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Dornbirn calling

Hier wurde einst die erste Tüllfabrik der Monarchie errichtet, die erste mechanische Weberei des Landes aufgebaut. In Dornbirn standen der größte Websaal und die größte Seidenspinnerei Österreichs. Hier gab es auch den heftigsten und längstens Streik, den das Ländle je erlebt hat. Und Kaiser Franz Joseph hat hier das erste Außentelefonat der Doppelmonarchie geführt. Rhomberg, Ganahl, Otten, Zumtobel, Ölz – die Namen klangen und klingen noch immer in der Industrie- und Wirtschaftsgeschichte. Andere Namen lagen in Dornbirn in den vergangenen Monaten in der Luft, und auch die Telefone sind heißgelaufen – wer bei den nichtaufstiegsberechtigten Vorarlbergern einen ruhigen Winter erwartet hat, wurde enttäuscht.

Ring, ring…

Es hat sicher nicht ganz so oft geklingelt, als der Fabrikant Otto Hämmerle 1879 seine Haustelefonanlage installieren ließ. Zwei Jahre dauerte es, bis der Gemeindeausschuss des Marktes Dornbirn der Firma F(ranz) M(artin) Hämmerle die Errichtung einer Leitung zwischen Zentralbüro und Fabrikanlage genehmigte. Und dann, am 10. August 1881 – Dornbirn hatte sich herausgeputzt, kam doch der Monarch selbst auf Besuch – griff Franz Joseph, der Habsburger, persönlich zum Hörer, um die technische Errungenschaft einzuweihen, die Dornbirn-Oberdorf mit dem Gütle verband. Damals eine Sensation, heute fast schon ein Fluch. Ständig erreichbar, eine Hand immer am Mobilteil, Smombies überall. Und nunmehr die große Scheu, ein Telefonat anzunehmen. Beim FC Dornbirn wird es in der spielfreien Zeit aber nichts genützt haben als das Smartphone glühen zu lassen, gab es doch so einige Kaderveränderungen vorzunehmen. Ersatztorwart Serdar Salur zog es nach Zürich, den offensiven Eren Yüzüak in den Bregenzerwald zu Alberschwende. Nikola Pervan und Mario Desnica werden aussortiert, obwohl sie seit Sommer 2024 gesamt 73 Pflichtspiele für die Rothosen absolviert haben. Und nicht zuletzt wurden Nathanael Kikanda, Sasa Stojnic und der Ex-Innsbrucker Okan Aydin aus dem Kader gestrichen. Ein Kahlschlag? Nicht unbedingt, mehr eine Umsortierung, denn mit Andrin Netzer (Balzers), Miguel Mayr (Ludesch), Federico Crescenti (RB Salzburg), Laurin Bodenlenz (Lauterach) und Magid Suleiman (Lauterach) laufen in Zukunft gleich fünf neue auf der Birkenwiese auf.

Es klingelt…

Und die Veränderung scheint den Dornbirnern gar nicht schlecht getan zu haben. Drei der Neuzugänge gleich im ersten Frühjahrs-Pflichtspiel mit Einsatz, der Ersatztorhüter Bodenlenz auf der Bank. Man hat für den aktiven Spielbetrieb geholt. Im zweiten Match gleich vier von fünf am Rasen, der Keeper in Warteposition. Und man hat nicht nur für den aktiven Spielbetrieb gearbeitet, sondern auch für den Erfolg. Denn in den beiden Spielen hat es gleich 8fach im gegnerischen Tor geklingelt. Beim 4:2 daheim gegen Wals-Grünau waren Herbaly, Koc, Mandl und Makovec erfolgreich, beim darauffolgenden Auftritt in Kitzbühel Herbaly (2), Koc und Wießmeier. Und die Defensive um den letztgenannten Routinier, der seine Erfahrung bei der Lustenauer Austria, Ried, und BFC Dynamo sammelte, blieb in diesem Spiel sogar ohne Gegentreffer. Das ist den Rot-Weißen in bereits 11 Pflichtspielen in dieser Saison gelungen, unter anderem, als man die roten Teufel des GAK in der ersten Runde des Cup eliminierte. Mit nur 20 Gegentreffern in der Liga stellt man die zweitbeste Defensive – aber eine Wunde bleibt: ein glattes Fünftel der Tore geht auf die Kappe des FC Wacker Innsbruck, der im Hinspiel den Vorarlbergern keine Chance ließ.

Dornbirn ist jedenfalls einen Besuch wert. Der Flecken an der Ach hat sich in der Geschichte den Ruf als „Manchester des Rheintals“ erarbeitet – zumindest industriell. Und da gibt es 15 spannende Geschichten über Aufstieg und Niedergang, Kontinuitäten und Brüche zu entdecken im Stadtspaziergang „Industrie und Wandel“. Ob man fußballerisch eher City oder United (des letzten Jahres) ist, wird sich am Mittwoch Abend zeigen – bislang ist Dornbirn, das sich still und leise auf den zweiten Rang geschoben hat, daheim die erfolgreichste Mannschaft der Liga, nur dem FC Lustenau gelang ein Punktegewinn auf der Birkenwiese. 

Bild: KI generiert

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Autor: Stefan Weis

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