Pressespiegel - 19.01.2026
„Wir haben mit Tiroler Spielern eine Ära geprägt“
Autor: Alex Gruber, Medium: Tiroler Tageszeitung

Volders - Mit Michael Streiter feiert eine echte Tiroler Fußball-Legende heute den 60. Geburtstag. Die TT blickte mit dem Rekordspieler des FC Wacker Innsbruck und langjährigen Mister Volders in die ruhmreiche Vergangenheit und nahe Zukunft.
Wie klingt der 60er?
Streiter: Mir geht’s gut. Aber was mich schon ein bisschen erschreckt, ist, wie schnell die Zeit nach dem aktiven Karriereende bis zum heutigen Tag gelaufen ist.
Hat Sie auch das Fußball-Unterhaus jung gehalten?
Streiter: Die Arbeit in einem Dorfclub hält einen anders auf Trab als im Profigeschäft. Es hieß für mich „Back to the roots“. Wir müssen jeden Tag kämpfen, ablösefreie Spieler holen, viele Spieler entwickeln ... Im Profigeschäft habe ich mich einfach nicht mehr wohlgefühlt, weil ich das Meine nicht durchgebracht habe. Wenn ich nicht kriege, was ich brauche, um erfolgreich zu sein, wie in Horn oder Altach, dann mache ich es nicht mehr.
Ihre letzte Profi-Station war beim FC Wacker, wo Sie nach dem Bundesliga-Abstieg in Liga zwei 2014 vorzeitig gehen mussten.
Streiter: Wir hatten damals nicht die Qualität für den sofortigen Wiederaufstieg, aber das wurde dann anders kommuniziert.
Sind Sie mit Ihrer Trainerkarriere zufrieden?
Streiter: Vom Gefühl her hätte ich mehr erreichen können, aber ich glaube, dass viele mit meiner offenen Art nicht haben umgehen können. Aber das bin ich: Ich schau in den Spiegel rein und gleich raus.
Dafür hätte wohl Ihre Spielerkarriere nicht viel besser laufen können?
Streiter: Jein. Was gefehlt hat, war ein Auslands-Transfer, in unserer Zeit gab es ja das Bosman-Urteil noch nicht. Nach der WM 1990 wollte mich zum Beispiel der HSV, aber ich war wie zwei, drei weitere Male einfach zu teuer, auch wenn das komisch klingen mag. Man hat seine Verträge fertig gespielt, aber eben immer noch dem Verein gehört.
Die titelreichen Zeiten in Tirol, auch als Wacker-Rekordspieler, waren grandios?
Streiter: Beim letzten Titel (2001) war ich nur mehr ein kleiner Teil, aber – ich bin mit 17 nach Innsbruck – es waren natürlich viele tolle Jahre. Ich habe mit 22, 23 Jahren die Kapitänsschleife bekommen und musste sie trotz wechselnder Trainer und Wahlen nicht mehr abgeben. Die vielen Spiele für Wacker erfüllen mich mit Stolz, weil diese gewaltige Zahl Konstanz und Leistung bestätigt. Ich habe mich nie zufriedengegeben, denn sonst spielst du auf dem gleichen Niveau nicht so lange weiter.
An welche Mit- oder auch Gegenspieler erinnern Sie sich besonders?
Streiter: Als Mitspieler stand für mich Pipo Gorosito an erster Stelle. Es war eine Augenweide, wie dieser tolle Mensch Fußball spielen können hat. Natürlich auch Hansi Müller, weil er unserem Fußball in Tirol mit seiner überragenden Klasse als deutscher Teamspieler eine brutale Note verliehen hat. Auch ein Bruno Pezzey, der viel zu früh von uns gegangen ist. Was mich bei all diesen Größen gefreut hat, ist, dass wir Tiroler mit einem Linzmaier, Wazinger, Hörtnagl, dann auch Baur usw. dem Spiel einen Stempel aufgedrückt und eine Ära geprägt haben.
Gibt’s einen Titel, der am höchsten hängt?
Streiter: Das war schon 1989 der erste Titel im alten Tivoli mit einem Spalier bis in die Innenstadt zum Goldenen Dachl. Auch der Cupsieg mit Hin- und Rückspiel gegen die Admira – nach einem 0:2 auswärts und einem 0:1-Rückstand zuhause, den wir in einen 6:2-Sieg drehen konnten – war legendär. International waren es auf Vereinsebene die Spiele gegen Real, auch wenn wir eines 1:9 verloren haben. Daheim blieben wir aber ungeschlagen und haben einmal 2:0 gewonnen gegen diese Weltauswahl. Und natürlich in der Saison 1986/87 der Einzug ins Europacup-Halbfinale.
Und im ÖFB-Teamdress war es vermutlich die WM 1990 in Italien?
Streiter: Das Drumherum schon bis zur WM war brutal, wir sind auf Schritt und Tritt verfolgt worden und haben fast nicht einmal unbeobachtet aufs Klo gehen können. Das Auftaktspiel gegen Italien hat die mediale Präsenz unglaublich verstärkt. Ich freue mich jetzt auf die WM, das ist für jeden Fußballer das Größte und wäre ein Schatten für die Generation um Alaba oder Arnautovic gewesen, wenn sie sich nicht qualifiziert hätte.
Zurück ins Unterhaus zum FC Volders: Wie man hört, ist das Ihre letzte Saison als Trainer?
Streiter: Jetzt bin ich 60, mein Sohn Manuel hat von unten rauf jetzt auch die Trainerprüfungen absolviert und ich will ihn von der Leine lassen. Irgendwann muss man auch loslassen, als Obmann bin ich ja von 8 Uhr in der Früh bis 8 Uhr am Abend (schmunzelt) noch da. Es kann sein, dass sich für mich bei einem Nationalteam in Afrika etwas ergibt. Das würde mir mit den Reisen, die im Fußball schön sind, taugen. Ich muss mich im Profigeschäft sicher nicht verstecken.
Sind Sie auch ein Laptop-Trainer geworden?
Streiter: Nein! Und ich wundere mich oft, was im Unterhaus in „Fachsprache“ so hineingeschrien wird, wenn schon die normalen Basics fehlen. Im Laptop steht nicht, dass ein Ball verspringen oder ein Spieler ausrutschen kann. Es braucht Vorgaben – und Intuition, die auch aus Fehlern entsteht.