Skip to main content

Pressespiegel - 29.05.2026

„Für eine Torfrau habe ich den richtigen Vogel“

Autor: Daniel Lenninger, Medium: Tiroler Tageszeitung

Erneut Torhüterin des Jahres: Sofia Gabriel glänzte beim FC Wacker. Dabei kam sie als Stürmerin zum Probetraining.

Der erste Kontakt zwischen Sofia Gabriel und dem FC Wacker begann einst mit einer Überraschung. Im Jugendalter wurde die Zillertalerin zu einem Probetraining eingeladen. Ihr Kalkül: Sie würde als Stürmerin eingesetzt. Beim FC Wacker sah man sie aber als Torhüterin, weil sie zuvor beim SK Hippach einige Male im Tor ausgeholfen hatte. „Ich hatte gar keine Handschuhe dabei, die musste ich mir ausleihen“, lächelt die 25-Jährige. 

Der Rest ist eine Geschichte, wie sie eben manchmal nur der Fußball schreibt. Denn die Kindergartenpädagogin wurde kürzlich in der 2. Frauen-Fußball-Bundesliga zum zweiten Mal in Folge zur besten Torhüterin gewählt. Die Auszeichnung ging am Montag beim Tiroler Cupfinale vor über 10.000 Fans im Tivoli-Stadion über die Bühne. „Das war ein Gänsehaut-Moment und eine Bestätigung für viele Ups and Downs“, strahlt Gabriel. 

Die Entscheidung für das Tor war vor zehn Jahren eine alternativlose. „Körperlich war es gar nicht anders möglich. Ich bin sechsmal am Meniskus operiert worden und hatte mit 17 sogar eine Meniskustransplantation.“ Die Karriere stand auf der Kippe, „aber ich dachte mir: Das kann es noch nicht gewesen sein.“ 

Gabriel, die mit 14 in der Tiroler Liga und mit 15 in der Bundesliga debütierte hatte, kehrte nach langer Pause ins Tor zurück. „Ich glaube, dass mein Talent für das Tor größer war als jenes am Feld. Man sagt oft, dass Torhüterinnen nicht alle haben. Für eine Torfrau habe ich den richtigen Vogel“, grinst die Ersatzkapitänin. 

Vereinstreue trotz Angeboten 

Die Vergangenheit als Stürmerin helfe ihr bei Abschlägen, beim Skifahren legte sie die Grundlage für Reaktionsgeschwindigkeit und Schnellkraft. Und für den Feinschliff sorgte Torwarttrainer Emanuel Ponholzer (MKU Tormannschule): „Er ist der einzige Grund, warum ich zweimal diese Auszeichnung bekommen habe. Ich habe aber auch bewiesen, dass man sich alles im Leben erarbeiten kann.“ 

Mit ihrem Team blieb sie als Tabellenfünfter etwas unter den Erwartungen. „Wir haben uns die Top drei vorgenommen, hatten aber unheimliches Verletzungspech“, betont die Torfrau. Angebote aus der 1. Bundesliga schlug Gabriel aus: „Weil ich an das Projekt beim FC Wacker glaube. Wir haben das Zeug dazu, ein Aufstiegskandidat zu sein.“ 

Und bei den Schwarz-Grünen fühlt sie sich ausreichend wertgeschätzt. Um Equal Pay (gleiche Bezahlung), wie im Frauenfußball ab und zu gefordert, gehe es ihr gar nicht: „Ich bin keine Verfechterin davon. Das Interesse ist größer geworden. Aber solange Frauen nicht gleich viel Geld einbringen wie Männer, ist das wirtschaftlich nicht möglich. Wichtig ist trotzdem, dass wir professionell trainieren können.“

Skip to content