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Energie!

Captain’s Logbuch. Sternzeit: letzter Spieltag.

Die USS Wacker Innsbruck befindet sich auf Heimflug. Die Mission in der Regionalliga-Galaxie ist abgeschlossen. Der Aufstieg ist fix, der Meistertitel eingesackt, der Warpantrieb Richtung 2. Liga läuft warm. Auf der Brücke herrscht ungewohnte Ruhe. Kein roter Alarm, keine Finanz-Schilde bei 12 Prozent, keine unbekannte Lebensform namens „Lizenzverfahren“ im Maschinenraum.

Nur noch ein letzter Auftrag steht bevor: Heimspiel gegen die SCR Altach Juniors.

Die Sternenflotte würde sagen: Routineeinsatz.
Jeder Wackerianer weiß: Genau da beginnt der Blödsinn.

Denn aus dem fernen Vorarlberg nähert sich eine junge Spezies, deren Sprache selbst den Universalübersetzer regelmäßig in die Knie zwingt. Das Gerät versucht tapfer zu arbeiten, spuckt kurz „Grüß Gott“ aus, korrigiert auf „Hoi“, piepst dann dreimal und zeigt schließlich nur noch an:

Fehler 404: Vokal nicht gefunden.

Die Altach Juniors also. Kadetten aus dem äußersten Westquadranten. Jung, schnell, vermutlich mit mehr Lunge als Lebenserfahrung und vollkommen frei von historischen Traumata. Während der FCW mit Jahrzehnten an Drama, Konkursnähe, Wiedergeburt und kollektiver Stadionpsychose durchs All fliegt, kommen die einfach daher und wollen Fußball spielen. Frechheit eigentlich.

Auf der Wacker-Brücke ist die Lage trotzdem klar. Captain Tivoli steht am Kommandopult, die Kurve meldet volle Energie, der Maschinenraum riecht nach Bier, Bratwurst und vorsichtigem Optimismus. Alles bereit für den letzten Flug.

„Nummer Eins“, sagt der Captain, „Status?“

„Aufstieg fix.“

„Meistertitel?“

„Fix.“

„Gefahr durch Altacher Kadetten?“

„Unberechenbar. Sie wirken harmlos, aber sie bewegen sich schnell und reden in einer Frequenz, die unsere Sensoren nicht sauber erfassen.“

„Also wie immer bei Vorarlbergern.“

„Aye, Captain.“

Und damit ist eigentlich alles gesagt.

Sportlich ist dieses Spiel kein planetarer Endkampf mehr. Kein Borg-Kubus vor dem Tivoli, kein klingonisches Ehrenduell um die Tabellenkrone, kein dramatischer Countdown bis zur Selbstzerstörung. Die große Geschichte ist geschrieben. Wacker hat die Regionalliga durchquert, vermessen, überlebt und am Ende verlassen wie ein Raumschiff, das nach Jahren im Nebel endlich wieder die Hauptstrecke findet.

Aber ein letzter Logbucheintrag bleibt.

Und der soll bitte nicht lauten:

„Crew geistig bereits auf Risa. Gastmannschaft durfte unbehelligt durchs Mittelfeld beamen.“

Nein. Ein Meister verabschiedet sich nicht im Bademantel. Ein Meister stellt sich noch einmal hin, zieht die Uniform gerade, überprüft die Phaser und sagt: „Energie.“

Denn letzte Spiele sind tückisch. Alles ist entschieden, alle sind erleichtert, der Sommer winkt, und genau in diesem Moment taucht irgendwo ein junger Altacher Fähnrich auf, rennt 40 Meter, versteht selbst nicht ganz warum, und plötzlich blinkt am Tivoli wieder roter Alarm.

Das muss nicht sein.

Also noch einmal Konzentration. Keine offenen Schotts. Keine diplomatischen Geschenke. Keine Raum-Zeit-Verzerrungen im eigenen Sechzehner. Und bitte keine Experimente, bei denen am Ende jemand erklärt: „In der Simulation hat das funktioniert.“

Die Regionalliga war lange genug ein fremder Planet. Jetzt wird das Außenteam zurückgebeamt.

Wacker ist Meister. Wacker ist Aufsteiger. Die Crew hat geliefert. Der letzte Gegner kommt aus einem Dialektraum, in dem selbst Vulkanier emotional werden würden. Das Tivoli ist bereit.

Captain’s Logbuch, Nachtrag:
Mission abgeschlossen.
Kurs gesetzt.
Nächster Halt: 2. Liga.

Und irgendwo tief im Maschinenraum ruft einer:

„Warpkern stabil. Aber bitte diesmal nicht wieder alle deppert machen.“

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Autor: Michael Fritz

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