Wacker Innsbruck. Doch auch der Fußball hat in Saalfelden seine Tradition. Der FC Pinzgau Saalfelden ging aus dem ESV und SK Saalfelden hervor. Aber da am Fuße des Steinernen Meeres steht noch etwas. Die Einsiedelei am Palfen, ein historisches Wahrzeichen Saalfeldens. Hätte ich diese Adresse bereits früher gekannt, wer weiß, ob ich nicht da eingezogen wäre. Bei unserer Vergangenheit. Nach dem Besuch in Saalfelden bin mir indes keineswegs gewiss, ob wir uns tatsächlich im Salzburger Land aufgehalten haben. Schließlich stellten ob der Gesänge der Wacker-Fans einige ältere Herren auf der Haupttribüne trocken fest: „Wir sind ja gar keine Salzburger, wir sind Pinzgauer!“ Dies stellt vielleicht die Erkenntnis des Tages dar.

Zu Gast in Saalfelden

Die SaalfeldenArena bietet eine beeindruckende Umgebung und einen sehr gepflegten Rasen. Der Platzsprecher war ausgezeichnet über den Tiroler Traditionsverein informiert und hatte sich lediglich bei der Gründung der Wacker-Damen um 27 Jahre vertan. Aber dank eines „anonymen“ Informanten wurde dies prompt korrigiert. Aber auch sonst hat wirklich vieles gepasst. Da es aber zum Speisen lediglich Fleischkassemmel (sagt nicht Leberkäse!) und Brezen gab, entging den Hausherren einiges an Einnahmen. Trotzdem hatte der Ausschank alle Hände voll zu tun, schließlich waren die offiziell 720 Zuschauer an diesem sonnigen Sommertag ordentlich durstig. Im Vorfeld war man bei Behörde und Verein etwas nervös, wie der erste Auftritt der Wacker-Fans in Salzburg wohl werden würde und ob die violetten „Freunde“ am Rande dieses Spiels auftauchen würden. Die haben sich dem Vernehmen nach übrigens selbst in Saalfelden, und somit im eigenen Bundesland, in der Vergangenheit ziemlich danebenbenommen. Das Polizeiaufgebot in und rund um die Arena erinnerte beinahe an ein Wiener Derby. Selbst die Security war in „Kampfmontur“ gekleidet. Jedoch verlief die Veranstaltung völlig reibungslos und entspannt ab. Ach, wie habe ich die Drone der Polizei über unseren Köpfen „vermisst“. In Österreich ist ja das überfliegen von Menschenmengen mit einer Drone für den Normalbürger ja verboten. Was wäre eigentlich, wenn so ein Teil mal in die Menge abstürzt? Die Drone, die in Saalfelden zum Einsatz kam, war für heutige Verhältnisse riesig und schwer (so eine, die damals Marcel Hirscher im Ski-Welt Cup beinahe erwischte). Die Zeiten, in denen es zu einem Auswärtsspiel näher war, als zu Heimspielen, scheinen nun wieder vorbei zu sein. Für mich allerdings nur bis Mai 2026. Da gehe ich nämlich zu Fuß zu einem Auswärtsspiel in die Silberstadtarena zu Schwaz. 

Noch mehr Erkenntnisse

Die Universität Freiburg hat erst unlängst eine Studie publiziert, der zufolge Personen, die dem Fußballsport intensiv folgen, ein höheres Maß an Lebenszufriedenheit aufweisen als jene, die sich diesem Sport nicht widmen. Fußballabstinenzler sozusagen. In der SaalfeldenArena waren die Schwarz-Grünen jedenfalls alle glücklich. Dank einer sehr starken ersten Halbzeit mit einem Doppelpack von Stefan Lorenz steuerten die Wackerianer einem zu jedem Zeitpunkt ungefährdeten Sieg am Steinernen Meer entgegen. Wackers Trainergespann war trotzdem nicht restlos zufrieden. In der zweiten Halbzeit wurde zu viel durch die Mitte probiert. Doch der dritte volle Punktgewinn in Folge brachte den FC Wacker Innsbruck bis auf ein Tor an die Tabellenspitze heran.

Damen wie Jekyll and Hyde

Vor den Herren mussten aber die Damen ran. Die Pinzgauerinnen waren auf Revanche für die kürzlich gegen die Damen des FC Wacker Innsbruck erlittene Pokalniederlage aus. Bei den Wackerianerinnen ging in den ersten 45 Minuten rein gar nichts. Das Beste in der ersten Halbzeit war noch der Spielstand von 0:0. Die Kabinenpredigt schien dann gefruchtet zu haben. Unterhalb des Steinernen Meeres erblickten die Zuschauer nunmehr ein vollkommen verändertes Spiel. Den Hausherrinnen schien mit Fortdauer des Spiels die Luft auszugehen. Die Schwarz-Grünen waren nun das bessere Team. Unmittelbar vor dem Ende dieser Begegnung ereignete sich eine bemerkenswerte Szene. Bei einem Lattenpendler zeigte der Schiedsrichterassistent ein Tor an. Der Schiedsrichter erkannte den Treffer allerdings nicht an und ließ weiterspielen. Am Ende hatten die Innsbruckerinnen den Torjubel mehrmals auf den Lippen. Doch irgendwie ging das 0:0 und die Punkteteilung dann doch in Ordnung.

Bereits am Samstag machte die Zweier des FC Wacker Innsbruck im Derby gegen den SV Nordkette kurzen Prozess. Die Nordkettler waren mit der 6:1-Niederlage noch gut bedient. Der Sieg für die Schwarz-Grünen hätte noch weit höher ausfallen können. 

Fotos: Rudolf Tilg

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Autor: Rudolf Tilg

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