Football is life!
Wenn Dani Rojas wie ein kleiner, übermütiger Retriever am Grün des AFC Richmond herumtollt, dann tönt nur eines über den Platz: „Football is life!“. Weit weg vom AFC Richmond, weit weg von „Ted Lasso“ und dem fiktiven Fußballerleben, im realen Leben der SVG Reichenau, weiß man, es gibt mehr. Viel mehr. Etwa Spieler in den eigenen Reihen, die auch außerhalb des Fußballs ihr Leben gefunden haben. Und es kann nichts Besseres geben.
Fußballerleben
Am grünen Rasen, da zählt es normaler Weise, Tore zu erzielen. Oder Flanken maßgenau zu setzen. Oder ein Tackling schön innerhalb des Erlaubten zu platzieren. Oder Bälle aus den Aluminiumecken zu fischen. Normalerweise. Doch dann gibt es Tage wie in der letzten Runde des Tiroler Fußballcups: Während die einen, die Schwarz-Grünen, vergeblich auf ein Spiel warteten und Buspläne von Mötz bis Hall studierten, wurde der Fußball in Imst zur absoluten Nebensache. Weil es mehr gibt als Fußball. Life nämlich. Und um das ging es plötzlich ab der 71. Minute der Cuppartie, die die Reichenau mit 2:1 anführte. Aber, wie gesagt, Fußball war absolute Nebensache. Denn für ein Mitglied des Vereins ging es um viel mehr. Die Einsatzkräfte am Platz, das Team des SC Imst, sie sorgten dafür, dass man nach dem Spielabbruch nun doch erleichtert zurückblicken kann. Und auch die Nummer drei der Rot-Weiß-Schwarzen, Simon Suprun. Seit 2022 bei der SVG Reichenau, seit 2020 auf der Med-Uni Innsbruck, seit 2018 beim Samariterbund. Und am vergangenen Wochenende am richtigen Platz zugegen. 517 Spiele, 35916 Einsatzminuten, 83 Tore vom Nachwuchs im Oberkärntner Rothenthurn über Villach, Landskron, Radenthein bis zur Reichenau, all das wurde zur Nebensache. Das letzte Tor vor genau zwei Jahren gegen Wolfurt? Wen juckts. Auch wenn sich vermeintlich das ganze Leben um Fußball dreht. Wenn man als 12jähriger den schulfreien Tag, den man sich durch den Vorzug im Gymnasium mühselig erlernt hat, dazu nützt, um seinen kleinen Bruder Gabriel beim Volksschul-Fußballcup-Sieg mit Feistritz/Drau zu bejubeln. Dass Gabriel für den GAK gegen und dann im Dress des SV Lafnitz auflief, ist sportlich aller Ehren wert. Aber das ist eben Football, nicht Life. Was Simon da vorweisen kann, schlägt jedes Spiel.
Fußballervergessen
Und doch geht es am Freitag wieder um den schnöden Fußball. Hoffentlich. Und da sind die letzten beiden Auftritte der Reichenauer „auswärts“ nichts, woran man sich gerne erinnern mag. Das Thema bleibt auch hier der Cup. 2024 war es das Viertelfinale des Tirol-Cups, Wacker ging als Underdog in das Spiel und forderte die höherklassigen Reichenauer am Tivoli mehr, als denen lieb war. Am erwartbaren Ergebnis änderte dies jedoch nichts, die SVG siegte vor über 3000 Besuchern mit 4:2. Und auch ein Jahr später war es ein Nachmittag, über den man eigentlich nicht zu oft nachdenken mag, so spannend es auch war. Der Lenzenanger in Tarrenz platzte zum 50-Jahr-Jubiläum des Bewerbs aus allen Nähten. Trotz Unterzahl ging Wacker in Führung, Lukas Tauber durfte sich feiern lassen. Um nur Sekunden später hinter sich greifen zu müssen. Und dann war es erneut ein Elfmeterschießen, das den Schwarz-Grünen die Nerven raubte. Florian Kopp drüber, Lukas Hupfauf rein. 5:6., Zum Vergessen. Da erinnert man sich doch lieber an die Partien vor und nach diesen Tiroler Cup-Auftritten. Erst im August wurde der Sportplatz Reichenau erobert, Okan Yilmaz machte seine Gelb-Rote im vorangegangenen Finale wieder wett und netzte in Halbzeit eins gleich zweimal ein, Luis Gstrein vollendete Sekunden vor dem Schlusspfiff zum 3:0. Und ein paar Jahre zuvor wurde in Runde eins des ÖFB-Pokals gar ein 8:0 zelebriert.
Fußballerzukunft
Das waren aber andere Zeiten, völlig andere Lebenswelten. Der Alltag heißt nun Regionalliga, das Ziel Rückkehr in die Zweite Division. Oder als Nicht-Gen-Xler: Liga Zwa. Dass man im Landescup mit der Strafverifizierung spielfrei eine Runde weitergekommen ist, ist dabei eine kleine Belohnung, aber nicht sonderlich von Bedeutung. Die SPG Silz/Mötz hätte ohnehin kein Stolperstein auf den anvisierten Weg ins Finale, das der FCW ja selbst im Tivoli ausrichtet, sein dürfen. Doch auch in der Liga will man ganz vorne sein und so schnell wie möglich den Titel fixieren. In selbiger trifft man auf eine Reichenau, die den Winter nicht unverändert durchlebt hat. Zu den Ex-Wackerianern Stoppacher, Singer, Hupfauf, Hubmann, Buchacher und Co gesellen sich nun die ehemaligen Wackerianer Stefan Pribanovic und Abulfazl Sadeqi, gemeinsam mit vier weiteren Spielern aus Deutschland, Sistrans und Marchtrenk, etwa Marko Batinic, der schon bei Pasching, dem LASK, den Juniors OÖ, Amstetten und Wels Erfahrung sammelte. So wankelmütig Reichenaus Herbst auch war, das Stadtderby wird eigene Regeln vorgeben. Football is life, und da wird jeder Tag neu geschrieben.
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