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Eingefädelt

Am Karfreitag wurden im Salzburger Grünau noch Salzburger-Nockerln verspeist und am Ostermontag folgte für den FC Wacker Innsbruck anstatt einer Auferstehung der Scheintod. Gegen die Kicker der prominenten Wintersportmetropole hatten die Kicker der Olympiastadt zwar die bessere Startzeit, aber der Steilhang wurde zur Mausefalle und wer auch noch zu oft klassisch einfädelt, kommt nicht siegreich über die Ziellinie. 

Fußballerische Fastenzeit

Hurra, die Gams. Es ist wahrscheinlich eher unwahrscheinlich, dass der 6. April in Zukunft ein Kitzbüheler Feiertag werden wird. Bislang erfolgte keine Stellungnahme von Klaus Winkler, dem Bürgermeister von Kitzbühel und ehemaligen Vorstandsmitglied des FC Wacker Innsbruck, zu dieser Angelegenheit. Marco Arnautovic spielt auch nicht für den FC Kitzbühel. Doch auch ohne seine Mitwirkung demonstrierten Michael Baurs Schützlinge am Ostermontag im Tivoli Ballkontrolle und insbesondere Dominanz gegenüber dem heimischen FC Wacker Innsbruck. Die Unterländer siegten am Innsbrucker Tivoli vollkommen verdient mit 2:1. Dies stellt hoffentlich einen Weckruf für die Schwarz-Grünen dar. In der Vorbereitung im Sommer hätte man die Gamstädter beinahe zweistellig nach Hause geschickt. Während im Herbst die Kontrahenten der Regionalliga West beherrscht wurden, gelang dies im Frühjahr vornehmlich nur noch in der zweiten Halbzeit. Das kann nicht immer gut gehen. Nichtsdestotrotz führt der FC Wacker Innsbruck die Tabelle weiterhin mit einem deutlichen Vorsprung von 12 Punkten gegenüber dem SV Seekirchen souverän an. Das Gefühl einer Niederlage ist für das wackere Publikum eine Seltenheit geworden. Aber es ging sehr gut damit um. Ihr Team wurde bis in die nervenaufreibende Schlussphase mit frenetischen Anfeuerungen nach vorn getrieben.

Foto: Daniel Schönherr

Die zwei Fronten

Salzburg und Innsbruck scheinen keine Affinität zueinander aufzuweisen. Es scheint aber nur so. Selbst mit dem violett geprägten Salzburger Stadtteil bestand einst ein gänzlicher Gegensatz zu der seit den frühen 1990er-Jahren bestehenden Rivalität. Der Tiroler Traditionsverein trug in Salzburg-Lehen nicht nur zwei legendäre (Heim-) Begegnungen im Europapokal der Landesmeister (Vorgänger der heutigen Champions League), sondern auch ein Meisterschaftsheimspiel gegen den Wiener Sportclub aus. Dies resultierte aus einer von der Bundesliga verhängten Sperre des Tivolis in Innsbruck. Am 3. September 1988 ereignete sich in Salzburg-Lehen vor 13.000 Zuschauern folgender Vorfall: Die Salzburger Austria absolvierte im Rahmen der 2. Division (2. Liga) zunächst deren Begegnung gegen den VFB Mödling und wurde hierbei von der zahlreich angereisten Innsbrucker Anhängerschaft lautstark unterstützt. Die Violetten gewannen ihr Heimspiel mit 3:0. Lediglich zwei Stunden später war den Schützlingen Ernst Happels in ihrem „Heimspiel“ gegen den Wiener Sportclub ein geringeres Maß an Erfolg beschieden. Obwohl wir seinerzeit auf die nennenswerte Unterstützung zweier Fanlager zählen konnten, mussten wir die Heimreise mit einer 1:3-Niederlage im Rückgepäck antreten. Jedoch erst am darauffolgenden Tag. Salzburg war einfach zu fein. 

Dies dürfte wohl das vorläufig letzte Mal gewesen sein, dass dies der Fall war. Am Karfreitag waren bei der Begegnung in Wals-Grünau achtzig Polizeibeamte im Einsatz, die zusätzlich durch eine umfassende Drohnen- und Videoüberwachung ergänzt wurden. Denn zeitgleich trug sich in einer Distanz von weniger als vier Kilometern das Zweitligaspiel des Innsbrucker „Erzrivalen“, der Salzburger Austria zu. Wie zahlreich das Heer der Polizeibeamten im „Max Aichner Stadion“, in Maxlan auf die 1600 Fans von Austria Salzbug achtgaben, entzieht sich meiner Kenntnis. 



