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Höttinger Sage

In der Gegend um Hötting treiben zahlreiche Sagenfiguren ihr Unwesen. Einer „Höttinger Sage“ zufolge ist es dem Landesligisten SPG Innsbruck West in Hötting West tatsächlich gelungen, den Regionalligisten SVG Reichenau aus dem TFV-Cup zu eliminieren. Gegen unseren FC Wacker Innsbruck hatte die SPG jedoch weniger Glück. Durch einen deutlichen 4:0-Erfolg auf dem Sportplatz Hötting West qualifizierten sich die Schwarz-Grünen auf überzeugende Weise für das Halbfinale des TFV-Cups. 

Das Kasermandl

Für einen Unterlandler, wie mich, ist die Sagenwelt um Hötting etwas verwirrend. Da gibt es etwa das berüchtigte „Kasermandl“, das seinerzeit als Senner auf der Umbrüggler Alm beschäftigt war. Das Mandl soll so verschwenderisch gewesen sein, dass er aus dem Butter Kegel formte und diese gar zum Kegeln verwendete. Die Strafe für solch Prasserei folgte nach dem Tod. Dem Kasermandl oblag es nämlich, für sein Vergehen Abbitte zu leisten und seither im Winter die Almen unsicher zu machen. Gerüchten zufolge soll dieses Männlein gelegentlich von der Alm herabgestiegen sein. Vielleicht war das ja auch im Spiel gegen die Reichenau so, als Innsbruck West früh in Führung ging und spät den Ausgleich erzielte (2:2). Beim Elfmeterschießen hat das Kasermandl dann wohl den Spielern der SVG Reichenau einen Hexenschuss versetzt. Eine derartige Lumbalgie, verursacht durch eine Sagengestalt, bringt man nicht mehr weg. Da kannst tun, was du willst. Was würde da wohl den FC Wacker Innsbruck in Hötting erwarten?

Früh übt sich

Was für den FC Wacker Innsbruck die „Tivoli Nord“ ist, sind für die SPG Innsbruck West die „Nordhügler“. Richtig gelesen! Auf dem „Nordhügel“ befinden sich etwa 25 junge Burschen und Mädchen, ausgestattet mit Trommeln, Megaphonen und Fahnen. Die dürften in der U8, U9 und U10 der SPG spielen. Können dem Vernehmen nach aber schon mit Bengalen und Rauch umgehen. Der TFV kennt mit Strafen keine Altersbeschränkung und keine Gnade. Aber auch sonst müssen die „Jung-Ultras“ wohl noch ein bisschen lernen. Denn die adäquate Antwort auf das „WIR WOLLEN DIESES SPIEL HEUT´ GEWINNEN!“ der Tivoli Nord ist ganz sicher nicht „WIR WOLLEN DIESES SPIEL HEUT´ VERLIEREN!“. Auch wenn dieses Ansinnen schließlich vollständig eintrat.



Der Anpfiff des Spiels verzögerte sich um zehn Minuten. Unsere Fans kamen zu Fuß nach Hötting West. Die übermäßige rhythmische Bewegung in der Straßenbahn der Tivoli Nord war dem Fahrer wohl nicht geheuer. Demzufolge entstiegen unsere Anhänger der Bahn und begaben sich auf einen ausgedehnten Fußmarsch. Die Straßenbahn hinterher. 999 Zuschauer hatten das Spiel in der Sportanlage Hötting West live verfolgt. Aber es gab nicht wenige, die von außerhalb des Zauns das Innsbrucker Stadtderby im TFV-Cup live mitverfolgten. Einige der zahlreichen Wohnanlagen in der Nähe des Sportplatzes verfügten über einen echten Logenplatz. Vereinzelt waren dort auch Fahnen des FC Wacker zu erblicken. Auf dem Territorium des Kasermandls in Hötting. 

Es wäre vermutlich möglich gewesen, ein Vielfaches an Eintrittskarten zu veräußern. Zum einen musste ein Teil der Westtribüne im nördlichen Bereich aufgrund behördlicher Anordnung unbesetzt bleiben, zum anderen erwies sich der Zeitraum zwischen der Auslosung und dem Viertelfinale des Pokals als zu kurz, um mögliche Alternativen umzusetzen (bspw. Aufstellung einer Zusatztribüne). Eine zu lange Winterpause und anschließend ein derartiges Programm. Es ist der SPG West jedoch gelungen, binnen einer Woche ein kleines Fußballfest zu organisieren, das die gewohnten Dimensionen völlig sprengte. Und das tat man den Umständen entsprechend sehr gut!

Überzeugende Leistung

Es überraschte kaum, dass sich der beengte Fußballplatz in Hötting West als schwer bespielbar erwies. Aus der Perspektive des FC Wacker Innsbruck betrachtet, war indes einzig die Torausbeute unzureichend. Es gab mal wieder mehr als genug Chancen. Alleine vor dem Führungstreffer ließ man sage und schreibe acht Versuche ungenutzt. Jener Treffer erfolgte kurz vor dem Pausenpfiff und war in dieser Form längst überfällig. Ungeachtet dessen, setzten sich die Hausherren nachdrücklich zur Wehr und zeigten eine durchaus ansprechende Leistung. Nach der Halbzeitpause wäre die Situation beinahe jener der Begegnung mit der SVG Reichenau gleichgekommen. Der mutmaßliche Ausgleichstreffer der SPG resultierte jedoch aus einer klaren Abseitsstellung.

In der Folge überschlugen sich die Ereignisse. Schlussendlich dürfte der 4:0-Sieg des FC Wacker Innsbruck auch leistungsgerecht gewesen sein. Wenngleich auch in diesem Spiel Unmengen an Chancen vergeben wurden. Die Spieler der SPG Innsbruck West hatten gemischte Gefühle. In einem Cupspiel ist der Wunsch nach dem Sieg allgegenwärtig, und selbst ein deutlicher Außenseiter hegt die Hoffnung auf einen günstigen Spielverlauf und eine Sensation. Die unterlegene Mannschaft nahm es mit eben gemischten Gefühlen. So hatte man zwar keine wirkliche Chance auf die erhoffte Sensation, doch die außergewöhnliche Erfahrung gegen den FC Wacker Innsbruck und dessen lautstarke Anhängerschaft gespielt zu haben.

Gestatten Sie mir, an dieser Stelle den Gastgeber zu würdigen und mir eine Pfanne zur Zubereitung eines Muses zu beschaffen. Denn nur so kann man dem Fluch des Kasermandls den Garaus machen. Die streng gehüteten Zutaten verschweige ich der tivoli12 Leserschaft. Es wäre in der Tat bedauerlich, sollte ich dafür als Strafmaßnahme während der Wintermonate als eine Art neuzeitliches Kasermandl mein Unwesen auf der Umbrüggler Alm – und dessen Umgebung – treiben müssen. Man muss doch nicht alles verraten.

 

Fotos: Rudolf Tilg

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Autor: Rudolf Tilg

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