Pressespiegel - 09.04.2026
Mit kleinen Mitteln zum großen Ziel
Autor: Alex Gruber, Medium: Tiroler Tageszeitung

Das Herren-Nationalteam von Kap Verde spielt 2026 erstmals bei der WM. Den Traum vom Profifußball will sich auch Edlene Milene Varela Vaz Pereira erfüllen. Das Insel-Juwel darf sich bei den FC-Wacker-Frauen beweisen.
Wenn die Kugel rollt, fällt auch die Sprachbarriere weg. Das war am Dienstagabend in der Innsbrucker Wiesengasse zu sehen, als Edlene Mileni Varela Vaz Pereira beim Training der Wacker-Frauen mitwirken durfte. Die 20-Jährige, die auf ihrer ersten Europa-Reise und erstmals fern von der Heimat von Florian Wegenstein begleitet wird, wurde herzlich willkommen geheißen und zeigte mit schnellen Beinen und ihrem starken linken Fuß auf. Dabei war sie zu Beginn in Kematen, wie Wegenstein beherbergt in den vier Wänden von Sammy Glatz, noch ziemlich schüchtern. „Es ist ja alles neu für sie“, attestierte der Ex-Kematen-Coach, zumal Pereira noch bei Schneefall in Tirol gelandet war.
„Was Florian mit einfachen Mitteln leistet, liegt mir sehr am Herzen“, streut Glatz seinem Freund, den er in Tarrafal auf der Insel Santiago schon öfters als Fußball-Trainer unterstützt hat, Rosen. Wegenstein wanderte vor über zwei Jahrzehnten nach Kap Verde aus, schafft beim Verein Delta Cultura Cabo Verde („Schafft durch Bildung Armut ab“) auch abseits des Rasenvierecks mit sozialem Engagement einen Rahmen, damit Kinder und Jugendliche besser heranwachsen können. „Ich kenne Edlene, seit sie sechs Jahre alt ist. Die Jungs in Kap Verde wollten die Mädchen früher nie mitspielen lassen. Sie hat mit ihrem Talent viel dazu beigetragen, dass sich das verändert hat“, erklärt der gebürtige Schweizer, der in Österreich aufgewachsen ist.
Pereira sei im Alter von 12 Jahren zu einer strengen, gläubigen Tante gezogen, kümmere sich dort um heranwachsende Kinder und gehe einem Online-Studium im Wirtschaftszweig nach. Der leidenschaftliche Traum vom Profifußball steht aber über allem: „Dem ordnet sie alles unter“, unterstreicht Wegenstein, der nach dem Wacker-Gastspiel mit Edlene zu Probetrainings nach Portugal weiterreisen wird. Da fällt die Sprachbarriere dann weg. Einen breiten Grinser trägt die Offensivspielerin aber schon jetzt in den schwarz-grünen Reihen im Gesicht. König Fußball verbindet.
„Solange sie in Tirol ist, kann sie immer und gerne bei uns mittrainieren. Sie ist schnell, beidbeinig und sehr lernwillig“, hat Pereira gleich das Interesse von Wackers Frauen-Trainer Yasar Demir geweckt. Möge ihr Traum in Erfüllung gehen.