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Es ist nicht alles Gold…

…was glänzt. Es sei denn, man ist Midas. Sie wissen schon, der phrygische König, der für seine Bewirtung des Quell- und Waldgottes Silen von Dionysos mit einem Wunsch belohnt wird. Und sich wünscht, alles was er berühre, möge Gold werden. Na viel Glück dann mal beim Essen, lieber Midas. Dass Erfolg schnell zum Fluch werden kann, das zeigen viele dieser alten Geschichten. Und die Notwendigkeit von Bescheidenheit.

Katzengold

Denn Bescheidenheit ist meist das erste Opfer des Erfolgs. Gut, dass dem FC Wacker Innsbruck im Frühjahr nicht nur einmal gezeigt worden ist, dass Erfolg kein Selbstläufer ist. Der Außenstehende würde erstaunt auf den Spielplan schauen: eine Niederlage, ein Remis, 12 Siege in allen Pflichtspielen, Tabellenführung, Finaleinzug im Cup. Aber wenn man nur etwas an der Oberfläche kratzt, dann sieht man die Mühen, die damit verbunden waren. Mit einem Kader, wohlgemerkt, der stets eine Liga besser sein soll als jene, in der man gerade tätig ist. Gegen Imst musste die Nachspielzeit herhalten, gegen Kufstein das Elfmeterschießen, im Wals 70 torlose Minuten, gegen Saalfelden der Treffer in der 96. Minute… Beinahe etwas Katzengold, das den Zuschauern entgegenlächelt. Und da ist sie schon wieder dahin, die Bescheidenheit. In der Gewohnheit des Erfolgs verstorben. Ein Erfolg, der die ansonsten so oft gebeutelten Innsbrucker seit mehr als zwei Jahren begleitet. Tirol Liga mit einem Punkteschnitt von 2,58 und einer Niederlage. Regionalliga Tirol mit einem Schnitt von 2,69, im Ligaalltag nie verloren. Und derzeit stehen 2,62 bei zwei Niederlagen zu Buche. Es glänzt derzeit rund ums Tivoli, dass man als gelernter Tiroler versucht ist, die Gletscherbrille rauszuziehen. Und die nächste Politur könnte schon an diesem Wochenende hinzukommen.

Silber ist auch schön

Denn der erste Matchball ist aufgelegt. Nicht zum Titel, aber zum erklärten Saisonziel: Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse Österreichs, die Silver-League sozusagen. Und dazu reicht der zweite Platz in der Liga, die Silberne. Dass es jetzt, ganz kitschig, dazu in die Silberstadt geht, ist schon gar ein bisserl dick aufgetragen. Nicht nur wegen ihrer Geschichte. Das letzte Aufeinandertreffen im Oktober ist nämlich quasi das Menetekel des derzeitigen Auftretens. Denn das 2:1 war hart erkämpft, sehr hart. Und mit dem für Wacker derzeit beinahe natürlichen Glücks verbunden. Schwaz hielt lange das torlose Remis, um dann in der 74. Minute zuzuschlagen. Mit Can Alak natürlich. Er ist der Goldjunge der Liga derzeit. Ja, Innsbruck hat 67 Tore geschossen, Schwaz nur 50. Aber den einen, herausragenden Goalgetter, den gibt es an der Sill nicht, dort ist es Teamarbeit. Yilmaz mit 8, Owusu mit 7, Lechl, Sy und Kunze mit 6. Und einen ganzen Haufen mehr. In Schwaz? Can Alak: 27. Richtig gelesen. Mehr als die Hälfte aller Schwazer Tore, ein Schnitt von 1,17 pro Spiel. Torschützenführender der Regionalliga. Aber für das Spiel gegen Wacker war sein Tor nicht genug. Sahin fälschte einen Stanglpass von Joppich unglücklich ins eigene Tor, und Franzotti besiegelte in der 94. Minute den Sieg für Innsbruck. Schwaz blieb zweiter Sieger.

Neuer Glanz

Dabei haben die Schwazer einen massiven Umbruch hinter sich. Und man muss sagen: Respekt, wie sie diesen umgesetzt, wie sie diesen weggesteckt haben. 12 Abgänge verdaut nicht jeder. Aber weil das so gut funktioniert hat, wird auch die kommende Saison wieder ein neues Gesicht ankündigen, so spricht das Umfeld von Akif Güclü. Ein paar Kilometer westlich würde man das in einer nüchternen Presseaussendung mit „sozialverträglicher Arbeitnehmeranzahlkorrektur“ vermerken, bei Schwaz sagt man, dass die Schuhe an den Nagel gehängt oder wo anders geknüpft werden. Und so wird die Defensive um Neurauter, Nitzlnader, Hager, Schell und vielleicht auch Schwab ein letztes Mal gegen Wacker auflaufen, ganz unabhängig vom möglichen Aufstieg der Innsbrucker. Bevor der neue Glanz, der Abwehrriegel aus Silz/Mötz, kommt, noch ein schöner Abschluss für die Silberstädter.

Image by Soofia Tailor from Pixabay

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Autor: Stefan Weis

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