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Gedenken an eine Legende

Am Freitagabend gastierte der FC Lauterach im Innsbrucker Tivolistadion. Während die neunte Runde der laufenden Meisterschaft im „Bruno Pezzey“-Stadion in Lauterach noch einen offenen Schlagabtausch mit einem glücklicheren Ausgang für die Innsbrucker (3:2-Sieg) darstellte, handelte es sich bei der Begegnung am Flutlichtfreitag um eine eindeutige Angelegenheit. 

Nach der Meisterschaft folgt Cup

Die ersten 45 Minuten am Freitag degradierten die Gäste aus Lauterach zu Statisten. Obwohl die Vorarlberger ihre gesamte Kampfbereitschaft gegen die gänzlich in Weiß gekleideten Schwarz-Grünen eingesetzt haben. Diese intensive Partie stand zur Halbzeit 3:0 für die Heimischen. So blieb es dann bis zum Ende des Spiels. Jedoch nicht aufgrund mangelnden Einsatzes der wackeren Ballesterer. Vielmehr entwickelte sich ein „Wettkampf“ im Zielen, bei dem es offenbar darum ging, wer das Tor am geringfügigsten verfehlte. Zudem hat auch das Aluminium die Vorarlberger gerettet. Und des Öfteren der Assistent an der Seitenlinie…

Das ging schnell. Innerhalb kürzester Zeit waren sämtliche 500 Eintrittskarten für den Gästebereich des Cup-Spiels gegen die SPG Innsbruck West ausverkauft. Nicht viel länger dauerte der Vorverkauf in Hötting West. Das Innsbrucker Stadtderby im TFV-Cup ist demzufolge vollständig ausverkauft, sämtliche Tickets sind weg. Wer kein Ticket ergattert hat, kann das Spiel aber trotzdem sehen, denn Dank der wackeren Stadiontechnik wird es am Dienstag einen Livestream auf YouTube geben!

In Memoriam Bruno Pezzey

Als Bruno Pezzey von Lauterach zum FC Wacker, war das in meinem eigenen ersten Jahr in Schwarz-Grün. Bruno war mein Idol und mein Vorbild. Beim Hinspiel im Bruno-Pezzey-Stadion im Herbst 2025, seinem angestammten Stadion, war meine Teilnahme aufgrund einer Erkrankung bedauerlicherweise nicht möglich. Das hat weh getan. Darum erlaube ich mir mein Idol mit einem „Portrait“ zu ehren. Bruno-UNVERGESSEN.

Bruno Pezzey wurde am 3. Februar 1955 in Lauterach geboren. Dort nahm die Laufbahn des Abwehrspielers ihren Anfang, als er für den FC Lauterach aktiv war. Im Alter von 18 Jahren verpflichtete der FC Vorarlberg 1973 Pezzey für die Bundesliga. Bereits in seiner Debütsaison absolvierte der Verteidiger 28 Einsätze und erzielte dabei drei Tore. Dies erregte selbstverständlich auch das Interesse weiterer Vereine.

Auch der damalige Meister, Swarovski Wacker Innsbruck, hatte seine Aufmerksamkeit auf den genannten Verteidiger gerichtet. Für die Saison 1974/75 konnte Bruno Pezzey erfolgreich als Neuverpflichtung vorgestellt werden. Bereits in seiner ersten Saison in Schwarz-Grün feierte der Vorarlberger drei Titel (österreichischer Meister, ÖFB-Cupsieger, Mitropacupsieger). 

Es folgte die Vizemeisterschaft, ehe 1977 der Meisterteller zurück an den Inn geholt werden konnte. In der darauffolgenden Saison machte Wacker Innsbruck vor allem international von sich reden. Erst im Viertelfinale schied man aus dem Europacup der Meister unglücklich gegen Borussia Mönchengladbach aus. Gladbach stieg dank der Auswärtstorregel auf. Nach Siegen gegen Basel und Celtic Glasgow – das legendäre 3:0 in Salzburg 3:0 bleibt unvergessen – waren die Schwarz-Grünen in die Runde der letzten Acht gekommen.

