
Autor: Claus Meinert, Medium: Kronen Zeitung

Als Wacker-Fan hatte man es in der Vergangenheit nicht immer leicht. Pleiten, Pech und Pannen waren in regelmäßigen Abständen die Begleiter des Traditionsvereins, sogar das endgültige Aus des inoffiziell seit dem Jahr 1913 bestehenden Vereins stand zur Debatte. So mancher „Möchtegern“-Präsident, der sich letztlich nur selbst inszenierte, aber wenig Gönnerhaftes zutage brachte, vergriff sich am Verein, riss ihn immer weiter in den Abgrund. Lizenzentzug und Zwangsabstieg in die fünfte Liga waren 2022 die Folge. Diesen Scherbenhaufen übernahm vor erst knapp vier Jahren der gebürtige Kufsteiner Johannes Rauch. Seither wurden viele Weichen – auch mit finanzieller Hilfe eines US-Investors – erfolgreich gestellt, wurde Schritt für Schritt so gesetzt, dass man nicht wieder Gefahr lief, auf halber Strecke die nächste Pleite einzufahren.
Drei Meistertitel und somit Aufstiege in Folge stehen auf der sportlichen Seite am Soll. Aber es geht um mehr als nur diese Seite. Es geht darum, dass viele Tiroler Fußballfans endlich wieder einen Klub haben, mit dem man sich identifiziert, für den man sich lautstark macht und für den man mit Freunden auch wieder ins Stadion geht. Der Wacker scheint nun jene Bodenständigkeit wiedererlangt zu haben, die man sich als Fan erwartet und in die man Vertrauen setzt. Und es scheint so, dass auch die Jahre lang abhanden gekommene Strahlkraft wieder da ist. Den jüngsten Beweis lieferte wohl das Finale um den Tiroler Fußballcup. Statt daheim zu grillen und zu chillen, pilgerten an diesem heißen Pfingstmontag mehr als 10.000 Fans ins Tivolistadion, verwandelten dieses Spiel in eine Art Sommernachtstraum für Tirols Sport. Diese Zuschauerzahl bei einem regionalen Cupfinale wird als einzigartig in die Geschichte des österreichischen Fußballsports eingehen.
Aber weit wichtiger ist, wie es jetzt weitergeht: Der Aufstieg in die Zweite Bundesliga bedeutet noch lange nicht die Rückkehr in die einst so glorreichen Zeiten. Finanziell und strukturell bleiben die Herausforderungen enorm. Auch der sportliche Druck wird im nun wieder angekommenen Profifußball nicht kleiner sein, im Gegenteil: Investoren säen, um letztlich zu ernten. Der Spaß an der Sache hält sich dabei meist in Grenzen.
Wichtig ist aber vor allem, dass am Tivoli wieder ein Verein mit Geschichte, Emotion und einer klaren Rolle für Tirol auftritt. Josef Geisler, Präsident des Tiroler Fußballverbandes, brachte es kürzlich treffend so auf den Punkt: „Ziel muss sein, dass sich am Tivoli wieder richtig was tut.“ Das habe auch unbezahlbare Folgewirkungen. Der FC Wacker Innsbruck ist am besten Weg in Richtung dieses Zieles.