Gleichwohl beschlich mich in Grünau ein leichtes Déjà-vu-Erlebnis, das an die „Westfront“ in ihrer ursprünglichen Form erinnerte. Da war erstens einmal eine sehr freundliche Kontaktaufnahme seitens des sportlichen Leiters des SV Wals-Grünau. Im Stadion wurde zunächst ein Vorspiel zwischen den U11-Mannschaften des SV Wals-Grünau und des FC Wacker Innsbruck ausgetragen. Welch eine Partie voller zauberhafter Tore. Obwohl die Schwarz-Grünen bereits als sicherer Sieger ausgesehen haben, resultierte die Idee des ehemaligen Wacker-Spielers Andi Bammer in einem Unentschieden von 3:3. Es hätten alle gerne gewonnen, aber ich erachte das für das perfekte Ergebnis von Fußballfreude pur. Zudem waren Hüpfburgen für spielfreudige Kinder, sowie eine Schießbude, aufgebaut. In Salzburg gab es kein böses Wort über unseren Verein. Freundliche junge Frauen errichteten ein reichhaltiges Kuchenbuffet. Die freiwilligen Spenden kamen ihrer U11 zugute. 

Ein Fanview mal andersherum

Mit dem sportlichen Duell in Grünau werde ich mich kurz halten. Bezüglich der ersten Spielhälfte gibt es erwartungsgemäß wenig Erwähnenswertes festzustellen. Das torlose Unentschieden nach einer Spielzeit von 45 Minuten ist aus unserer Perspektive als durchaus glücklich zu werten. Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich ein gänzlich anderes Bild. Ein Kunstwerk von einem Freistoßtor das der eingewechselte Lucas Scholl schuf, diente als Dosenöffner und Florian Kopp machte den Deckel zu.



Seit nunmehr achtzehn Jahren berichte ich von nahezu jedem Auswärtsspiel aus meiner Perspektive beziehungsweise aus der Sicht unserer Anhänger. Ich werde es dieses Mal anders machen. Das nachfolgende Schreiben hat mich und auch den FCW erreicht. Aus der Perspektive des gastgebenden Vereins betrachtet. 

„Ich möchte euch wirklich von ganzem Herzen noch einmal Danke sagen für diesen besonderen Abend bei uns in Grünau.

Dass der FC Wacker Innsbruck bei uns zu Gast war, war für unseren Verein, für unsere Gemeinde und für viele Menschen hier etwas ganz Besonderes. Solche Tage erlebt man nicht oft – und genau deshalb wird uns dieser Abend noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Stimmung war einfach überragend, das Spiel großartig, und alles gemeinsam war ein echtes Fußballfest, wie man es sich schöner kaum vorstellen kann. Man hat gespürt, wie viel Begeisterung, Leidenschaft und Emotion im Fußball steckt – genau deshalb lieben wir diesen Sport.

Besonders beeindruckend war auch, wie respektvoll und stimmungsvoll alles abgelaufen ist. Bitte gebt unseren ehrlichen Dank auch an eure Fans und Fanklubs weiter. Was sie an Stimmung mitgebracht haben, war wirklich außergewöhnlich und hat diesen Abend noch einmal auf ein besonderes Niveau gehoben.

Für uns als SV Grünau war das nicht einfach nur ein Spiel – es war ein echtes Highlight, auf das wir mit Freude und auch ein bisschen Stolz zurück blicken.
Ich hoffe sehr, dass ihr euch bei uns wohlgefühlt habt und diesen Abend ebenfalls positiv in Erinnerung behaltet.

Für euren weiteren Weg wünsche ich euch von Herzen alles Gute. Ich bin überzeugt, dass ihr euren Weg erfolgreich weitergeht, und ich freue mich schon jetzt auf den Moment, euch bald zum Meistertitel gratulieren zu dürfen. Und wer weiß – vielleicht sehen wir uns dann schon bald bei einem Spiel in der 2. Bundesliga wieder.

Noch einmal ein aufrichtiges Dankeschön und liebe Grüße
Helmut Rottensteiner
Sportliche Leiter
SV Wals Grünau“

Aus meiner Sicht kann man dieses Dankeschön nur zurückgeben! Wals-Grünau war ein sensationeller Gastgeber, der sich überaus herzlich, freundlich und ohne Vorurteile der Herausforderung so ein großen Spiel zu organisieren gestellt hat. Und dabei vollkommen überzeugen konnte! Ein kleines Beispiel noch. Die Busse der Fanclubs trafen mit zehnminütiger Verspätung in Grünau ein. Man wartete extra mit dem Anpfiff, bis die Buss da waren.

Bedauerlicherweise kam es erneut zu Verspätungen im Bahnverkehr von bis zu einer Stunde. Während der ersten Minuten der Begegnung zwischen dem SV Wals-Grünau und unserem FC Wacker Innsbruck erfolgte demzufolge keinerlei Support von den Zuschauerrängen. Im Anschluss daran war man aber umso enthusiastischer. Nach alledem steht es nunmehr allen Beteiligten frei, eine eigene Bewertung hinsichtlich der bevorzugten Stadionatmosphäre vorzunehmen. 

Fotos aus dem Tivoli: Daniel Schönherr
Fotos aus Wals-Grünau: Rudolf Tilg

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Autor: Rudolf Tilg

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