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Rot und Weiß (und Rot)

Es war ein mutiger Schritt und ein weiter, den Trainer Jens Scheuer machte. Raus aus dem gewohnten Umfeld, rein in ein neues Abenteuer. In einen Ort, der sich noch nicht sehr lange Stadt nennen darf, dessen wirtschaftlicher Aufschwung und Bedeutung nicht immer gegeben war. Und etwas abseits des gewohnten, großen Fußballumfelds – kam er doch vom FC Bayern München, mit dem er die Meisterschale hochrecken durfte.

Bei Österreicherinnen zu Gast

Und dann verließ er diesen Pfad, um sich auswärts neu zu verwirklichen. In Brigthon & Hove Albion. Beim größten und bekanntesten Seebad der britischen Inseln. In einem Ort, der sich seit 2000 City nennen darf, der erst durch den Tourismus zu wirtschaftlicher Bedeutung gelangte, nachdem er lange Zeit im Dornröschenschlaf feststeckte. Achso, sorry, hier geht’s noch nicht um Imst, den nächsten Gegner des FC Wacker Innsbruck. Dorthin verschlägt es Scheuer erst später. Er, der Badener, hatte als Innenverteidiger bei Offenburg gekickt, sich als Junior bei Freiburg versucht, um dann zumeist beim Bahlinger SC in der Oberliga zu kicken. In Bötzingen und Bahlingen erprobte er sich als Trainer, um dann in den Frauenfußball zu wechseln. Und gleich mit Österreich Kontakt zu knüpfen. Verena Aschauer (jetzt Hanshaw), Lisa Makas, Sarah Puntigam, dazu deutsche Diamanten wie Giulia Gwinn oder Sandra Starke fanden sich in seiner ersten Mannschaft. 2018 schloss er, mit Virginia Kirchberger als nächster rot-weiß-roten Spielerin im Team, die Bundesliga auf Rang drei ab, ein Jahr später führte er Freiburg ins Pokalfinale. Und wechselte zum FC Bayern München, der in seiner Frauenabteilung erst drei Titel stehen hatte. Den vierten, den fügte Scheuer hinzu. Mit einer Truppe um Laura Benkarth im Tor, die den Weg wie auch Gwinn aus dem Badischen mitgegangen war, nachdem Manuela Zinsberger München Richtung England verlassen hatte. Österreicherinnen gab es dennoch genug zu finden, Carina Wenninger etwa, oder Sarah Zadrazil, oder Carina Schlüter. Zum Drüberstreuen gab es noch ein Halbfinale in der Champions League und ein Halbfinale im DFB-Pokal, bevor es Scheuer nach England zog.

Bei Österreichern zu Gast

Für einen sehr kurzen Auftritt. Brighton & Hove Albion hatte sich selbst 2015 einen Fünfjahresplan für die höchste Ligastufe und den Einzug in die Champions League gesetzt, um gleich zu Beginn am Durchmarsch nach oben zu scheitern. Ganz oben angekommen, war ein sechster Platz die beste Ausbeute der WSL-Jahre. Und so war Hope Powell nach fünf Jahren im Oktober 2022 als Trainerin Geschichte. Scheuer übernahm einen Schleudersitz. Nachdem Amy Merricks interimistisch das Training leitete, war auch für Jens Scheuer im März 2023 nach nicht einmal drei Monaten das englische Abenteuer vorüber. Vier TrainerInnen in den kommenden 14 Monaten sprechen Bände. Scheuer ließ sich Zeit mit seiner Entscheidung – und entschied sich nach Freiburg, München und Brighton für Imst. Den Drittligisten. Ja, ein Regionalligaverein, der zum Zeitpunkt seines Wechsels nach oben schielte und es beinahe auch geschafft hätte. Drei Punkte trennten am Ende die Oberländer vom Aufstieg in den Profifußball. Drei Punkte, die man im direkten Duell mit dem späteren Meister im Mai im violetten Salzburg liegen ließ, nachdem Flo Jamnig in der 87. Minute noch den Ausgleich erzielen konnte, Jovljevic in der 90. mit Rot vom Platz musste, Marinko Sorda in der 91. das Schicksal besiegelte. Für Imst, für Scheuer hieß es nochmals Regionalliga West.

Zu Gast am Tivoli

Ein letztes Mal. Nicht, weil man um den Aufstieg mitspielt. Das tat man tatsächlich bis zumindest dem 4. Oktober, dem Duell mit dem FC Wacker Innsbruck. Denn bis dorthin war die Cup-Niederlage gegen den Zweitdivisionär Wels im Elfmeterschießen die einzige Niederlage der Rot-Weißen. Und auch vom knappen 0:1 ließ man sich noch nicht aus der Ruhe bringen, erst der kühle November und Niederlagen gegen Schwaz und Kuchl bugsierten die Imster aus der Spitzengruppe. Dass man dorthin wieder zurück will, hat man in den vergangenen Runden eindrucksvoll bewiesen. Sechs Ligasiege in Folge, 26 Tore, drei Gegentreffer – auf die Schwarz-Grünen wartet der wohl schwierigste Gegner des bisherigen Frühjahrs.

Bild: KI generiert

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Autor: Stefan Weis

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