Einfach nur magisch
Es ist erlaubt, das erste Spiel dieser Saison als magisch zu beschreiben. Das erste Spiel im ÖFB-Cup gegen den SK Rapid vor über 16.000 Zuschauern. Auch das Publikum von 80.289 Zuschauern bei 19 Heimspielen wirkt magisch. Im Durchschnitt waren bei jedem Spiel im eigenen Stadion 4461 Zuschauer dabei. Wir schreiben hier von einem Tiroler 3. Ligisten(!). Der FC Wacker Innsbruck gewann im „Finale dahoam“ sowohl mit der 2. Frauenmannschaft, als auch mit den Herren den TFV-Cuptitel.
Baustelle FC Wacker Innsbruck
Die Schwarz-Grünen zertrümmerten förmlich die Regionalliga West. Mit 21 Punkten vor dem SV Kuchl, 28 Siegen, zwei Unentschieden und nur zwei Niederlagen spielte sich der FC Wacker Innsbruck in die Geschichtsbücher und löste den FC Lustenau als bisherigen Punkterekordhalter ab. Die ganze Saison war einfach nur magisch!
Höchste Zeit zurückzublicken. Erinnert ihr euch an das letzte Bundesligaspiel gegen den SCR Altach im Schnabelholz? Eine originelle Choreografie der wackeren Fankurve sorgte für Aufsehen. Im rappelvollen Auswärtssektor waren nämlich lauter Bauarbeiter und Bauarbeiterinnen im dementsprechenden Outfit zu sehen. Selbst auf die Baustellenhelme wurde nicht vergessen. Und vor der Kurve war in großen Lettern irgendetwas von unserer Baustelle FC Wacker Innsbruck zu lesen. Ach, wie wahr.

Es musste dazu aber ein Neuaufbau her. Damals konnte noch niemand vorhersagen, was noch alles auf die Schwarz-Grünen hereinprasseln würde. Schwamm drüber. Ab dem ersten Spiel 2022 im Amateurfußball zeigte der Anhang des FC Wacker Innsbruck, dass er wie eine Mauer hinter ihrem Verein steht. Eine glückliche Fügung wollte dann, dass der FC Bayern und der LAFC auf den Tiroler Traditionsvereins aufmerksam wurden. Eine weitere neue Erfahrung war, dass sich am Tivoli verschiedene Stakeholder die Klinken in die Hand drückten. Aus der Baustelle wurde ein Neuaufbau und vier Jahre später steht ein stabiles Fundament, um darauf aufzubauen. So entsteht eine vielversprechende Perspektive. Ich empfehle also die Vergangenheit in Frieden ruhen zu lassen. Weil es in der Vergangenheit nie wirklich möglich war, etwas Nachhaltiges aufzubauen. Jetzt scheint es wirklich die Chance dazu zu geben!
Besuch von überall her
Ja, da ist er also. Der „neue“ Mannschaftsbus des FC Wacker Innsbruck. Egal, dass er schon etliche Kilometer auf dem dem Buckel hat und ganz Europa gesehen hat. Er ist bereit, die Reise quer durch die Alpenrepublik anzutreten. Dieser stand zur Besichtigung an der Nordostecke des Tivolis. Die Innsbrucker haben einen früheren Mannschaftsbus des FC Bayern „überklebt“. Schwarz-Grün natürlich. Die Legende fährt wieder durch ganze Österreich!
Vor und im Tivoli konnte man vielfältige Dialekte hören. An erster Stelle natürlich Stimmen aus allen Landesteilen Tirols, aber auch von andernorts waren viele gekommen. Von Hessisch bis Italienisch, von Hochdeutsch bis Südtirolerisch oder von Schwyzerdütsch bis Englisch und Burgenländisch, war alles dabei. Es hat mich besonders gefreut, die Familie des ehemaligen Schwarz-Grünen Ewald Gröss, dessen Sohn, die Schwiegertochter und den Enkel, kennenlernen zu dürfen (siehe Foto unten). Das geniale Sturmduo Gröss und Roscher erzielte Anfang der Achtziger nicht weniger als 141 Tore. Die Familie ist extra aus Niederösterreich angereist, um den FC Wacker Innsbruck zu unterstützen.

Der letzte Akt
Das Legendenspiel hat gehalten, was es versprochen hat. Alex Hauser, Marcel Schreter oder Hannes Aigner und Co wissen noch, wo das Tor im Tivoli steht. Ein großartiges Erlebnis war es, den Haudegen wieder auf die Beine zu schauen. 3721 Zuschauer kamen dann zum letzten Akt im Amateurbereich. FC Wacker Innsbruck gegen die SCR Altach Juniors. Vom Anpfiff weg waren die Vorarlberger zu Statisten degradiert worden. Ein Spiel wie auf einer schiefen Ebene. Ein wahrer Triumphmarsch der Schwarz-Grünen wurde zum Abschluss einer unbeschreiblichen Reise der vergangenen vier Jahre geboten.
Auf den Tribünen erlebte ein begeistertes Publikum einen 5:0-Sieg, der zum Spiegelbild dieser unglaublichen Saison wurde. Es gibt Dinge, die kann man um kein Geld der Welt kaufen. Am Ende kam es zu Explosionen der Emotionen. Unzählige Bierduschen am Feld und Freibier am Kiosk für die treue Fangemeinde. Die letzte Halbe der 800 Liter Freibier habe ich gerade noch ergattern können. Außerdem sind mir die zahlreichen leuchtenden Kinderaugen mit selbst gemalten Bildern besonders aufgefallen. Es muss nicht Real Madrid oder die Champions League sein. Als die Spieler längst unter der Dusche waren, standen immer noch viele Fans auf der Westtribüne unten am Zaun und genossen ganz einfach dieses Gefühl Wacker zu sein.

Unter den Tribünen – von der Nord-West-Ecke bis zum Ende der Nordtribüne – wurde ausgelassen gefeiert. „Die Legende lebt“ oder „Sierra Madre“, aus tausenden Kehlen gesungen, brachten nicht nur das Tivoli zum Erbeben. Und da ja auf den Bergen die Herz-Jesu Feuer loderten, ließ man sich auch in Tirols Fußball-Kathedrale nicht lange bitten und leuchtete auf eine Weise zurück, wie man es eben Fußball-Fans machen. Es war einmal mehr ein magischer Abend, der zum Lohn für die Vereinstreue – ganz unabhängig von Liga und Tiefschlägen – der Fans wurde. Danke FC Wacker Innsbruck!
Fotos und Videos: Rudolf Tilg