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Pressespiegel - 26.02.2024

Frauen müssen fürs Spielen sogar zahlen

Autor: Florian Madl, Medium: Tiroler Tageszeitung

Eine Umfrage unter Österreichs Bundesliga-Fußballerinnen lässt aufhorchen: Die Protagonistinnen müssen zahlen, um zu spielen.

Innsbruck – Der Streik der spanischen Erstliga-Fußballerinnen ging im September 2023 zu Ende, nachdem sich Gewerkschaft und Verband auf ein Mindestjahresgehalt von 21.000 Euro geeinigt hatten. Während die Spielerinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im Schnitt auf 43.670 Euro/Jahr kommen, darbt Österreichs Bundesliga dahin. Das zeigte unlängst eine Umfrage des Instituts für empirische Sozialforschung in Kooperation mit der younion-Sportgewerkschaft: Die Angaben der 114 Spielerinnen aus acht der zehn Vereine ließen aufhorchen: 

• Zwischen 250 und 750 Euro muss die Mehrheit im Jahr aufwenden, um spielen zu können. Wacker-Kapitänin Miriam Hochmuth, die wie alle Tiroler Team-Kolleginnen eine pauschale Reise- und Aufwandsentschädigung erhält, erzählt: „Die Kleidung bekommen wir, die Schuhe zahlen wir selbst.“ 

• Nur 26 Prozent der Akteurinnen haben einen Profivertrag (44 Prozent nur ein Jahr), Zusatzleistungen wie Wohnung oder Auto nur die wenigsten. 

• Deswegen würden die Damen zwar zwischen 20 und 30 Stunden wöchentlich für den Fußball aufwenden, im Gegenzug seien allerdings nur 9 Prozent ausschließlich Fußballerinnen (ohne Nebenjob). 

Den Wunsch nach Professionalisierung teilt Hochmuth jedenfalls: „Natürlich würde man sich mehr wünschen. Es wird in Tirol schwierig, wenn man so weitermacht“, erzählt die 26-jährige Schwazerin. Wenn die Sportlehrerin wie zumeist am Sonntag ein Bundesligaspiel bestreitet, steht sie anderntags schon wieder in der Schule. „Der Regenerationstag fehlt mir“, gesteht sie. Schwierig sei es deshalb auch, eine Vormittagseinheit oder ein Trainingslager durchzuführen. 

Viktoria Schnaderbeck, langjährige Kapitänin des Nationalteams, unterstützt die Gewerkschaftsforderung nach besseren Rahmenbedingungen: „Alle sollten sich dafür einsetzen, dass junge Talente sich in einer professionellen und unterstützenden Umgebung entfalten können.“ Ins selbe Horn stößt younion-Spielervertreter Thomas Pichlmann: „Es darf nicht sein, dass Fußballerinnen in Österreich keine Karriere machen können. Viele müssen auch viel zu früh aufhören, weil die Rahmenbedingungen einfach nicht passen.“ 

Und Wacker-Kapitänin Miriam Hochmuth hofft, dass sich im Sinne des Tiroler Fußballs etwas ändert: „Es wäre schade, wenn keine heimische Mannschaft mehr in der ersten Liga steht.“

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