Gut Ding braucht Weile
Den Weg zum Innsbrucker Tivoli kann man dieser Tage ohne Bedenken geruhsam angehen. Es ist gängige Auffassung, dass das Leben diejenigen bestraft, die zu spät kommen. Das gilt aber nicht für die Schwarz-Grünen im Jahr 2026. Halbzeitstand 0:0 in Seekirchen und im Innsbrucker Derby gegen die SVG Reichenau. Und am Mittwoch in Dornbirn? Da hat gar einer von den „Rothosen“ getroffen. Nur halt ins falsche Tor. Auch nach Ablauf der ersten 45 Spielminuten im Heimspiel gegen den FC Pinzgau Saalfelden wurde kein Tor erzielt. Ein überaus ungewöhnliches Gegentor kehrte das Spielgeschehen dann fast vollständig zugunsten der Gastmannschaft um…
Dornbirn – immer eine Reise wert
Diesmal aber leider nicht für mich. Notgedrungen musste ich mit dem „Ländle TV“ vorliebnehmen. Aber an die „Dornbirner Birkenwiese“ habe ich nur gute Erinnerungen. Wenngleich bereits vor den 1970er Jahren kleinere Westderbys auf der Birkenwiese stattfanden, jagte zu dieser Zeit der kleine Rudl am Zintberg über Schwaz auf dem „Wiesl“ selbst dem runden Leder hinterher. In meinem einzig wahren „Waldstadion“. Danach dauerte es bis 2010, ehe der FC Wacker Innsbruck wieder auf der Birkenwiese in Dornbirn zu Gast war. 3:0 siegten die Schwarz-Grünen damals durch zwei Tore von Marcel Schreter und einem Treffer von Lukas Hinterseer.
Ein weiteres Jahrzehnt verstrich, ehe die Wackerianer wieder in Dornbirn spielten. Am 01.03.2020 ging der FCW durch ein Eigentor der Vorarlberger früh in Führung. Sunday Faleye, Stefan Meusburger und Alex Gründler legten nach und fixierten den 4:0-Auswärtssieg. Im selben Jahr, allerdings im Oktober, also schon wieder in der nächsten Saison, sorgte Atsushi Zaizen bereits in der 6. Minute für das Siegestor des FC Wacker Innsbruck. Eine weitere Saison später setzte es die einzige Niederlage für den Tiroler Traditionsverein im Duell mit Dornbirn. Am 20.11.2021 musste man sich auf der Birkenwiese 0:1 geschlagen geben. Bei jedem dieser Auftritte des FC Wacker Innsbruck waren viele Auswärtsfans dabei. Kein Wunder, ist die Anreise doch nicht allzu weit und auch im „Ländle“ gibt es viele Wacker-Freunde.

So war es keine große Überraschung, dass sich auch am vergangenen Mittwoch viele Wackerianer auf der Birkenwiese einfanden. Wenngleich eine äußerst ungünstige Wetterprognose vorlag. Die Anhänger des FC Wacker Innsbruck lassen sich durch so etwas aber keinesfalls entmutigen. Ein Auswärtssektor ohne Überdachung, eine zeitlich wahrlich ungünstige Ansetzung für Auswärtsfahrer? Ist doch egal. Die Fans brauchten die Strapazen jedenfalls nicht zu bereuen. Erneut erzeugten die Schwarz-Grünen fern der Heimat Gänsehaut-Atmosphäre. Die Begegnung zwischen dem Tabellenzweiten und dem Tabellenführer gestaltete sich von Beginn an als eine ausgesprochen einseitige Partie. Nur stellenweise vermochten die Vorarlberger dagegenzuhalten. Angetrieben durch die Anfeuerungen mehrerer hundert Anhänger, agierten die Gastgeber chancenlos und Wacker meisterlich. Nach einer fulminanten zweiten Spielhälfte waren die Rothosen mit dem 0:3 noch gut davongekommen.
Wintereinbruch kann FCW nicht stoppen
Innsbruck präsentierte sich am Samstag im Winterkleid. Von der Nordkette bis zum Patscherkofel eine herrliche Winterlandschaft. Nur im Tivoli fand sich ein schönes grünes Rasenviereck. Und das kostete tags zuvor viel Schweiß und so manche Schwielen an den Händen. Alle halfen zusammen, damit dieses Spiel überhaupt stattfinden konnte. Kurzfristig organisierte Freiwillige, Spieler und Spielerinnen und selbst so mancher Funktionär boten den Schneemassen mit der Schaufel die Stirn. Die Rasenheizung verhinderte schließlich eine Vereisung über Nacht.

Wie schon in den bisherigen Partien des Frühjahrs – außer in Dornbirn – war die Torausbeute in der ersten Halbzeit recht überschaubar. Zwar hatte der FCW in der Anfangsphase Chancen im Minutentakt, doch der Ball ging einfach nicht rein. Einzig Mouhamed Sy traf – jedoch aus Abseitsposition. So stand es zur Halbzeit der Partie noch 0:0. War der Rasen im Tivoli eine „schräge“ Angelegenheit? Da sich das Spielgeschehen ausschließlich in Richtung des Gästetores verlagerte. Die Spielweise der Gäste erinnerte sehr stark an einen gewissen Trainer Otto Rehagel. Die Kunst, einen Sieg zu erringen, ohne auf das gegnerische Tor zu schießen, hatte der Deutsche seinerzeit perfektioniert. Griechenland wurde so unter ihm einst Europameister.
Obschon Wacker einen gefühlten Ballbesitz von 90 % aufwies, scheiterte man auch in der 2. Hälfte wiederholt an dem dichten Abwehrnetz der Pinzgauer. Und so kam es, wie es öfter kommt. Die Tore, die man nicht schießt… Eh schon wissen. Zehentmayr erzielte sein Tor des Lebens. Ein „schräges“ Tor von knapp hinter der Mittellinie. Wackers Schlussmann Lukas Tauber stand weit vor seinem Tor und rutschte dann auch noch beim zurücklaufen aus. Tja, so kann es im Fußball manchmal gehen. Aber essenziell war die Reaktion der Hausherren und ihres Publikums während der hektischen Schlussphase.
Es ist schon recht selten, dass die Geräuschkulisse in einem Stadion nach einem Rückstand eine höhere Intensität erreicht als zuvor. In der Nachspielzeit gelang es dem FC Wacker Innsbruck, in diesem ereignisreichen Endspurt den hochverdienten Ausgleichstreffer zu erzielen. Gut Ding braucht eben Weile. Für den jungen Christopher Weinzierl im Dress des FC Wacker Innsbruck war es ebenfalls ein ganz besonderer Treffer. Den Gästen gelang es, mit Härte und erzwungener Hektik den für sie überaus glücklichen Punkt zu retten. Solche Spiele gibt es immer wieder und sorgen dafür, dass die (schwarz-grünen) Bäume nicht zu schnell in den Himmel wachsen. Dass dieser Punkt der Leidenschaft ein gewonnener Punkt wurde, dafür haben dann die Ausrutscher der Konkurrenz aus Vorarlberg und Salzburg in den anderen Spielen gesorgt.
Weiter geht es am 3. April am Sportplatz Grünau. Und da lohnt sich eine frühere Anreise! Denn als Vorspiel haben sich die Salzburger etwas ganz Besonderes ausgedacht. Um 15.30 Uhr spielen nämlich die U11-Mannschaften von Wals-Grünau und Wacker Innsbruck gegeneinander. Wer sich Tickets im Vorverkauf sichern will, kann diese im Café Regent (Amraser Straße 82) in Innsbruck erwerben.