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Blockabfertigung am Tivoli

Es gibt Tiroler Themen, bei denen man sich sicher sein kann: Egal, wo man anfängt, am Ende steht irgendein LKW quer. Der Wolf, der Tourismus, die Raumordnung, der Brennerbasistunnel, der Stau am Fernpass – und natürlich der Transit. Dieses große rollende Missverständnis, bei dem ganz Europa sagt: „Wir fahren nur schnell durch“, während Tirol seit Jahrzehnten antwortet: „Ja, aber bitte nicht alle gleichzeitig und nicht dauernd durch unser Wohnzimmer.“

Letzten Samstag wurde auf der Brennerautobahn wieder demonstriert. Gegen den Transit, gegen die Blechlawine, gegen dieses absurde Gefühl, dass man in Tirol manchmal nicht in einem Land lebt, sondern auf einem verlängerten Parkplatz zwischen München und Verona. Menschen standen also dort, wo sonst Lastwagen stehen. Das ist in Tirol bereits eine Form von politischer Poesie.

Und jetzt kommt Kufstein ins Tivoli.

Kufstein, das ist ja auch so ein Wort, bei dem der Tiroler sofort an Grenze denkt. An Durchfahrt. An Festung. An das Lied, das schon Generationen von Menschen bewiesen hat, dass Heimatgefühl und musikalische Körperverletzung manchmal nah beieinanderliegen. Kufstein ist Tor nach Tirol, Tor aus Tirol, je nachdem, ob man gerade kommt oder flieht. Und damit ist es fast schon zwangsläufig, dass dieses Spiel unter dem Motto Transit steht.

Nur: Am Tivoli wird nicht einfach durchgefahren.

Der FC Wacker Innsbruck ist längst durch. Aufstieg fix. Meistertitel fix. Die Schranke Richtung Profifußball ist oben, die Vignette pickt, der Motor läuft. Nach Jahren auf Nebenstraßen, Schotterwegen und fragwürdigen Vereinsumleitungen ist Schwarz-Grün wieder auf der Route, auf die dieser Verein gehört. Man könnte also meinen, jetzt sei nur noch Ausrollen angesagt. Tempomat rein, Ellbogen aus dem Fenster, ein bisschen winken, und gut ist.

Aber so funktioniert Wacker nicht. Und schon gar nicht am Tivoli.

Denn ein Meister, der daheim gegen Kufstein spielt, hat nicht die Aufgabe, freundlich den Pannenstreifen freizugeben. Er hat die Aufgabe zu zeigen, dass hier wieder Ordnung herrscht. Dass nicht jeder einfach durchs Mittelfeld rollen kann wie ein deutscher Wohnwagen am Samstagvormittag. Dass es im Tivoli keine freie Durchfahrt gibt, keine Ausweichroute über die Seiten, keine Sondergenehmigung für schwere Fahrzeuge im Strafraum.

Wacker hat die Pflicht erledigt. Aber jetzt kommt die Kür, und die ist oft gefährlicher als die Pflicht. Weil der Gegner nichts zu verlieren hat. Weil die eigene Mannschaft vielleicht schon einen halben Gedanken im Sommer hat. Weil der Fan auf der Tribüne zwar Meister ist, aber trotzdem erwartet, dass man daheim nicht spielt wie ein müder LKW-Fahrer kurz vor dem Brennersee.

Also heißt es: Blockabfertigung. Aber diesmal anders.

Nicht Wacker wird blockiert. Wacker blockiert.

Kein Transit durch die Zentrale. Keine Raststätte im eigenen Sechzehner. Keine Einladung an Kufstein, gemütlich durch die Halbräume zu fahren und sich unterwegs noch einen Kaffee zu holen. Wer ins Tivoli kommt, soll merken: Hier ist nicht mehr Baustelle. Hier steht wieder etwas. Vielleicht noch nicht die fertige Autobahn in die große Fußballwelt, aber zumindest kein Feldweg mehr mit Warnschild und Schlaglochgarantie.

Natürlich kann man zynisch sagen: Passt eh zu Tirol. Kaum ist der FCW wieder oben, stehen schon wieder alle an und wollen durch. Hoffnungen, Erwartungen, Nostalgiker, Kritiker, Leute mit sehr genauen Erinnerungen an bessere Zeiten und noch genaueren Meinungen zu allem. Transit eben. Nur diesmal führt die Strecke nicht über den Brenner, sondern über das Tivoli.

Und irgendwo in diesem schwarz-grünen Verkehrschaos steht eine Mannschaft, die mehr als eine Saison ziemlich verlässlich gezeigt hat, dass sie mehr ist als ein nostalgisches Hinweisschild. Sie hat geliefert. Sie ist aufgestiegen. Sie ist Meister. Und jetzt darf sie die letzten Heimspiele nicht wie eine lästige Nachfrist behandeln, sondern wie das, was sie sind: eine Ehrenrunde mit Auftrag.

Gegen Kufstein geht es nicht mehr um Tabellenmathematik. Es geht um Haltung. Um die Frage, ob man als Meister auch dann spielt wie ein Meister, wenn der Taschenrechner längst ausgeschaltet ist. Um den Anspruch, dass am Tivoli nicht nur gefeiert, sondern weiterhin Fußball gearbeitet wird. Sauber, konzentriert, mit Tempo, mit Wucht, mit dem nötigen Schuss Gemeinheit.

Denn eines ist klar: Wenn schon Transit, dann bitte in die richtige Richtung.

Bild: KI generiert

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Autor: Michael Fritz

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