Bruno Pezzey war zudem fixer Bestandteil der Nationalmannschaft, die den Sprung zur WM nach Argentinien 1978 schaffte. Das Team erreichte in Argentinien den siebten Endrang, der Defensivspieler war auch beim legendären 3:2-Sieg gegen Deutschland mit von der Partie.

Im Vereinsfußball folgte der Verteidiger 1978 dem Ruf des Adlers und unterschrieb bei Eintracht Frankfurt. Auch in Deutschland spielte Pezzey sehr erfolgreich. Mit Frankfurt gelang ihm der UEFA-Cup-Sieg 1980. Schied er mit Wacker Innsbruck gegen Gladbach noch wegen der Auswärtstorregel aus, kehrte das Glück dieses Mal zurück. Denn Frankfurt holte den Pokal gegen Mönchengladbach aufgrund eben dieser Regel. 

Bruno Pezzey wurde am 25. Juni 1979 die große Ehre zuteil, für die Weltauswahl der FIFA aufzulaufen. Des Weiteren war er am 7. August 1982 als Spieler der Europaauswahl beim 3:2-Erfolg über die Weltauswahl mit einem Torerfolg beteiligt. Überdies wurde Bruno von 1979 bis 1982 viermal in Folge für die Wahl zum besten europäischen Fußballspieler nominiert. 

1981 fixierte der Verteidiger auch den ersten Titel auf nationaler deutscher Ebene. Der Pokalsieg wurde bejubelt. Bei Frankfurt hatte der Verteidiger 141 Einsätze absolviert, bei denen ihm 27 Tore gelangen und er auch als Kapitän fungieren durfte. Pezzey unterschrieb 1983 bei Werder Bremen. In Bremen blieb es dem Vorarlberger indes verwehrt, Titelgewinne zu feiern. Obgleich er zweimal nur äußerst knapp den Meistertitel verfehlte. Bremen musste sich 1985 und 1986 mit dem Vizemeistertitel begnügen, 1986 lag es nur an der schlechteren Tordifferenz. Im Trikot von Werder Bremen bestritt er 114 Spiele, wobei der ehemalige Innsbrucker als Verteidiger 18 Treffer für die Bremer erzielte. 

Zu Beginn der Saison 1987/88 kehrte der Defensivspieler zu alter Wirkungsstätte zurück. Von der Weser ging es retour an den Inn zum Tiroler Bundesligisten. 1988/89 war Pezzey Teil der Mannschaft, die das Double gewinnen konnte. In der Folgesaison gelang es den Meistertitel zu verteidigen. Am Ende der Saison 89/90 beendete Bruno Pezzey seine erfolgreiche Karriere. Für Innsbruck hatte der Verteidiger insgesamt 215 Einsätze in der Meisterschaft absolviert, dabei 25 Tore geschossen. Im Cup hatte er das Dress 35 Mal übergestreift und sechsmal die Fans jubeln lassen. Auf internationaler Bühne kamen noch 30 Spiele und fünf Tore hinzu.

Auch nach der aktiven Karriere blieb der Vorarlberger dem Fußball verbunden. Der ÖFB berief ihn zum Nachwuchsleiter. Am Silvestertag 1994 erlitt der Verteidiger bei einem Eishockeymatch einen plötzlichen Herztod. Zum Andenken an Bruno Pezzey, einen Ausnahmeverteidiger für österreichische Verhältnisse, wird jedes Jahr ein Benefizturnier ausgetragen, bei dem zahlreiche ehemalige Fußballgrößen aus Österreich und Deutschland teilnehmen. Seit 1997 werden im Rahmen der „Bruno-Gala“ die besten FußballerInnen und Mannschaften des Jahres in Österreich mit einer Statue geehrt, die Bruno Pezzey nachempfunden ist.

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Autor: Rudolf Tilg

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