Von der Pampa in die Pampa
Ein bisserl trostlos wirkts grad. Die kleinen Dorflifte packen ihre Matten ein und nehmen die Bügel vom Seil. Die letzten Schneereste in den schattigen Talecken bemühen sich verzweifelt, dem warmen Frühlingswind noch ein paar Tage zu trotzen. Die Eishackler lehnen ihre Stöcke in die Ecke und versorgen die stumpf gewordenen Kufen. Die Olympioniken wenden die verbliebene Kraft auf, sich nach ihren Medaillenfeiern noch auf den Saisonalltag zu konzentrieren. Die ersten Hotels machen die Läden dicht und suchen nach der Ruhe, die sie zwischen der verordneten guten Laune oben und den 100.000 Händen unten so dringend nötig haben. Das niemals schlafende Wintererlebnisland wird wieder zur Pampa. Also fast ein bisschen Heimatgefühle für die neuen beim FC Wacker Innsbruck.
Bunte Vögel
Mauro Marichal Gonzales von Racing Club de Montevideo, Anderson Agustin Rodriguez Arteaga via Grahoppers Club, aber auch von Racing Club de Montevideo. Kein Zufall, dass hier zwei junge Gauchos den Weg in die Alpen gefunden haben, das Red&Gold Football Joint Venture der Bayern und des LAFC hat sein Netzwerk in den Amerikas und Asien ausgebreitet, die Schwarz-Goldenen aus der Stadt der Engel zudem auch in Zürich. Aus der Pampa in die Pampa, und das mit dem sprachlichen Kontaktnachteil. Das bedeutet, der Sport muss für sie und aus ihnen sprechen, bis man auf kommunikativer Ebene gleichgezogen hat. Keine neue Erfahrung beim FC Wacker, der derzeit Ghanesen und Tschechen, Kosovaren und Deutsche, Senegalesen und Nigerianer zum gemeinsamen Erfolg zusammenführt. Und natürlich mittendrin die schwierigste Sprache von allen: Tirolerisch. Das zu verstehen hat schon manchen Zuagroastn zur Verzweiflung gebracht. Ein bunter Haufen, der sich für Schwarz-Grün aufopfert, ganz nach dem Geschmack von Uruguay. Lautet doch eine Interpretation des Landesnamens „Fluss der bunten Vögel“. Wann man diese in Sturm und Verteidigung zum ersten Mal ausfliegen sehen wird, wird sich zeigen. Den Wacker in Aktion erleben werden sie jedenfalls erstmals in dieser Frühjahrssaison in Seekirchen. Und es könnte kein unangenehmerer Gegner sein.
Schneckentempo
Seekirchen, die gesunde Watschn der Herbstsaion, der Wachmacher für allzu euphorisierte Ballesterer. Das Ego des selbsterkorenen Durchmarschierers und Beinahe-Rapid-Bezwingers wurde in den ersten 90 Minuten der Liga bereits gesundgestutzt, und das von einem anderen Aufsteiger, dem man nicht wirklich viel zugetraut hätte. Was heißt 90 Minuten. 4 Minuten dauerte es, da bauschte sich das Innsbrucker Tornetz, Brugger jubelte. Sein Teamkollege Volkert wollte ihn dabei nicht alleine lassen, visierte erst die Stange, dann das leere Tor an. 0:2, etwas konsterniertes Publikum am Tivoli. Schneckentempo Richtung Meistertitel statt Vorentscheidung im ersten Spiel. Als hätte man schon von den neuen Kollegen aus Uruguay gewusst, denn auf Guarani hieße Arugua-Y soviel wie Schneckenfluss. Dabei war diese Klatsche wohl das Beste, das hätte passieren können. Für beide Teams. Auch für Seekirchen wurde es eine Herbstsaison, wie man sie sich besser kaum hätte wünschen können. Tabellenführung am 2. Spieltag, am 3. Spieltag, auch noch am 7. Spieltag. Erster Verfolger des FC Wacker. Schon zuvor, in der Salzburger Liga, stellte man einen Start- als auch einen Torrekord auf, holte den Meistertitel. Jetzt, eine Klasse höher, musste man nur dreimal als Verlierer vom Platz. Und, noch besser: man ist im Rennen für zwei Pokale. Im Viertelfinale des Landescups wartet mit Wals-Grünau ein neuer Bekannter aus dem Ligaalltag. Und bleibt man eben dort, also in der Regionalliga, weiterhin so erfolgreich, darf man im kommenden Jahr auch im ÖFB-Cup antreten. Das größte Geschenk, das sich die Salzburger machen könnten.
Vamos a la pampa
Der Weg zum großen Ziel Aufstieg beginnt für Innsbruck, den Tabellenführer, in der Pampa. Nicht der großen, baumlosen Grassteppe Uruguays, sondern den so herausfordernden Kleinstadien zunächst Tirols, nun auch Vorarlbergs und Salzburgs. Die Pampa wurde zur neuen Heimat des FC Wacker, der sich auf seiner Tour durch die Täler und Dörfer ein neues Gesicht geschnitzt hat. Eines, das den Fußballalltag kennengelernt hat. Und es steht ihm recht gut. Seekirchen am Wallersee war dabei schon einmal ein Stolperstein – aber einmal sollte dann auch reichen.
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