Skip to main content

Dahoam

Oder dahuam. Oder daham. Jedenfalls zu Hause, im eigenen Wohnzimmer, wird es am Pfingstmontag so richtig rundgehen. Zweimal Wacker in drei Finali werden drei neue Titelträger bringen. Also so halb, wir wissen ja, die schwarz-grünen Buben haben sich 1930 nach zwei Finalspielen, die beide Remis endeten, und mangels Entscheidungshilfen wie Elfmeterschießen oder der grausamsten aller Methoden, dem Münzwurf, gemeinsam mit Finalgegner IAC als Sieger gefeiert. Und Wattens, das mit seiner Kampfmannschaft aus dem Amateurbereich bereits vier Titel feiern konnte, steht ja mit den Amateuren, die derzeit das zweite Team sind, im Endspiel und nicht mit den als Tiroler Buam vermarkteten Bundesligisten aus neun Nationen und fünf Bundesländern.

Heimat bist du…

…nicht für jeden. Aber nicht, weil der Geburtsort zufällig woanders liegt, darauf darf herzlich gepfiffen werden. Es geht um Zugehörigkeit, um das Gefühl des sich Willkommenfühlens. Und das scheint am Tivoli nur auf eine Mannschaft zuzutreffen. Auf jene, die als einzige in den letzten Jahren das Stadion in einem Pflichtspiel ausverkauft hatte. Die, egal in welcher Liga, den finanzstärkeren Bruder in Zuschauern, in Stimmung überflügelt. 1.975, so viele sind es in Österreichs höchster Liga in diesem Jahr durchschnittlich gewesen am Tivoli. Mit den Gästen aus Vorarlberg, mit jenen aus Graz, mit jenen aus Wien. Mit all jenen, die Gesänge, wehende Fahnen und Choreos auf die Süd gezaubert haben. 3.204 waren es beim unterklassigen Verein in der Regionalliga im Schnitt, 15.753 im ÖFB-Pokal, 3.579 im Landescup. Und das Finale wird noch einmal ein Ausrufezeichen setzen, sind ja bereits über 6000 Karten abgesetzt. Die Heimat der WSG ist Wattens – und das ist nicht vertreibend gemeint, sondern bedauernd. Denn jedes seiner vermeintlichen Heimspiele auf fremdem Terrain bestreiten zu müssen, statt ein dem Interesse angepasstes Schmuckkästchen eine große, leere Hülle füllen zu müssen und regelmäßig daran zu scheitern, Wappen und Name dafür auch noch geopfert zu haben, das wünscht man keinem Fußballfan. Im Gegenteil, man wünscht ihnen, den Traum des Umbaus zu Hause endlich verwirklichen zu können. Und beinahe hätte man sich selbst aus diesem Traum wieder geworfen, denn es fehlte eigentlich nur ein Tor von Blau-Weiß im letzten Duell, und die zweite Liga hätte im kommenden Jahr ein Tiroler Derby gehabt.

Heim-Weh

Das kleinere Derby, das gegen die Amateure aus dem Unterland, das gibt es nun im Finale des Tiroler Cupbewerbs. Bevor aber die Herren den Abend beschließen, stehen noch zwei weitere Titelentscheidungen an. Im Nachwuchsbereich treffen Wattens und Ebbs aufeinander. Wackers Jungspunde haben damit nichts zu tun. Sie konnten sich zwar zum Auftakt locker gegen die Spielgemeinschaft Inzing/Hatting/Pettnau durchsetzen, zu Hause am W1 folgte aber das große Weh – bereits im Achtelfinale und mit einem Mann weniger unterlag man Rum mit 1:2 – und die Rumer im Seminfinale der WSG. Weniger Schmerzen verspürten die Innsbrucker Teilnehmer im nächsten Bewerb. Vielmehr Teilnehmerinnen – die Damen des FC Wacker Innsbruck 1b, die Telfs am Tivoli begrüßen dürfen. Die von Jodie Ehrlich und Maike Bergmeister betreuten Schwarz-Grünen sind in der Tirol Liga nicht nur recht weit oben zu finden, sondern bahnten sich mit Siegen gegen Vomp (2:0), Oberlangkampfen (5:0) und Wilten (1:0) den Weg ohne einen einzigen Gegentreffer ins Finale. Die eine Liga tiefer kämpfenden Telferinnen hatten durchaus mehr Mühe. Ja, Rum und Tarrenz wurden mit gesamt 9:0 beinahe verschluckt. Doch gegen Angerberg musste bereits das Glück im Elferschießen erzwungen werden, und im Halbfinale gegen Stubai war es ein mühsames 2:1. Dass man sich dabei auf die Heimstärke verlassen konnte, hat sicherlich geholfen.

Heimsieg

Und dann sind da noch die, die wohl am meisten Spannung bringen werden. Der Meister der Regionalliga Tirol gegen den Tabellenführer der Regionalliga Tirol. Den neuen, den alten hatte man in der letzten Runde zu Gast. Eigentlich ein gutes Zeichen, denn gegen St. Johann hatte man nicht allzu viel Mühe. Doch Wattens wird sicherlich mit einer anderen Motivation auftauchen. Und kommt mit sechs Pflichtspiel-Siegen in Folge. Die letzte Niederlage ist überhaupt unglaubliche 227 Tage her. Stolzer kann eine Brust nicht geschwellt sein, mehr Selbstvertrauen ist kaum möglich. Und dass man zwischen Volders und Kolsass einen Titel gegen Wacker noch ein Stückchen mehr feiern würde, ist wohl ebenso klar. Für Innsbruck ist also alles möglich – vom Nuller zur doppelten Pokalübergabe. Oder, für die Herren gedacht: Das Triple aus Aufstieg, Meisterschaft und Cupsieg. Und das sollte doch genug Motivation sein, wenn man sich aus dem Amateurbetrieb verabschiedet…

Foto: Alex Pauli

Avatar photo

Autor: Stefan Weis

Dieser Text stellt geistiges Eigentum des tivoli12 magazins dar und ist somit urheberrechtlich geschützt. Um den Text, oder Teile davon nutzen zu können, setzen Sie sich bitte mit dem tivoli12 magazin in Verbindung.
Skip to content